Wie man auch als Hundertjährige noch Familien helfen kann

Franziskusschwestern feierten großes Jubiläum froh und heiter

0 06.08.2019

BEDINGRADE. „Strapazierfähig“ seien sie, die Schwestern, sagte Pater Adam Kalinowski aus Gelsenkirchen in seiner von heiterer Gelassenheit geprägten Predigt. Der Franziskaner-Minorit ist in Bedingrade häufiger zu Gast, er ist ein Freund der Schwestern und er hielt den Jubiläumsgottesdienst bei den Franziskusschwestern der Familienpflege, die am vergangenen Sonntag ihr 100-jähriges Bestehen feierten, mit einem stimmungsvollen Gottesdienst, aber ganz ohne Saus und Braus, froh aber bescheiden, so wie man die Schwestern hier in Bedingrade kennt und schätzt.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg herrschte bittere Not. Da beschlossen tatkräftige Frauen den Familien zu helfen, denen die Mutter fehlte, die Hunger litten und wo doch viele Kinder zu ernähren waren. Die Frauen beriefen sich auf den Franziskanerpater Quintinus Wirtz, der die Not sah und die Jugend aufgerufen hatte sich zu engagieren, in den Familien zu arbeiten und so zu helfen. Am 1. August 1919 gründeten Frauen die Kongregation der Franziskusschwestern der Familienhilfe, damals in der Sedanstraße im Essener Südost-Viertel.

Aus bitterer Not heraus

In der Geschichte des Ordens liest man: „Obwohl von der Intention des Gründers keine klösterliche Gemeinschaft gewollt war, konnte niemand die Entwicklung in diese Richtung aufhalten. Von Anfang an war es Ziel und Wunsch der Schwestern, als religiöse, klösterliche Gemeinschaft anerkannt zu werden. Sie führten ein ordensähnliches Leben und setzten alles daran, auch als religiöse Gemeinschaft von der Kirche bestätigt zu werden.“ Aber erst im September 1939 gestattete Kardinal Schulte, Köln, den Namen der Gemeinschaft zu ändern in: “Franziskusschwestern der Familienpflege – Dienerinnen der seraphischen Liebe“ (seraphisch: nach der Art der Engel, engelgleich). Die offizielle Eintragung erfolgte aber erst mit der kirchlichen Anerkennung als „Kongregation Bischöflichen Rechtes“ im Jahr 1946. Strapazierfähig“ seien die Schwestern, sagte Pater Adam, und „haltbar, langlebig, robust, unverwüstlich“. „Zielstrebig“ möchte man noch ergänzen, „zupackend“ und „herzlich“.

Borbecker erinnern sich dankbar

So haben jedenfalls viele Bedingrader und Borbecker die Schwestern dankbar in Erinnerung aus der Zeit, in der sie das Franziskus-Krankenhaus führten und die Kranken und frisch Operierten gesund pflegten. Auch viele der jungen Menschen, die in Bedingrade einen Beruf in der Kranken- und Altenpflege erlernten, denken gerne an die Jahre zurück. Das hohe Maß an Zuwendung, das die Schwestern damals den Menschen geschenkt haben, prägt bis heute ihr hohes Ansehen in der Bevölkerung. (Nebenbei: An der katholischen Schule für Pflegeberufe in der Stadtmitte bildet Sr. Dr. Anette Maria Chmielorz noch immer junge Leute im Sinne der Franziskusschwestern aus.)

Das Krankenhaus ist Geschichte: Die Schwestern hatten die Zeichen der Zeit erkannt und am 1. August 1991 das Haus der Dionysiuspfarre übertragen.

Stiftung hilft unbürokratisch

Doch Familien helfen, das wollen die Franziskusschwestern auch als „Hundertjährige“ noch. Die immer kleiner werdende Gemeinschaft gründete im Jahr 2004 eine Stiftung. „Wir sehen darin die Möglichkeit, unsere Antwort auf die Not der Zeit zu geben“, so die Generaloberin Sr. Judith Schmidt. Die Quintinusstiftung gibt dem Gründungsauftrag, den Familien in Not zu helfen, Zukunft!“

Mit den finanziellen Mitteln der Stiftung wollen die Schwestern momentane Notlagen lindern, gleichzeitig aber auch eine Grundlage für eine möglichst dauerhafte Verbesserung der Situation schaffen. Ihre Hilfe ist vielfältig und individuell, schnell und unbürokratisch. suhö

Zum Foto: Bürgermeister Franz-Josef Britz (in der Mitte) gratulierte für die Stadt Essen den Schwestern zum 100-jährigen Bestehen. Nach dem Gottesdienst traf man sich im Hof zum Sektempfang.

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