Vor 75 Jahren: Deutsche Meisterschaften in der Boxarena am Schloss

0 02.08.2025

BORBECK. „Festtage der deutschen Amateurboxer. Kongreß und Meisterschaften in der Ruhrmetropole“ meldeten am 6. Juni 1950 die Zeitungen. Selbst der General-Anzeiger für Bonn und Umgebung (Dienstag, 06.06.1950, S. 6.) berichtete: „Der Deutsche Amateur-Boxverband ermittelt seine diesjährigen Meister bekanntlich vom 2. bis 6. August in Essen und den umliegenden Städten des Ruhrgebiets. Insgesamt werden bei der zahlenmäßig starken Beteiligung - startberechtigt sind alle regionalen Verbandsmeister - acht Vorrundenveranstaltungen notwendig sein.“

Ein Boxfest im Stahl- und Kohlerevier

Es wurde insgesamt ein wahres Boxfest, so viel war sicher. Und Borbeck sollte eine wichtige Rolle spielen, so die Nachrichten: „Mit vier Zwischenrunden, zwei Vorschlußrunden und den Entscheidungen ergibt sich eine Zahl von hochklassigen Veranstaltungen, für die als Austragungsorte alle größeren Städte der Essener Umgebung wie Köln, Düsseldorf, Solingen, Hamborn, Gladbeck, Bochum, Hagen und Dortmund in Frage kommen. In Essen, das in der neuen Arena am Schloß Borbeck über eine ideale Kampfstätte verfügt, werden eine Vorrunde am 2. August), eine Vorschlußrunde (5. August) und die Entscheidungskämpfe um den Titel bezw, um den dritten Platz (am 6. August) ausgetragen. Die vorbereitenden Ausschüsse arbeiten schon jetzt auf Hochtouren. Die Auslosung der Kämpfe (Meldeschluß ist am 4. Juli) wird bereits am 6. Juli im Essener Rathaus durch den Essener Oberbürgermeister Dr. Toussaint vorgenommen. Der DABV hat inzwischen nach Essen auch seinen satzungsgemäßen Kongreß einberufen, der am 4. August stattfinden wird. Jeder angeschlossene Landesverband entsende seine Delegierten, die für jeden Verein über eine Stimme verfügen.“

Box-Elite tummelt sich am Schloss Borbeck

Und dann kamen die großen Tage rund ums Schloss: Die Zuschauer strömten, die deutsche Box-Elite gab sich unter freiem Himmel die Hand, um mit ihr anschließend möglichst punkterelevante Treffer beim Gegner zu erzielen. Die Crème de la Crème des damaligen deutschen Amateur-Boxsports aus allen Bundesländern trat zu den Vorrunden und den Deutschen Final-Kämpfen am 6. August an:

Fliegengewichtler Eugen Paffrath aus Düsseldorf siegte zuletzt in der Gewichtsklasse bis 51 kg, die weiteren Titel holten sich der Hamborner Kurt Slojewski (54 kg), Ferdinand Hoog aus Haagen (-57 kg), Fritz Ehmann aus Weiden (60kg) und der Stuttgarter Fritz Bihler (67kg). Deutscher Meister im Halbschwergewicht (-75 kg) wurde Linksausleger Günther Sladky aus Dinslaken vom FK Dorsten, der seinen Titel 1951 wiederholen konnte, Helmut Pirrmann vom KSV Weinheim besiegte den Kölner Schmidt nach Punkten und holte sich den Titel im Halbschwergewicht (75 kg), auch seine Karriere startete hier: Er wurde dreimal Deutscher Meister und boxte bei den Europameisterschaften. Im späteren Superschwergewicht holte sich Vorjahresmeister Hugo Saalfeld aus Recklinghausen die Medaille, der den Erfolg 1951 für seinen Club in Stuttgart noch einmal wiederholen konnte.

Boxlegende Ernst Dubois und seine Arena

Es waren Festspiele, die die heute Dubois-Arena in die weiteste Öffentlichkeit brachten - ein Riesenrund, weit größer als der heutige Rest, das nach der Essener Boxlegende Ernst Dubois benannt wurde. Der 1900 in Essen geborene Boxpionier gründete 1920 in Essen eine Boxschule, war aktiver Boxer in seinem „Essener Boxclub Dubois 1920 e.V.“ (EBD), ging sechs Jahre nach Brasilien, überlebte den Krieg als Soldat und organisierte Boxkämpfe in einer neuen Aufbruchszeit. Denn das in Deutschland nach dem Krieg neu zunächst verbotene Boxen organisierte sich gerade neu: Ende 1949 konnten sich die Faustkampf-Enthusiasten auf nationaler Ebene zum „Deutschen Amateur-Box-Verband“ (DABV) zusammenschließen, 1950 wurde dieser in die AIBA, den neuen Weltverband des Amateurboxens, aufgenommen. Eine Zeit des Neuaufbaus, die Dubois aktiv vorantrieb: Er initiierte auf dem Gelände des ehemaligen Teichs an der Waldschenke den Bau der Box-Arena, die im August 1950 vor 20.000 Zuschauern mit den Endkämpfen der Deutschen Amateur-Boxmeisterschaften eröffnet wurde. Sie wurde zu einer deutschlandweit bekannten Sportstätte, deren Geschichte Franz Josef Gründges und Birthe Marfording nachzeichneten: Neben bekannten lokalen Boxgrößen wie Leo Starosch und Fritz Rings traten hochkarätige Profi-Boxer wie Bubi Scholz, Peter „de Aap“ Müller und Archie Moore auf.

1957: Max Schmeling kommt nach Borbeck

Die Zeit der großen Sportwettkämpfe neigte sich jedoch schon in den 1950er-Jahren auch wieder dem Ende zu - Ernst Dubois selbst war von schwerer Krankheit gezeichnet. Am 16. Februar 1957 starb der „Motor“ der Dubois-Arena und Ehrenvorsitzende des EBD 1920 e.V.. Seine Arena erlebte noch einmal eine kurze Glanzzeit: Der US-amerikanischen Weltmeister und Halbschwergewichtslegende Archie Moore kämpfte zehn Runden gegen den Deutschen Meister Hans Kalbfell aus Hagen, der ehemalige deutsche Boxweltmeister Max Schmeling fungierte dabei als Ringrichter.

Aber ohne das Charisma und den Einsatz von Ernst Dubois verlor die später unter dem Namen „Dubois-Arena“ geführte Arena mehr und mehr an Bedeutung. 1967 gab der EB Dubois 1920 die Arena an die Stadt zurück, 1971 wurde sie Arena wegen Baufälligkeit geschlossen. Nach Renovierung durch den Förderkreis für das Schönebecker Jugend-Blasorchester wurde sie 1973 wiedereröffnet, 1976 wieder geschlossen, 1978 wieder in Betrieb genommen, erneut geschlossen, 1992 vom Arbeitskreis Dubois-Arena umgebaut und im August 1996 wiedereröffnet. Viel passiert derzeit dort wirklich nicht – die schier unglaubliche Zahl von 20.000 euphorischen Boxfans und Schlachtenbummlern vor 75 Jahren wird sich wohl kaum noch jemand vorstellen können.

CB

Bundesarchiv, Bild 183-08395-0002 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de

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