Vor 160 Jahren: Böllerschüsse vom Dionysius-Kirchturm

0 15.06.2024

BORBECK. Eine riesige Menschenmenge drängte sich am 7. Juni 1864 rund um die brandneue Dionysiuskirche in Borbeck: In schwindelnder Höhe kletterten Handwerker bei bestem Wetter auf den Kirchturm herum und bereiteten das große Finale vor. Pfarrer Johann Joseph Legrand (Bild oben) hatte am 7. August 1862 den Grundstein für den bereits 1855 durch den berühmten Neugotiker und Kölner Dombaumeister Vinzenz Statz entworfenen Bau gelegt. Der Stein dazu, ein Geschenk des Vorstandes vom Hl. Grab zu Jerusalem, stammte nach Zeitungsberichten von der Stelle im Heiligen Land, an der nach einer frommen Sage der Baum stand, aus dem das Kreuz Jesu gezimmert worden sein soll.

Zu Weihnachten 1863 wurde die Kirche erstmals genutzt – jetzt ging sie endlich ihrer Vollendung entgegen. Darüber berichtet die Essener Zeitung in ihrer Sonntagsausgabe am 10. Juni 1864:

„Über die Aufrichtung des Kreuzes auf der Turmspitze der neuen katholischen Kirche hierselbst wird uns geschrieben: Es war eine jedenfalls seltene Überraschung, als am 7. Juni 1864 durch die anerkannt tüchtigen Meister: Christian Marre, Heinrich Mühlenberg, Hermann Bücking, mit Hilfe ihrer Gesellen Heinrich Bücking, Joseph Wittstamm und Joseph Peters dem Hauptthurm in der Form eines einfachen, schönen und geschmackvollen circa 1200 Pfund Gewicht haltenden eisernen Kreuzes, und zwar in einer Höhe von über 200 Fuß, die Krone aufgesetzt wurde.

Die mit vieler Gefahr verknüpfte Arbeit ist kunst- und fachgemäß ausgeführt, und ohne irgend welchen Unfall abgelaufen. Alle irgendwie in die Waagschaale schlagenden Umstände waren günstig, das ganze Werk vom schönsten Wetter begleitet, ein anderes erwähnenswertes Zusammentreffen war, dass, als die zur Feier des gelungenen Werkes und zur Schmückung des Kreuzes an demselben angebrachte Fahne in vollem Flor sich entfaltete, der Küster die zwölfte Tagesstunde anläutete.

Meister und Gesellen freuten sich selbst über ihre glücklich verrichtete gefährliche Arbeit, sie gaben dieser Freude Ausdruck in der Weise, dass sie von der höchsten Spitze des Thurmes circa 50 weithin schallende Schüsse abfeuerten, und Nachmittags gegen 4 Uhr das Kreuz mit Guirlanden aus Eichenlaub in Form eines Kranzes schmückten. Unsern erwähnten tüchtigen Arbeitern wurde denn auch, wie sie es sehr wohl verdient hatten, nach vollbrachter Arbeit in dem Holt'schen Gartenlokale ein vergnügter Abend zutheil."

Das Tempo, mit dem Pfarrer Legrand den Borbecker Kirchbau vorantrieb und dabei keine Rücksicht auf die üblichen Formalien nahm, war für die erzbischöfliche Verwaltung in Köln offensichtlich zu schnell - erst am 13. Juni 1867 wurden die Altäre der Borbecker St. Dionysius-Kirche geweiht. Immerhin kam Erzbischof Paulus Kardinal Melchers (1814-1895), der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, dafür selbst persönlich nach Borbeck. Pläne für die nächsten Kirchenbauten in Frintrop und Bergeborbeck waren bereits in Arbeit.

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