Vor 10 Jahren: Fürstin schloss Pakt mit der Zukunft

Fest lockte viele Besucher in den Borbecker Schlosspark

0 02.07.2026

BORBECK. „Wirdt auch in sonderheit allen Bürgern undt Einwohnern verbotten, daß sie keine Studenten undt Lehrjungens zu Gelage setzen, oder leiden sollen in ihren Häusern zu Karten und Doppelen, sondern dieselbe von sich abweisen undt sie vielmehr den Eltern, Meistern undt Praeceptoren angeben, bey Straffe von 3 Goldgulden.“ So hieß es 1725 in einer Anordnung des Rats der Stadt mit empfindlichen Strafen gegen das offensichtlich stark eingerissene Raufen, Spielen und Nachtschwärmen. Schon sechs Jahre zuvor klagte der Rat:

„Demnach die klägliche Erfahrung leider bezeuget, was gestalt einige Leute dem Gesöff, besonders aber dem hitzigen Geträncke, so sehr ergeben sindt, daß nicht allein sich selbst um ihr Gut, Leib und Leben, sondern auch ihr Weib und Kind an den Bettelstab bringen.“ Und das, so die Verordnung, sollte harte Konsequenzen haben: „So aber Jemandt auff geschehene Warnung von dem Gesöff nicht abstünde, sondern aller Erinnerung ungeachtet dennoch im Vollsauffen continuiren würde, so soll Er alß ein Söffer undt Verschwender öffentlich erkläret, außgeruffen undt sein Nahme angeschlagen werden, auch von allen ehrlichen Zusahmenkünfften außgeschloßen undt nach dem Tode sonder Gesang und Klag begraben werden.“

Am 9. Juli vor zehn Jahren wurde mit großem Pomp beim „Fest der Fürstin“ daran erinnert: Der Bürger- und Verkehrsverein hatte 2016 zum gut besuchten Spektakel vor und auf der großen Bühne im Schlosspark eingeladen. Äbtissin Anna Salome II. von Manderscheidt-Blankenheim gab sich mit großem Gefolge die Ehre, begleitet von OB Thomas Kufen, Bürgermeister Rudolf Jelinek, Baron Maximilian Freiherr von Fürstenberg, von Beichtvater und Hofmusikus, Advokaten, Königspaar und Hofmarschall der Borbecker Schützen.

Sie mussten auch gleich tätig werden: Denn mitten vor dem Publikum hatte sich eine raufende und gröhlende Horde wild verkleideter Studenten eingefunden, die an langer Tafel zechten und beim Liedersingen in Streit gerieten. Auf einen Wink der Fürstin machte die harte Schützenhand kurzen Prozess, um sie der Landesherrin vorzuführen: Mit tiefer Verbeugung baten sie die Übeltäter um Vergebung, die natürlich nach kräftigen Ermahnungen huldreich gewährt wurde:

„Meine Herren Studenten – es mag sein, dass Sie sich hin und wieder mit Fleiß der Geometrie, Mathematik und Kosmologie widmen, auch dem Studium der Alten Sprachen, der Wirtschaft, aller Künste und - ja selbst der Theologie. Allein: So geht es nicht – mon Dieu! … Nein – so, meine Herren, geht es nicht. Trinkt aufs Wohl der Landesherrin – das ist immer Euch gestattet. Wie allen anderen hier auch. …. Vertragt Euch nun mit jedermann und jeder Frau, seid höflich, voller Anstand auch, versöhnt Euch wieder und schlagt ein: Denn Friede soll in unsren Landen sein! Dies gilt für alle hier: Wer immer sich verträgt mit allen, wer immer Friede walten lässt, der lebt ganz gottgefällig und: auch Uns ist dies zur Freude.“

Die in flagranti erwischten Studiosi, dargestellt von spielfreudigen Mitgliedern des wissenschaftlichen katholischen Studentenvereins Unitas Ruhrania an der Flurstraße, gelobten mit tiefen Verbeugungen selbstverständlich Besserung. Der Borbecker Schützenverein 1833 freute sich ebenfalls über die gelungene Aktion und das Schönebecker Jugend-Blasorchester blies zum nächsten Akt: Der turbulente Nachmittag im Vorzeichen des Jahres, in den Essen die „Grüne Hauptstadt Europas“ werden sollte, erfreute Hunderte Besucher, mit denen die Fürstin einen feierlichen Pakt schloss. Den Frieden untereinander zu wahren, das Miteinander in Borbeck zu fördern, den Park zu pflegen und zu erhalten und für ein „grünes Essen“ einzustehen.

„Heute wollen wir ein Bündnis schließen: Um zu erhalten, was unser Leben bereichert, um zu pflegen, was uns gegeben ist, um zu feiern, was uns Zukunft gibt. Volk von Borbeck, Bürger der Stadt – liebe Kinder: Ihr habt die Zukunft in der Hand. Und lasst uns dieses heute feiern. Merci bien – ich danke euch allen!“

Die BBVV-Vorsitzende Susanne Asche, Textautor und Impresario Franz Josef Gründges und Birthe Marfording in der Rolle der Fürstin schauten zuletzt zufrieden auf den großen Spaß für Klein und Groß. Auch die vielen Mitwirkenden freuten sich: Die Mitglieder des „Theaterlaien“ (Thomas Krieger, Marco Heckhoff, Tim Meier und Robert Beilstein), das SJB, die Schützen, das Moritaten schmetternde Vokalensemble, die Kinder der Bischof-von-Ketteler Schule, die „Flotten Socken“ und Ehepaar Haneke von der damaligen Schlossgastronomie stimmten gerne zum Schluss ins Steigerlied ein.

CB

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