Von der Hafenstraße zur Easter Road

0 13.07.2025

Wer die beiden Straßennamen nicht kennt, braucht nur einen Blick auf die deutsche und britische Ausgabe des Online-Lexikons Wikipedia zu werfen. Dort werden die Suchbegriffe in deutscher bzw. englischer Sprache bis auf die Namen fast identisch erklärt:

„Das Stadion an der Hafenstraße ist ein Fußballstadion im Essener Stadtteil Bergeborbeck.“

„Easter Road is a football stadium located in the Leith area of Edinburgh, Scotland.“

Fußballfreunden ist klar: Es handelt sich um die Spielstätten von Rot-Weiss Essen und des schottischen Klubs Hibernian FC.

Beide Mannschaften waren einmal zeitgleich Fußballmeister ihres jeweiligen Landes. Das war im Jahr 1955, ein Jahr von fußballhistorischer Bedeutung. Zum ersten Mal wurde nämlich der Europa-Pokal der Landesmeister, Vorläufer der Champions-League, ausgespielt.

In der ersten Runde trafen RWE und Hibernian FC im Hinspiel an der Hafenstraße und im Rückspiel an der Easter Road aufeinander. Rot-Weiss schied zwar aus, schrieb aber zusammen mit den Schotten europäische Fußballgeschichte.

Daran erinnerte man sich jetzt in der schottischen Hauptstadt. Denn die Hibs, wie die Mitglieder und Anhänger von Hibernian FC genannt werden, feierten ihr 150. Vereinsjubiläum. Dazu luden sie die Rot-Weißen für den 9. Juli 2025 zu einem Freundschaftsspiel ein. Außerdem: Man konnte an die Begegnungen beider Mannschaften vor 70 Jahren erinnern, ein weiteres Jubiläum.

Kaum hatte sich diese Nachricht in Bergeborbeck herumgesprochen, brach eine nostalgische Fußballbegeisterung aus. Innerhalb kurzer Zeit waren mehr als 2.000 Tickets an RWE-Fans verkauft, die ihre Mannschaft nach Schottland begleiten wollten.

Auch in Schottland war man nicht untätig und warb kräftig für das Match zwischen dem erstklassigen Hibernian FC und Rot-Weiss Essen aus der 3. Bundesliga. (Kleines Bild oben rechts).

Die Essener Fußballfans sahen das Ereignis in Schottland nicht nur als Fußballspiel, sondern als ein Treffen zwischen schottischen und deutschen Freunden an. Am Vorabend des Spiels luden sie deshalb zu einer gemeinsamen Party ein. Motto. „Hibs fans are welcome. Drink together, celebrate together.“ Also: gemeinsam trinken, gemeinsam feiern.

Vor dem Spieltag und am Spieltag war die Altstadt fest in rot-weißer Hand, auch der unterhalb des Edinburgh Castle gelegene Grassmarket, der in der Vergangenheit Marktplatz für den Vieh- und Pferdehandel war. (Bild rechts)

Sogar Geschäfte hatten das RWE-Logo in ihre Schaufenster aufgenommen und zeigten auf diese Weise ihre Verbundenheit mit den Bergeborbecker Gästen.

 

Das Fußballspiel selbst erhöhte die Vorfreude auf die kommende Saison. Trotz der 2:3 Niederlage zeigte RWE eine vielversprechende Leistung, die von den Essener Fans pausenlos gefeiert wurde: Die Westkurve hatte sich von Bergeborbeck an die Easter Road in Edinburgh verlagert! Stadionbild

Die schottischen Kommentare zum Auftreten der RWE-Mannschaft und ihrer Fans waren mehr als anerkennend. Stellvertretend sei dafür Edinburghs Chef-Trainer David Gray zitiert. Er spricht von einem „fantastic support from the Rot-Weiss Essen supporters“.

 

 

Die Begegnung mit Hibernian FC, an die auch der Wimpel von 1955 erinnert, war eine Reise in eine emotionale Vergangenheit mit der berechtigten Aussicht auf die Rückkehr in eine erfolgreiche RWE-Zukunft.

Wolfgang Sykorra

 

Quellen: Homepage des Hibernian FC,  Diverse Presseartikel, Eigene Beobachtungen, RWE-Geschichte im Stadion / Ausstellung - Bild Wimpel. Weitere Fotos: Privat,

Straßen waren in ein rot-weißes Fahnen- und Farbenmeer verwandelt.





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