Volkstrauertag mit Kranzniederlegung am Frintroper Mahnmal

0 17.11.2025

Frintrop. Seit 1952 werden Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in Frintrop ausgerichtet. Seit 1975 findet diese Veranstaltung am Mahnmal in Unterfrintrop und seit 2008 an seinem jetzigen Standort an der eigens geschaffenen Stätte am Leoplatz statt.

Der Sozialverband VdK Deutschland und der BVV laden seit jeher prominente Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens ein, mahnende Worte am Mahnkreuz an die anwesende Bevölkerung zu richten.

In diesem Jahr war der Sozialverband Ausrichter. Trotz des leichten Regens am vergangenen Sonntag (16. November) hatten sich einige Gäste eingefunden und folgten der feierlich angelegten Veranstaltung und den Worten der Vortragenden.

Zahlreiche Vereine hatten Ehren- und Fahnenabordnungen entsandt. Für die sorgsam musikalische Umrahmung sorgte der Bläserkreis Essen-Dellwig.
Mandatsträger und -trägerinnen aus Rat und Bezirksvertretung, Bezirksbürgermeisterin Margarete Roderig sowie zahlreiche Vorstandsmitglieder der umliegenden Vereine waren ebenso vertreten.

Ursula Schwark, stellvertretende Vorsitzende des VdK Kreisverbandes Rhein-Ruhr, begrüßte die Anwesenden und führte weiter aus: "Der Volkstrauertag ist ein Tag des Gedenkens, der Mahnung – und ein Tag der Hoffnung. Er ruft uns auf, die Vergangenheit nicht zu vergessen und die Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen."

Und weiter: „Wir denken an die Opfer von Gewalt und Krieg, an Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertrieben und Flüchtlinge ihr Leben verloren.
Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden, Teil einer Minderheit waren oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.
Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft geleistet haben, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Bundeswehrsoldaten, Polizistinnen und Polizisten und andere Einsatzkräfte, die im Einsatz für unser Land ihr Leben verloren.
Wir gedenken heute auch derer, die bei uns durch Hass und Gewalt Opfer geworden sind.
Wir gedenken der Opfer von Terrorismus und Extremismus, Antisemitismus und Rassismus in unserem Land.
Wir trauern mit allen, die Leid tragen um die Toten, und teilen ihren Schmerz.

Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der ganzen Welt.“

„Achte das Leben“ – diese schlichten Worte stehen am Mahnmal neben uns. Sie geben uns jedes Jahr neu Orientierung.

Die Gedenkansprache hielt Dieter Borchert, Vorsitzende des Kreisverbandes. "Seit über 100 Jahren erinnert der Volkstrauertag an die Toten der beiden Weltkriege, an die Gefallenen, Vermissten, an die Opfer von Gewaltherrschaft, Vertreibung und Diktatur. Doch er erinnert uns auch daran, dass Frieden und Menschlichkeit keine Selbstverständlichkeit sind. [...] Der Sozialverband VdK ist in dieser Erinnerung tief verwurzelt. Unsere Wurzeln reichen zurück in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals schlossen sich Kriegsversehrte, Hinterbliebene und Opfer des Krieges zusammen, um füreinander einzustehen – für Hilfe, für Anerkennung, für Würde.

Diese Solidarität war der Anfang unseres Verbandes. Der VdK ist also selbst ein Kind jener Zeit, aus der das Gedenken am Volkstrauertag erwuchs.
Wir tragen diese Geschichte weiter – nicht aus Nostalgie, sondern aus Verantwortung." [...]

"Wir leben in einer Zeit, in der Geschichte wieder gefährlich nahekommt. Die Generation der Zeitzeugen wird kleiner – aber ihre Geschichten dürfen nicht verstummen.
Es liegt an uns, diese Erinnerungen wachzuhalten. Nicht als Pflicht, sondern als Ausdruck unserer Menschlichkeit.

Der Volkstrauertag ruft uns auf:

  • Nie wieder Krieg.
  • Nie wieder Diktatur.
  • Nie wieder Gleichgültigkeit.

Lassen Sie uns also nicht nur trauern, sondern handeln. Lassen Sie uns gemeinsam eintreten für eine Gesellschaft, in der Frieden, Respekt und Solidarität gelebt werden – Tag für Tag."


Kranzniederlegung

Das obere Foto zeigt den Vorsitzenden des Bürger- und Verkehrsvereins Frintrop Manfred Funke-Kaiser, Bezirksbürgermeisterin Margarete Roderig, Ursula Schwark und Dieter Borchert (beide VdK).


Zum Hintergrund

Die Ausrichtung der Gedenkfeiern zum Volkstrauertag begann 1952 durch den Bürger- und Verkehrsverein Essen-Frintrop zusammen mit Ortsvereinen zunächst in Oberfrintrop am Gedenkstein westlich der St.-Josef-Kirche. Da in Unterfrintrop nun eine Gedenkstätte fehlte, stifteten Vereine 1955 ein Mahn- und Gedenkkreuz auf dem Leoplatz, das der ortsansässige Schreinermeister Johann Arzt aus Eichenholz mit bronzener Erinnerungstafel auf einem Sockel aus Ruhrsandstein errichtete. Auf der Tafel stand: Unseren Gefallenen und Toten beider Weltkriege 1914/18 u. 1939/45.

Das Gedenkkreuz wurde am 31. Juli 1955 feierlich der Stadt Essen übergeben, wobei Oberbürgermeister Hans Toussaint durch den Bürgermeister Paul Jaeger vertreten wurde.

Ab 1975 wurden die Gedenkfeiern durch den Sozialverband Deutschland und ab 1980 jährlich im Wechsel mit dem Sozialverband VdK Deutschland ausgerichtet. Renovierungen des Holzkreuzes fanden 1979 und 1990 statt. Dabei erhielt es einen wetterfesten Anstrich sowie eine Kupferabdeckung.

Aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt Essen wurde der bisherige Pachtvertrages mit der Pfarrei Herz Jesu zum 31. Juli 1994 gekündigt, so dass die Kirche für die Pflege des Grundstückes verantwortlich wurde. Da die Verwitterung des Holzkreuzes nicht mehr aufzuhalten war, entschied man sich 1999 zu genereller Umgestaltung der Gedenkstätte. Da man sich für ein Material aus heimischer Produktion entschied, kam Unterstützung der Aluminium Essen GmbH, der heutigen Trimet Aluminium. Auf deren Vorschlag hin entstand ein 900 Kilogramm schweres und knapp fünf Meter hohes Aluminium-Kreuz aus einem Ovalbarren als Vollkörper, zu dem das Fundament verstärkt werden musste. Auf dem Gelände der Alu-Hütte wurde das Kreuz am 9. September 1999 erstmals gezeigt.

Die Aufstellung am Leoplatz erfolgte am 9. November des Jahres, die Einweihung im Rahmen der Gedenkfeier zum Volkstrauertag folgte am 17. November durch die evangelische Kirchengemeinde Gnadenkirche und die katholische Kirchengemeinde Herz Jesu. Auf der nebenstehenden Gedenktafel stehen nun die Worte: Achte das Leben. Zur Erinnerung an die Toten der beiden Weltkriege und der Gewaltherrschaft.

2008 musste das Kreuz zum Gedenken an die Toten der beiden Weltkriege und der Gewaltherrschaft seinen ursprünglichen Standort in der Leostraße wegen des Abrisses der Herz Jesu-Kirche verlassen. Seitdem hat es an dieser Stelle seinen neuen Standort gefunden und ist in jedem Jahr Ort für die Gedenkfeierlichkeiten zum Volkstrauertag.

Geschichte des Mahnmals und der Gedenkstätte

Eine ausführliche Erklärung finden Sie hier.

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