Verborgene Schätze heben

Von der Jahreshauptversammlung des BBVV

0 15.03.2019

BORBECK. Protokoll angenommen, umfangreicher Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Susanne Asche, Kasse bestens in Ordnung, Vorstand entlastet, Andrea Korytowski und Jörn Meissner zu Kassenprüfern bestellt, Gymbo-Direktor Lars Schnoor neues Mitglied im Beirat und ein herzlicher Dank an alle Mitstreiter. So kurz könnte ein Bericht von der Jahreshauptversammlung des Borbecker Bürger- und Verkehrsvereins e.V. (BBVV) am Donnerstag, 14. März 2019, im Saal des Gasthauses Gummersbach ausfallen.

Doch natürlich gab es schon im Rückblick auf 2018 einiges herauszustellen, das vom BBVV-Team im Vorjahr gestemmt worden ist - von den großen Veranstaltungen bis zu den vielen kleinen, die den Vorstand, Beirat und engagierte Mitglieder auf Trab hielten. So gab es neben der Maienmahlzeit mit Prof. Grütter, dem IV. Fest der Fürstin, dem Weihnachtsmarkttag und den regelmäßigen Dialogveranstaltungen zum ersten Mal auch die Veranstaltung „Miteinander in Borbeck“ – ein Hinweis auf die hoch kommunikative Seite der vor allem nach außen gerichtet BBVV-Aktivitäten, aber auch auf die wachsende Vernetzung der Akteure, die „in schöner Zusammenarbeit für den ganzen Stadtteil wirken“, so Susanne Asche.

Immer mehr machen engagiert mit, schließen sich dem BBVV auch als Mitglieder an – so die erfreuliche Bilanz. All dies begleitet von der örtlichen Presse, aber ebenso von den eigenen Kommunikationsmedien der verschiedenen Initiativen wie der zum Valentinstag 2019 gestarteten Info-Plattform www.borbeck.de. Das in Kooperation von BBVV, dem Kultur-Historischen Verein Borbeck (KHV) und dem Initiativkreis Borbeck (CeBo) aufgesetzte Projekt, so scheint es, wird inzwischen gut angenommen: Rund 9.000 Seitenbesuche in vier Wochen, so Beiratsmitglied Walter Frosch von ppr-Partner, sind ein schöner Erfolg – auch die zur Schließung der BORBECKER NACHRICHTEN bereits Ende August 2018 online gegangene Facebookseite „Unsere Borbecker Nachrichten“ verbuchte in den vergangenen vier Wochen eine Reichweite von 3.300 Besuchern und über 2.000 Beitragsinteraktionen.

Sie reagieren vielfach auf Fragen, die sich in Essens größtem Stadtteil nicht wenige umtreiben. Das machte auch die Aussprache nach dem Rechenschaftsbericht deutlich: so stand wieder einmal das Thema „Zukunft des Philippusstiftes“ auf der Tagesordnung, zu dem viele Sorgen von Bürgern noch beim kürzlich stattgefundenen „Bürgerdialog“ des Vereins geäußert worden waren. Hier bleibe es nach den vorgestellten Planungen der Contilia-Gruppe wichtig, weiter zu informieren, die Entwicklungen aufmerksam zu begleiten, Öffentlichkeit herzustellen und kritisch nachzufragen. Ziel bleibe die Sicherung einer qualitativ hochwertigen wohnraumnahen Gesundheitsversorgung, so die Debatte.

Talkrunde zu Geschichte und Erinnerungskultur

Dass in der Vergangenheit schon vieles sang- und klanglos aus dem Stadtbild verschwunden ist, griff der traditionelle Talk im Anschluss an den offiziellen Teil der Versammlung auf. Unter dem Titel „Erinnerungen bewahren, Vergangenes lebendig machen, Geschichte vermitteln" ging es mit einem mehr als kundigen Podium um ein ganzes Bündel spannender Fragen. In sehr lebendigen Beiträgen wurden auf die Fragen von Franz Josef Gründges und Dr. Christof Beckmann ganz persönliche Perspektiven auf die Themen deutlich: Denn Andreas Koerner (KHV Borbeck), Birthe Marfording (Kulturzentrum Schloß Borbeck) und Burkhard Effertz (Essen historisch) setzen sich in je ganz eigener Weise mit dem Spannungsfeld von Erinnerung, Vergangenheit und Vermittlungsfragen auseinander.

Wie und wo lassen sich heute noch Spuren der untergegangene bäuerliche Wirtschafts- und Alltagskultur finden, der kolossalen Schwerindustrie, der Arbeit unter Tage, der Kriegsfolgen? Vieles, so scheint es, ist unwiederbringlich verloren. Und doch werden sie sichtbar: In Archivalien, an noch erhaltenen Gebäuden, in bildlichen Zeugnissen – man muss nur ihre Faszination entdecken und eine besondere Leidenschaft entwickeln. Wie Andreas Koerner – er versteht sich mit seinen jahrzehntelangen Forschungen weit mehr als ein „Antiquar“, sagte er: Der gelernte Bibliothekar, den es 1984 nach Borbeck verschlug, sichtet und ordnet vielfältigen Akten und Alltagsgegenstände unter dem Dach der Alten Cuestery des Kulturhistorischen Vereins, er hebt verborgene Schätze, stellt Zusammenhänge her, versucht zu verstehen, bereitet sie auf, entreißt ihre Botschaft dem Vergessen. Vielfach, betonte er, stamme der Bestand aus Nachlässen, die in gute Hände gegeben werden sollen, damit sie nicht verloren gehen.

„Originale mit ihrer großartigen Schrift anzufassen, sie wirklich in den Händen zu halten und zu fühlen, das ist ein großartiges Erlebnis“, pflichtete ihm Birthe Marfording bei. Für die Historikerin, in Schloss Borbeck täglich umgeben von den Zeugnissen einer vergangenen Zeit, ist Borbeck „ihr liebster Stadtteil“ geworden. Und wenn Geschichte anschaulich werden soll, dann lässt sie sich gerne auch als leibhaftige Fürstin fordern. „Geschichte vermitteln, heißt eben auch Geschichten zu erzählen. Und es ist weit mehr als Folklore, wenn sie inszeniert wird“, betonte sie bereits mit Blick auf das nächste Fest der Fürstin, das diesmal die Geschichte des Schlossparks aufgreifen wird. Insofern sei das Erinnern tatsächlich ein kreativer und sozialer Prozess zugleich.

Wie faszinierend der Blick auf die Vergangenheit am Beispiel hunderter alter Postkarten werden kann, unterstrich Burkhardt Effertz, der als Anschauungsobjekte zahlreiche Bilder gleich mitbrachte. Wer damals eine Karte an seine Familie und Freunde schickte, sah in ihr die reale Wirklichkeit und ihre Inszenierung zugleich. „Das war dann oft der rußigste Ausschnitt der Krupp-Werke mit ihren rauchenden Schloten“, so Effertz, der auch viele alte Borbecker Ansichten zeigte. Dass die Karten viele Besucher gleich auch zum Vergleich mit der heutigen Zeit anregten, zeigt die Faszination, die vom Vergangenen ausgeht: Es zu kennen, lässt die Wirklichkeit der Gegenwart in einem viel größeren Horizont begreifen. Und sie hat eine große identitätsstiftende Kraft – auch das machten alle Podiumsteilnehmer in der munteren Debatte mehr als deutlich.

Vorschau auf 2019

Viele kleine und große BBVV-Veranstaltungen werden nun das laufende Jahr prägen: Mehr als sonst werden bereits am Samstag, 16.03.2019, zum Borbecker „SauberZauber“ erwartet, freute sich die Vorsitzende Susanne Asche. Dabei werden die um 10:00 Uhr am Treffpunkt Germaniaplatz startenden Aktiven diesmal nicht nur von einem Team von „Zug um Zug“ unterstützt: Für 11 Uhr hat sich auch Oberbürgermeister Thomas Kufen zu einem Besuch angesagt.

Herzlich wies Susanne Asche bereits auch auf die Borbecker Maienmahlzeit am 9. Mai 2019 hin. Sie beginnt ab 18:00 Uhr in der Dampfe Essen-Borbeck. Als Festredner spricht der Vorstandsvorsitzende der Emschergenossenschaft / Lippeverband, Prof. Dr. Uli Paetzel zum Thema „Der Emscherumbau. Wie Flussmanager das Revier transformieren“. Auch dazu wird bereits jetzt freundlich eingeladen!

Weitere Termine:
17.05.2019:     „Miteinander in Borbeck“ – Borbecker Vereine und Einrichtungen stellen sich vor, Germaniaplatz 10:00 – 15:00
23.06.2019      „Fest der Fürstin“ im Schlosspark Borbeck ( 15.00 - 18.00 Uhr)
19.09.2019      Exkursion „Auf den Spuren der Fürstäbtissinnen“ mit dem Förderverein Schloß Borbeck
07.11.2019:     7. Borbecker Martinszug
01.12.2019:     25. Borbecker Weihnachts-Markttag

Termine Bürgerdialog: 08.04.2019, 06.05.2019, 03.06.2019, 08.07.2019, 09.09.2019, 07.10.2019, 11.11.2017, 09.12.2019 jeweils von 16 – 17 Uhr im „Stützpunkt“ des SPZ und nach Ankündigung

Mehr zum BBVV: www.bbvv.de

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 1 und 7.