„Und täglich grüßt das Murmeltier …“

Seltsame Bräuche und Wetterregeln zu Mariä Lichtmess

0 27.01.2024

Rund um den 2. Februar, das Fest Mariä Lichtmess, dreht der Ort Punxsutawney in Pennsylvania/USA wieder durch. Denn dort wie an vielen Orten in den USA und Kanada wird der Tag mit einer Riesenféte begangen - der seltsame, aber traditionsreiche „Groundhog Day“ ging durch den 1993 gedrehten Hollywood-Streifen „Und täglich grüßt das Murmeltier“ mit Bill Murray um die Welt. Dabei geht es darum, das Waldmurmeltier erstmals wieder aus seinem Bau zu locken. Ein alter Wetterbrauch: Denn wenn an dem Tag die Sonne scheint, soll der Winter noch sechs weitere Wochen dauern.

Dieser „Murmeltierttag“ geht auf deutsche Auswanderer zurück: Erste Nachrichten über den „Grundsaudaag“, wie ihn Auswanderer in der Sprache des „Pennsylvania Dutch“ nannten, finden sich vor der Mitte des 19. Jahrhunderts, findige Zeitungen machten das Treiben am „Candlemas Day“ zu einem großen Volksfest. Schon in der Heimat galt den „Erfindern“ des Brauchs der 2. Februar als „Lostag“, an dem sich das Wetter für die kommenden Wochen abschätzen ließ. Verbunden war er mit der Beobachtung, wie sich Tiere, etwa Dachse und Bären, in dieser Zeit verhalten, die normalerweise in der Winterruhe dösen.

Dösige Dachse und muntere Murmel

Das zeigen Wetterregeln wie diese: „Sonnt sich der Dachs in der Lichtmesswoche, geht auf vier Wochen er wieder zu Loche“, heißt es etwa in alten Sammlungen von Wetterregeln aus Westfalen, erklärte jetzt Christiane Cantauw, wissenschaftliche Geschäftsführerin der Kommission Alltagskulturforschung beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL): „Hintergrund der Beobachtung war wohl, dass Dachse, die zwar keinen Winterschlaf, wohl aber Winterruhe halten, bei Sonnenschein und steigenden Temperaturen aus ihrem Bau kommen. Folgt der Schönwetterphase aber eine winterliche Witterung, suchen sie wieder Schutz in ihrem Bau.“

Da sich für die Auswanderer in die USA aber keine Dachse fanden, nahmen sie das tagaktive und leicht zu beobachtende Waldmurmeltier als Wetterpropheten, vermutet Cantauw. „Ob der Murmeltiertag und die sich sonnenden Dachse mehr miteinander zu tun haben als die Beobachtung, dass auf eine sehr zeitige Gutwetterperiode Anfang Februar oft eine anhaltende Schlechtwetterperiode folgt, scheint mir eher unwahrscheinlich.“

Frühjahr ist für die Aussaat entscheidend

In Zeiten ohne satelliten-gestützte Meteorologie musste man sich in der vormodernen Landwirtschaft eben anders behelfen. Denn die Zeit im Frühjahr war entscheidend: „Speziell im Februar war es von entscheidender Bedeutung, einen günstigen Termin für die beginnende Feldbestellung und Aussaat zu finden. Deshalb gibt es für Anfang Februar besonders viele Bauernregeln“, so Cantauw. „Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit, ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell“, lautet eine solche Bauernregel, die in Form eines eingängigen Reims Wetterbeobachtungen zusammenfasst.

Hohe Trefferquoten

Wissenschaftliche Untersuchungen geben die Trefferquote dieser Regeln mit 60 bis 70 Prozent an. „Stellt man die Möglichkeiten der Menschen vergangener Jahrhunderte in Rechnung, ist das gar nicht so schlecht“, sagt Cantauw. „Viele der Bauernregeln beruhen auf langjähriger Naturbeobachtung. Die Menschen haben Wind und Wolken, Pflanzen und auch das Verhalten der Tiere, wie zum Beispiel des Dachses, genauestens im Auge behalten, um aus kleinen oder größeren Veränderungen Rückschlüsse ziehen zu können.“ Die Menschen hätten ihre langjährigen Beobachtungen dann in der Regel in Reimform gebracht und mit Heiligentagen verknüpft, weil man sich diese gut merken konnte: „Lechtmiss im Klee, Austern im Schnee (Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee). Da Termine wie Mariä Lichtmess nicht nur der katholischen Bevölkerung geläufig waren, machte es durchaus Sinn, sie als Merkhilfe für Wetterregeln zu nutzen."

„Schaut man sich die Bauernregeln speziell für den 2. Februar an, so fällt auf, dass man einer allzu milden Witterung zu Beginn des Februars offenbar nicht traute. Alle Wetterregeln prognostizieren eine darauffolgende Kaltwetterperiode. Fast scheint es so, als ob die Bauern vor einer allzu frühen Aussaat gewarnt werden sollten“, so Cantauw. „Wenn es also am 2. Februar eher verhangen, regnerisch und kalt ist, sollte das wohl Anlass zur Freude sein, denn weder Dachs noch Murmeltier werden sich sonnen und Schatten werfen und der Winter könnte bald zu Ende sein. Das wäre doch nicht nur für die Bauern eine gute Nachricht, oder?“

C.Beckmann

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