Turbulente Monate für RWE

Rückblick auf die ersten Monate in Liga 3

0 29.12.2022

5543 Tage mussten Fans von Rot-Weiss Essen warten, um ihren Verein wieder im Deutschen Profi-Fußball zu sehen. Im Juli dieses Jahres startete die 3. Liga-Saison 2022/2023, was folgten waren turbulente Monate. RWE wirft einen Blick zurück auf die ersten Monate in Liga 3.

Es ist Samstag, der 23. Juli: Die Sonne scheint, die Vorfreude ist spürbar und die Hafenstraße? Natürlich ausverkauft. Im Rahmen des ersten Spieltags kommt es zum Aufsteigerduell, Rot-Weiss Essen empfängt die SV Elversberg. Pünktlich um 14.00 Uhr ertönt der Pfiff des Schiedsrichters Konrad Oldhafer: Anpfiff! RWE ist nach 15 Jahren offiziell zurück im Profi-Fußball.

So turbulent die ersten Monate in der 3. Liga beschrieben wurden, so turbulent war auch die erste halbe Stunde gegen die SV Elversberg. Aber der Reihe nach: Bereits in der siebten Spielminute sorgte Kevin Koffi mit einem Rechtsschuss für die frühe Führung der Gäste. Nur zwei Minuten später wird RWE-Stürmer Ron Berlinski im Strafraum zu Fall gebracht. Cedric Harenbrock tritt an und verschießt! Als wäre das nicht bitter genug, erzielt erneut Kevin Koffi im direkten Gegenzug das 0:2. Fassungslosigkeit im Stadion und auf dem Platz. Die ersten zehn Minuten boten bereits so viel Dramaturgie, wie ganze Spiele.

Doch bei diesen zwei Toren sollte es nicht bleiben. Es keimte nochmal Hoffnung auf, als Isaiah Young sich auf Außen ins Zentrum wuselte, den Ball an Elversberg-Torwart Nicolas Kristof vorbeilegte und Ron Berlinski den Ball über die Linie drückte. Jubel und Ekstase bei den Fans auf den Tribünen. Es umtrieb die Zuschauer und auch die Mannschaft auf dem Platz ein Gefühl von „Jetzt sind wir da“. Doch Luca Schnellbacher sorgte mit seinen Treffern in der 23. Und 26. Minute dafür, dass dieses Gefühl nicht lange anhalten sollte. Eine halbe Stunde ist gespielt und das Team von Chef-Trainer Christoph Dabrowski liegt vor heimischer Kulisse mit 1:4 in Rückstand. Auch wenn die Unberechenbarkeit der Partie Spielern wie Fans hätte Mut machen können, war ab diesem Zeitpunkt klar, dass es die erste Niederlage der Saison geben wird. Sahins Treffer in 82. Minute setzte den Schlusspunkt zur 1:5-Niederlage.

Was nach Abpfiff jedoch passierte, ist einmalig, die Fans feierten ihr Team ungeachtet des Ergebnisses. Ein Faktor, der im weiteren Saisonverlauf ein unerlässlicher werden sollte. RWE-Trainer Christoph Dabrowski blieb in der Analyse nach dem Spiel sachlich und behielt einen klaren Kopf: „Wir besprechen diesen Auftritt, nach dem wir ihn in Ruhe angeguckt haben, mit der Mannschaft. Im Training haben wir die Chance, Verbesserungen zu erarbeiten.“ Die nächste Chance auf Punkte sollte es bereits eine Woche später im Derby gegen den MSV Duisburg geben.

Punkt im Derby und Rückfall in alte Muster

„Wir haben einen fantastischen Fußballabend mit einer tollen Kulisse gesehen. Das war ein richtiges Derby!“, resümierte Christoph Dabrowski nach dem 2:2-Unentschieden beim MSV Duisburg. Rot-Weiss Essen bewies an diesem Tag Moral. Dass das nicht selbstverständlich war, zeigte der Spielverlauf.

Das letzte Aufeinandertreffen beider Teams gab es 2017 im Finale des Niederrheinpokals, wo RWE mit 0:2 unterlag. Vor ausverkauftem Haus hieß der Wettbewerb nun aber 3. Liga und die Elf um Mannschaftskapitän Daniel Heber war bereit für Wiedergutmachung. Doch wie schon gegen die SV Elversberg musste RWE auch hier in den ersten zehn Minuten einen Gegentreffer hinnehmen. Als Moritz Stoppelkamp nach der Halbzeitpause auf 0:2 erhöhte, war die Ernüchterung groß und spätestens dann schwebte Fans wieder das Elversberg-Spiel im Kopf herum. Was aber folgen sollte, war eine Definition des Wortes „Moral“, wie es im Duden nicht besser zu finden ist.

Binnen vier Minuten kommt Rot-Weiss Essen beim MSV Duisburg zum Ausgleich. Routinier Simon Engelmann, als Joker für Niklas Tarnat in die Partie gekommen, netzt und verkürzt auf 2:1. Der zweite RWE-Treffer sollte nicht lange auf sich warten, Lawrence Ennali erläuft einen Steilpass von Thomas Eisfeld und schiebt die Kugel an Torwart Vincent Müller vorbei und erzielt so gleichzeitig sein erstes Profi-Pflichtspieltor. 2:2! „Wie wir nach dem Nackenschlag zurückgekommen sind – so müssen wir auftreten. In der zweiten Halbzeit sind wir in der 3. Liga angekommen. Ich kann mit dem Punkt sehr gut leben. Meine Mannschaft hat bedingungslose Mentalität gezeigt“, so Christoph Dabrowski nach dem Spiel.

Die ersten Punkte der Saison sind also auf dem Konto von RWE eingegangen. Mit diesem gefühlten Sieg und Selbstvertrauen ging es in die englische Woche, wo an der Hafenstraße Viktoria Köln empfangen wurde. Die vermutete Fortführung der letzten halben Stunde aus dem Duisburg-Spiel blieb jedoch leider aus. Mit 1:4 (0:2) unterlag Rot-Weiss Essen den Rheinländern und musste somit nach drei Partien bereits elf Gegentore hinnehmen.

Erster Saisonsieg am 7. Spieltag

Es sollte noch einige Spiele dauern, bis der Knoten richtig platzte. Eine unglückliche 0:1-Auswärtsniederlage bei der U23 von Borussia Dortmund, ein mutmachender Auftritt gegen den FC Ingolstadt (2:2) sowie ein 1:1-Remis gegen die SpVgg Bayreuth sollte es dauern, bis im ersten Spiel im September gegen den FC Erzgebirge Aue der erste Saisonsieg eingefahren werden konnte.

Mit den Neuverpflichtungen Clemens Fandrich, Felix Götze und Andreas Wiegel in der Startelf sollte der Bock an der Hafenstraße umgestoßen werden. Dass dies ganz gut gelungen war, zeigte das Endergebnis. Mit 2:1 und unter Flutlicht besiegte die Dabrowski-Elf Erzgebirge Aue. Der erste „Dreier“ der Saison war durch Treffer von Felix Bastians (23.) und Jose-Enrique Rios Alonso (63.) perfekt. Wie wichtig dieser Erfolg war, brachte Neuzugang Andreas Wiegel nach der Partie zum Ausdruck: „Heute haben wir uns das Glück zurück erarbeitet. Erzgebirge Aue hat Ambitionen – es war stark, wie wir gegengehalten haben. Wir brauchten die drei Punkte!“

Bis auf die darauffolgende Partie gegen den VfL Osnabrück (0:1) konnte Rot-Weiss Essen im September jede Partie gewinnen. Im Niederrheinpokal zogen die Rot-Weissen dank eines 9:0-Erfolgs über den 1. FC Wülfrath in das Achtelfinale ein und siegte auch im Rahmen des neunten Spieltags in der Liga gegen den 1. FC Saarbrücken (1:0). RWE brachte somit turbulente Monate in der 3. Liga zu einem versöhnlichen Abschluss. Das Team war angekommen und sollte in den nächsten Monaten eine echte Serie hinlegen...

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