Thesenanschlag an Essener Münsterkirche

0 22.02.2021

ESSEN. „An alle Menschen, die guten Willens sind!“ sind sie überschrieben: Sieben „Thesen für eine lebendige Kirche“, die am Sonntag an Dom- und Kirchentüren gehängt wurden und bundesweit Beachtung fanden. Mit dem „Thesenanschlag“ unterstrich die 2019 in Münster gegründete Initiative Maria 2.0 ihre Forderung nach grundlegenden Reformen in der Kirche sowie eine Aufarbeitung von Missbrauchsfällen. Die deutschen Bischöfe, so der Appell, sollen sich auf ihrer am Dienstag beginnenden Frühjahrsvollversammlung „endlich ernsthaft mit den in der katholischen Kirche notwendigen Reformen“, hin zu einer „zukunftsfähigen, geschwisterlichen und vielgestaltigen Kirche“, auseinandersetzen und „den Willen zu Veränderungen durch Taten“ bezeugen. Im Bistum Essen wurden die Thesen an Türen am Essener Dom, in Bochum-Wattenscheid, in Kierspe und in Gladbeck geheftet.

Der Generalvikar des Bistums, Klaus Pfeffer, sprach mit Blick auf die Aktion von einem „Zeichen von großer Wucht“. Die Thesen machten in ihrer Schärfe unmissverständlich klar, „wie sehr sich die Konfliktlage in unserer Kirche inzwischen zugespitzt“ habe: „Dieser Protest muss sehr ernst genommen werden, weil er aus der Mitte unserer Kirche kommt und einer breiten Mehrheit der Gläubigen aus dem Herzen spricht“, so Pfeffer. Mit der Frage, wie die Kirche erneuert werden könne, setze sich das Bistum Essen seit einigen Jahren offensiv auseinander. „Das reicht aber nicht mehr aus“, so der Essener Generalvikar. Eine im Februar 2018 vorgestellte Studie „Kirchenaustritt – oder nicht? Wie Kirche sich verändern muss“ hatte dazu zahlreiche Daten zusammengetragen. Als die wesentlichen Gründe für Kirchenaustritte wurden damals „Entfremdung“ und „fehlende Bindung“ identifiziert. Zudem sei u.a. entscheidend das „Erscheinungsbild der Kirche“, das mit einer „nicht mehr zeitgemäßen Haltung“ verbunden sei.

Nach Einschätzung von Pfeffer sei eine „immer größer werdende Zahl von katholischen Gläubigen in Deutschland – selbst die treuesten der Treuen – nicht mehr bereit, unsere Kirche zu unterstützen, wenn es keine sehr grundsätzlichen Veränderungen gibt, die die Ursachen vieler trauriger Leidensgeschichten beseitigen.“ Doch ruft der Essener Generalvikar auch dazu auf, „in dieser schwierigen Phase unserer Kirche auch bei unterschiedlichen Auffassungen respektvoll miteinander umzugehen. Uns alle verbindet ein gemeinsamer Glaube, der uns trägt und miteinander verbindet.“

Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken hatten im Frühjahr 2019 einen „Synodalen Weg“ ins Leben gerufen, bei dem seit dem 1. Dezember 2019 bereits die Themen „Macht, Partizipation, Gewaltenteilung“, „Sexualmoral“, „Priesterliche Lebensform“ und „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auf der Tagesordnung stehen. Neben den Synodalversammlungen tagen auch in regionalen Konferenzen – derzeit coronabedingt online. Die 68 katholischen Bischöfe der deutschen Bistümer treffen sich ab Dienstag bis zum 25. Februar zu ihrer turnusgemäßen Frühjahrsvollversammlung – erstmals ebenfalls online. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen die Erfahrungen mit Kirchenaustritten und Kirchenverbleib, die Debatte um den assistierten Suizid, Ökumenefragen und die Konsequenzen aus der Studie zum sexuellen Missbrauch. Am Donnerstag werden die Ergebnisse der Beratungen vorgestellt.

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