Stolperstein für Heinrich Imbusch wieder da

Gedenkstein auf dem Höhenweg musste vorübergehend einem Bauprojekt weichen

0 09.05.2023

FRINTROP. Der Frintroper Stolperstein für Heinrich Imbusch ist wieder an Ort und Stelle. Für einige Zeit musste er am Höhenweg auf der Höhe des Hauses Nr. 30 wegen eines Neubaus weichen. Jetzt, nach Fertigstellung der Wohneinheit, ist er wieder an den Platz zurückgekehrt, den er seit seiner Legung am 23. Mai 2018 innehatte.

Heinrich Imbusch kam am 1. September 1878 als Sohn eines Tagelöhners in Oberhausen-Osterfeld zur Welt, doch bereits als Dreijähriger lernte er durch Umzug der Familie in den Brüner’schen Kotten im Höhenweg 28 zusammen mit seinem älteren Bruder Hermann die Welt in und um Frintrop Welt kennen.

Nach dem Besuch von Volksschule (Religionsunterricht beim Pfarrer von St. Josef Peter Schlenter) und Fortbildungsschule musste Heinrich Imbusch erst einmal Geld verdienen. Das tat er von 1892 bis 1905 auf verschiedenen Zechen in der Umgebung unter Tage, zuletzt als Hauer auf der Zeche Christian Levin in Dellwig.

Schon früh kam er mit der christlichen Gewerkschaftsbewegung in Berührung. Zusammen mit seinem Bruder trat er mit neunzehn Jahren dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter Deutschlands bei. Noch während der Arbeit als Bergmann unter Tage nahm Heinrich Imbusch 1904 an einem Schulungskurs der Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland teil, der vom ehemaligen Borbecker Vikar Heinrich Brauns geleitet wurde.

Ein Jahr darauf wurde er Redaktionsmitglied des Verbandsorgans „Der Bergknappe“ und blieb dies bis 1919. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg erfolgte der nächste Schritt in der beruflichen Laufbahn – Heinrich Imbusch wurde 1913 Vorstandsmitglied des Gesamtvorstandes der christlichen Gewerkschaften Deutschlands. Über seine Tätigkeit während des Ersten Weltkriegs ist nichts weiter bekannt, als dass er für kurze Zeit als sogenannter „Wehrmann“ in Belgien zum Einsatz kam.

Sofort nach dem Krieg setzte Heinrich Imbusch seine Funktionärslaufbahn und die politischen Aktivitäten fort. 1919 ließ er sich zum Vorsitzenden des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter wählen. Dieses Amt übte er bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 aus. Ebenfalls ab 1919 findet man ihn im Vorläufigen Reichswirtschaftsrat, als stellvertretenden Vorsitzenden des Reichskohlerats, als Abgeordneten der Deutschen Nationalversammlung und als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung von Essen.

Von 1920 bis 1933 gehörte er als Abgeordneter des Zentrums (ab 1927 Mitglied des Vorstands) dem Deutschen Reichstag an. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die unmittelbar darauf einsetzende Gleichschaltungspolitik setzten den politischen und gewerkschaftlichen Aktivitäten Imbusch ein jähes Ende. Unmittelbar nach dem Verbot der Gewerkschaften floh er im Mai 1933 in die Niederlande und von dort ins Saargebiet. Dort setzte er sich vehement gegen die Rückgliederung des Saarlandes an das Deutsche Reich ein.

Daraufhin unternahmen SA-Leute den Versuch, den politisch unbequemen Imbusch nach Deutschland zu entführen. Der Versuch misslang. Schwerverletzt konnte er 1935 nach Luxemburg fliehen und sich 1940 nach der Besetzung durch deutsche Truppen von dort über Frankreich nach Belgien absetzen. Nach der Ausweisung 1941 aus Belgien kehrte Imbusch Neujahr 1942 illegal nach Essen zurück, wo ihn Freunde vor dem Zugriff der Nazis versteckten.

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs starb Heinrich Imbusch am 16. Januar 1945 im Alter von 76 Jahren im Essener Elisabeth-Krankenhaus an einer Lungenentzündung. Zunächst anonym beerdigt, wurde er nach er nach Ende des Krieges in ein Ehrengrab auf dem Parkfriedhof in Essen umgebettet.

Heute erinnern neben dem Stolperstein vor dem Elternhaus mehrere Straßen und Wege an Heinrich Imbusch, u.a. in Katernberg, Hamburg, Waltrop, Bremen, Nürnberg, Bochum, Lünen, Herne, Kamen, Recklinghausen und St. Ingbert. (Text von FJG, siehe auch https://www.borbeck.de/lexikon-details/imbusch-heinrich.html)

Quellen: Homepage des Bürger- und Verkehrsvereins Essen-Frintrop. Kultur- und Geschichtspfad. – Erwin Dickhoff: Essener Köpfe. Essen 2015. – Internet: Geschichte der Gewerkschaften. Heinrich Imbusch.

 

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