St. Dionysius steht vor dem Umbau

Pläne für Umbau der Borbecker Mutterkirche vorgestellt

0 28.06.2026

BORBECK. Im Oktober geht es los, nur ein Jahr später soll alles fertig sein. „Ein wirklich ambitionierter Zeitplan“, meinte Pfarrer Benedikt Ogrodowczyk. Er stellte heute mit Architekt Thomas Tebrock (Feja & Kemper Architekten, Recklinghausen) und mit Andreas Scholten vom Bistum Essen ausführlich die Pläne zum Umbau von St. Dionysius in Borbeck-Mitte vor.

Renovierung und Sanierung nötig

Rund 100 der Mitfeiernden der Sonntagsmesse blieben im Anschluss zur Pfarreiversammlung in der angenehm temperierten Kirche: „Sie sehen, wir haben schon mal angefangen“, erklärte der Pastor mit Blick auf den großen Stützpfosten, der am Donnerstag und Freitag eingebaut und vom Statiker pünktlich für Messe und Versammlung abgenommen werden konnte. Doch es soll weit mehr geschehen als die Ersetzung eines Dachbalkens in der Dachkonstruktion. Sie sei zwar insgesamt in einem hervorragenden Zustand, doch sei an einigen Stellen Wasser eingedrungen, die im Rahmen einer Renovierung und Sanierung eh überarbeitet werden müssten. Dazu wurden bereits vor den Corona-Jahren erste Überlegungen angestellt, die auch auf weitere Maßnahmen zielten: Möglich machten das die Beschlüsse des PEP-Prozesses, in dessen Rahmen die Kirchen bistumsweit unter die Lupe genommen und bewertet wurden.

Kirche mit besonderem Status

Für St. Dionysius, die als „A-Kirche“ klassifiziert wurde, hatte man dabei nicht nur den dauerhaften Erhalt entschieden, sondern auch die nachhaltige bauliche Sicherung und Entwicklung beschlossen. Während andere Kirchen nicht mehr saniert und erhalten, sondern im Zuge von Gemeindezusammenlegungen niedergelegt wurden, hat die historisch wichtige Borbecker Mutterkirche als sogenannte Patronatskirche einen besonderen Status. Der erste kirchliche Großbau des 19. Jahrhunderts in der ganzen Region, im Zuge der Industrialisierung von dem berühmten Neugotiker Vinzenz Statz erbaut, ersetzte eine zuletzt aus dem 13./14. Jahrhundert stammende kleine Kirche am selben Ort und wurde vor fast auf den Tag 160 Jahren eingeweiht.

Kirche im beständigen Wandel

Dass sich vor allem nach den totalen Zerstörungen im II. Weltkrieg nicht nur die äußere Gestalt änderte, machten zahlreiche Bilder von der Inneneinrichtung deutlich: Der nach dem Vorbild mittelalterlicher Kathedralen streng neugotisch konzipierte Bau war mit seinem weit entfernt von der Gemeinde liegenden Hochaltar mit den beiden niedrigeren Seitenschiffen als basilikale Halle geplant, die auch in ihrer Ausstattung zahlreiche Anleihen aus früheren Jahrhunderten aufnahm: Jeder Meter der Kirchenwände war schließlich mit Szenen aus der Bibel und vor allem mit den Bildern der großen Heiligengestalten der Kölner Kirchenprovinz ausgemalt, die Pfarrer stiegen zur Predigt auf eine große Kanzel. Noch heute lässt sich vom damaligen Kircheninneren eine Vorstellung in der ungefähr gleichzeitig erbauten Wallfahrtskirche in Kevelaer gewinnen.

Eine außergewöhnliche Neuerung war 1915 der vollständige und aufwändige Umbau des Chorbereichs, der sogar in der Fachliteratur der Zeit ausführlich besprochen wurde. Unter dem Pfarrer und späteren Kölner Weihbischof Dr. Josef Hammels verbannte man das neugotische Erbe aus dem Altarbereich und orientierte sich an Motiven des modernen Art deco, des Jugendstils und der Beuroner Schule. Während dieser Bereich mit unterschiedlichen polierten Steinflächen, Messing und Silber bunt und prachtvoll ausgestattet wurde, verschwanden die bunten Wandflächen fast vollständig.

Nüchterner Neuanfang nach dem Krieg

Mit der ganzen Herrlichkeit aber war es spätestens vorbei, als im Oktober 1944 Sprengbomben der Kirche den Gar aus machten: Bis auf Turm, Grotte und einige Teile der Seitenwände brannte die Kirche fast vollständig aus. Von dem Kirchenschiff waren nur noch Ruinen erhalten, in denen in mehreren Jahren eine neue Dionysius-Kirche entstand. Den Zeitumständen und Möglichkeiten entsprechend fiel der Bau äußerst nüchtern aus. Klar gegliedert und zweckmäßig eingerichtet, verzichtete man auf den gesamten Chorbereich, der noch lange Baustelle sein sollte. „Es war der inoffizielle Raucherraum, in dem schon mal die Zigarren von Pastor und Küster landeten“, schmunzelte Pfarrer Benedikt Ogrodowczyk.

Auch die folgende Nachkriegszeit sah erneute Änderungen, die mit Pfarrer Otmar Vieth eine vorläufig endgültige Form finden sollten. Die große lettnerartige Konstruktion, mit der die Anbetungskapelle abgetrennt wurde, überhöhte man in dieser Zeit mit einer großen Kreuzigungsgruppe aus der Gemeinde. Der rückgebaute „Altarberg“ früherer Zeiten wurde niedriger gelegt, ein neuer Altar errichtet. Ein Kreuzweg aus dem Elsass – die Stationen tragen Bezeichnungen in französischer Sprache – nahm Bezug auf die Heimat des Kirchenpatrons St. Dionysius, dem mit einer Steinstele ein großes Reliquienkreuz gewidmet wurde. Insgesamt versuchte diese Ausstattung eine zitathafte Annäherung an die neugotische Gründungsidee.

Visionen einer neuen Kirche

Was nun geschehen soll, machten die vorgestellten Pläne deutlich: Nach dem Entwurf, der unter drei eingereichten den Zuschlag erhielt, entsteht eine Stationskirche, die einen Weg vom Taufbrunnen zum Altar beschreibt. Der Eingang von der Turmseite soll neben dem bleibenden Haupteingang aufgewertet werden. Die Vorhalle unter der Empore wird für verschiedene Nutzungen durch Glas abgetrennt, ermöglicht einen Rückzugsraum für Eltern während der Messe, erhält moderne sanitäre Anlagen und ein Stuhllager. Die beiden Altäre mit der „Immerwährenden Hilfe“ und dem Hl. Antonius fallen weg – der vielbesuchte Patron soll durch eine andere Figur erstetzt werden an anderer Stelle in der Kirche verbleiben.

Das Kirchenschiff selbst wird komplett bestuhlt, rund 200 fest verbundene Sitzplätze mit Buchablagen und Kniebänken sollen für den normalen Gebrauch zur Verfügung stehen, weitere Stühle können ergänzt werden. Der neugotische Kreuzweg, der mit den modernen Kirchenfenstern nicht konkurrieren kann, wird durch einen Kreuzweg aus der ehemaligen Don-Boco-Kirche ersetzt. Im vorderen Bereich wird der auf einer einzigen Stufe erhobene Altarbereich weiter in den Kirchenraum vorgezogen. Links und rechts werden wie in Seitenschiffen üblich, die Sitze auf den neuen Altar ausgerichtet sein, in dem alle Reliquien der ehemaligen Kirchen der Dionysius-Pfarrei versammelt werden sollen.

Das durch die ganze Kirche hindurch gleiche Bodenniveau soll bis die in Anbetungskappelle durchgezogen werden: Die Säulen im vorderen Bereich werden dadurch wieder vollständig sichtbar werden, auch die bleibende und aufgewertete Kapelle für den frühchristlichen Namensgeber der Kirche, Dionysius von Paris, wird somit höher sein. Der Lettner, die mit Teilen aus dem früheren Hochaltar versehene Wandscheibe mit dem von beiden Seiten sichtbaren Tabernakel, wird als immer schon außergewöhnliche Raumlösung in ihrer jetzigen Form erhalten bleiben. Die Kreuzigungsgruppe wird nach den jetzigen Plänen entfernt und ihre Aufstellung vor einem neu konzipierten Beichtstuhl finden. Elektrik und intelligente Beleuchtung sollen neu eingerichtet werden, auch an die Möglichkeiten für professionellen Medieneinsatz ist gedacht.

Grundkonzept mit flexibler Nutzung

„Die Pläne sind Ergebnis sehr fruchtbarer Beratungen in den Gremien und nehmen Rücksicht auf die liturgischen Vorgaben des Konzils“, erklärte Pfarrer Ogrodowczyk. Sie konzentrierten den Blick auf das Wesentliche, erhielten die vom ursprünglichen Architekten in den 1850er Jahren vorgegebene axiale Grundkonzeption des Kölner Dombaumeisters, machten jedoch eine flexiblere Nutzung des Kirchenraums möglich. Zugleich ließen die Pläne auch eine ganz neue Erfahrung des Kirchenraums erwarten, dessen außergewöhnliche Fenster inhaltliche Achsen deutlich machten. Der neue Altar werde zwischen dem dem Fenster mit Tod und Auferstehung Jesu Christi und dem Sakramentenfenster stehen, der Taufstein zwischen der Erschaffung der Welt und den mit der Region verbundenen Heiligen.

Große Zustimmung zu den Plänen

Viele Nachfragen machten weniger eine Sorge um den Verlust von Vertrautem deutlich, sondern äußerten eine - wohl auch überraschend – ausnehmend große Zustimmung zu den Plänen, für die es großen Applaus gab. Der Zeitplan ist, wie bereits gesagt, ambitioniert: Die Bauarbeiten sollen nach der Feier des Dionysiusfestes 2026 am 11. Oktober beginnen, zu dem bereits Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck zu gesagt hat. Er wird den Altar profanieren und die Kirche wird für Renovierung, Sanierung und Umbau geschlossen.

Am 11. Oktober 2027 – nur ein Jahr später – hat sich der Bischof bereits den nächsten Termin eingetragen: Dann soll beim Patronatsfest der neue Altar geweiht und die Kirche wiedereröffnet werden. Die Baukosten seien fest kalkuliert und stünden bereit. Insgesamt belaufe sich der vollständige Kostenaufwand auf 2,3 Millionen Euro.

Die Pläne werden auf der Homepage https://www.st-dionysius-essen-borbeck.de/ vorgestellt und in diesen Tagen einsehbar sein - die Adresse für die Pläne:
www.st-dionysius-essen-borbeck.de/pfarreientwicklungsprozess .

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 2 und 8?