Seit 30 Jahren: Gefahr am Donnerberg und Schildberg nicht gebannt – krasser Zwischenfall zwischen Auto, Pferd und Kind

Neueste Meldungen geben Anlass zur Sorge – muss erst etwas Schlimmes passieren?

2 26.06.2026

Frintrop/Dellwig. Seit mehr als 30 Jahren sind die Anwohner der Straßen Schildberg, Donnerberg und Pfarrstraße geduldig dem starken Autoverkehr auf den reinen Anliegerstraßen ausgesetzt. Geduld hat aber Grenzen. Schon der  Lyriker und Dramatiker Oscar Wilde sagte: „An der Grenze der Geduld beginnen die Konflikte.“ Und dass sich das Pantoffelgrün Schildberg/Donnerberg/Pfarrstraße, das sich idyllisch und mit Naherholungscharakter in die Landschaft zwischen Höhenweg, Schloßstraße und Donnerstraße einfügt, Konfliktpotenzial birgt, ist nicht von der Hand zu weisen. Und das seit mehr als 30 Jahren.

Ein ganz aktuelles Beispiel liefert uns Julia Krämer, die seit 20 Jahren an der Pfarrstraße die Firma JMMKey® hat und dort verschiedene Coaching anbietet.
Eines dieser Coaching ist ein Pferde-gestütztes Emotionscoaching. Hier wird die Einzigartigkeit des Pferdes mit den erfolgreichen Coachingmethoden kombiniert und erschafft ein neues, wertvolles Coachingtool für Menschen, den es schwer fällt über ihre Probleme zu sprechen.

Coaching für Kinder und Jugendliche

Gerade Kinder und Jugendliche genießen diese Form der Emotionsverarbeitung und schätzen die Nähe der Pferde.

Und genau mit diesen Kindern und am Zügel von geschulten Begleitpersonen geführte Pferde kam es in der Vergangenheit zu sehr brenzligen Situationen auf dem Schildberg und Donnerberg, an denen Autofahrer beteiligt waren. Ein Wunder, dass nichts Schlimmes passiert ist.


An vielen Stellen gibt es enge Bereiche auf dem Donnerberg

Pferde sind nun einmal Fluchttiere. Auch gut ausgebildete und an den Straßenverkehr gewöhnte Tiere können in unübersichtlichen oder lauten Situationen plötzlich erschrecken. Gerade auf engen Straßen erfordert die Begegnung mit Pferden deshalb besondere Aufmerksamkeit. Der Donnerberg ist kein gewöhnlicher Durchfahrtsweg, sondern ein Erholungs- und Anliegerbereich mit wenigen Häusern, Wiesen, Weiden und Ackerflächen. Die Fahrbahn ist schmal und verfügt über keinen Bürgersteig. Schon aus diesem Grund ist dort langsames und umsichtiges Fahren unerlässlich.

Besonders alarmierend war ein Vorfall am 1. Juni 2026: Zwei geführte Pferde gerieten in eine gefährliche Situation mit einem Lieferwagen, der mit erhöhter Geschwindigkeit und zu geringem Seitenabstand vorbeifuhr. Trotz Aufforderung wurde das Tempo nicht reduziert. Eines der Pferde erschrak und sprang vor das Fahrzeug. Nur durch das abrupte Bremsen des Fahrers konnte ein Zusammenstoß in letzter Sekunde verhindert werden. Alle Beteiligten kamen mit dem Schrecken davon.

Solche und ähnliche Situationen häufen sich derzeit. Immer wieder berichten Begleitpersonen von hupenden, schimpfenden oder rücksichtslos vorbeifahrenden Autofahrern, insbesondere in den engen und unübersichtlichen Kurvenbereichen des Donnerbergs zwischen Pfarrstraße und Reckstraße. In der Weidesaison von März bis Dezember müssen dort regelmäßig Therapie-Pferde sicher zur Weide und zurückgeführt werden. Umso wichtiger ist ein verantwortungsbewusstes Verhalten aller Verkehrsteilnehmer.

Für die Begegnung mit Pferden im Straßenverkehr gelten klare Vorsichtsregeln. Beim Vorbeifahren sollte ein seitlicher Abstand von mindestens 1,5 bis 2 Metern eingehalten werden. Bei größeren Fahrzeugen oder unruhigen Tieren ist noch mehr Abstand erforderlich. Auch nach hinten ist ein großzügiger Sicherheitsabstand wichtig. Der ADAC weist außerdem darauf hin, dass die Geschwindigkeit angepasst, laute Geräusche vermieden und Handzeichen von Reitenden oder führenden Personen beachtet werden sollten.

Julia Krämer bittet darum, bei Sicht der Tiere, besonders wenn Kinder darauf sitzen, bestimmt Regeln zu beachten.

  • Tempo drosseln: Fahren Sie mit höchstens Schrittgeschwindigkeit (oder max. 20 km/h) an den Tieren vorbei.
  • Lärm vermeiden: Vermeiden Sie laute Motorgeräusche, Hupen, quietschende Reifen oder laute Musik. Pferde sind Fluchttiere und können bei plötzlichem Lärm oder Bewegungen unberechenbar reagieren.
  • Auf Handzeichen achten: Oft gibt der Reiter durch Handzeichen (z.B. Heben und Senken der Hand) zu verstehen, dass Sie langsamer fahren oder warten sollen.
  • Kein Schneiden: Scheren Sie erst wieder auf Ihre Spur ein, wenn das Pferd und der Reiter vollständig im Rückspiegel zu sehen sind.

In 30 Jahren keine allgemeinverträgliche Lösung gefunden

Seit mehr als 30 Jahren gibt es zahlreiche Versuche von Politik und Verwaltung, den stetig wachsenden Verkehr auf den Anliegerstraßen Einhalt zu gebieten. Da wurden in der Pflanzstraße vor und hinter der Gnadenkirche kostenintensive Aufplasterungen installiert, die Autofahrer eigentlich zur Langsamkeit zwingen sollten, sich aber durch geschicktes Anfahren auch durchaus mit höheren Geschwindigkeiten bewältigen lassen. Da wurde im September 2014 (Borbecker Nachrichten berichtete) der Donnerberg zwischen Pfarrstraße und Schildberg gesperrt und die örtliche Politik rühmte sich, dass die schnelle Abkürzung zwischen Schloßstraße und Dellwiger Straße damit Geschichte wäre.
Bei dieser Rechnung hatte man aber vergessen, dass der Individualverkehr von da an eine andere Route wählte, nämlich die über die Pfarrstraße und den Schildberg, um am Ende des Schildbergs wieder auf althergebrachten Wegen zur Dellwiger Straße zu gelangen.
Fazit: Das Verkehrsaufkommen auf der Pfarrstraße und dem unteren Schildberg stieg an, trotz der aufgeplasterten Häufchen in der Pfarrstraße.

Die Schließung des Donnerbergs zwischen Pfarrstraße und Schildberg hatte sich damals verzögert. Wie die Borbecker Nachrichten am 5. Mai 2011 berichteten, ist für die damals vorgesehene Abriegelung ein sog. Teileinziehungsverfahren gesetzlich vorgeschrieben. Das Verfahren gibt Bürgern die Möglichkeit, Einspruch einzulegen. Tatsächlich haben mehrere Mitbürger von diesem Recht Gebrauch gemacht und Bedenken angemeldet, nachdem die Absicht der Teileinziehung im Amtsblatt Nr. 38 der Stadt Essen vom 24. September 2010 öffentlich gemacht wurde. Im Wesentlichen wurden folgende Argumente gegen die Teileinziehung angeführt:

  • Falsche Zahlenangaben zu der Verkehrszunahme in der Pfarrsstraße
  • Das niedrigere Geschwindigkeitsniveau in der Pfarrstraße bei der Nachmessung habe sich nur aufgrund einer falschen Standortwahl ergeben.
  • Das Verkehrsaufkommen in der Straße Donnerberg habe nur minimal abgenommen bei gleichzeitig höherer Geschwindigkeit in der Pfarrstraße und im Schildberg.
  • Aufgrund fehlender Gehwegung in Pfarrstraße und Schildberg werde durch die mögliche Umfahrung des gesperrten Abschnittes die Sicherheit der Fußgänger gefährdet.
  • Die Streckenlänge über Pfarrstraße und Schildberg ist länger als über den gesperrten Abschnitt.
  • Die ortsansässigen Gewerbetriebe würden durch die Sperrung behindert.
  • Für die Besucher der Kirche, des Pfarrheims und des Friedhofs gebe es keine Wendemöglichkeit in der Pfarrstraße.
  • Bei Beerdigungen überquere der Trauerzug die Pfarrstraße; durch die Umfahrung der Sperrung bestehe eine erhöhte Unfallgefahr für die Trauergäste.
  • Für das jährliche Gemeindefest konnte bisher die Verkehrsfläche in der Pfarrstraße genutzt werden. Dies wäre zukünftig nicht mehr möglich.

Die Stadtverwaltung riet der Bezirksvertretung trotzdem, „die Teileinziehung und Abriegelung eines Abschnittes der Straße Donnerberg weiter zu verfolgen, da durch diese Maßnahme, wie die Messergebnisse angeblich zeigten, der Anteil des Durchgangsverkehrs deutlich verringert werden kann“. Dies diene der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Aufgrund der Verkehrszunahme in der Pfarrstraße sollte die Abriegelung durch Verkehrsberuhigung wie den Einbau der beiden heute noch vorhandenen Pflasterkissen begleitet werden, um die Sicherheit zu verbessern.

Politik am Bürger vorbei?

Es kam, wie es befürchtet wurde. Die Bezirksvertretung stimmte mit den Stimmen der SPD, Grünen und der Linken gegen den Bürgerwillen. Die CDU sprach sich für ein Tempolimit auf 10 km/h aus. Aber gebaut werden konnte vorerst trotzdem nicht. Anwohner zogen mit einer Klage gegen diesen Beschluss vor das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Der Donnerberg blieb zunächst frei.
Die Klage wurde schließlich durch die evangelische Kirchengemeinde zurückgezogen, weil ein Erfolg dieser Klage in einer der Verhandlungen nicht in Aussicht gestellt wurde.
Trotz aller Bedenken zog die Gemeinde ihre Klage zurück. Allerdings „mit der Faust in der Tasche“, wie Presbyter Rolf Wessels seinerzeit sagte. Als Delegierter der Gemeinde hatte er an der letzten Gerichtsverhandlung teilgenommen. „Es bestand keine Hoffnung, den Prozess zu gewinnen. Da wäre es sinnlos gewesen, gegenzuhalten. Zumal dies auch Geld kostet“, wie Wessels resümierte.

Im September 2014 schließlich rühmten sich die Ortspolitiker öffentlich und posierten vor der fertiggestellten Absperrung auf dem Donnerberg für die Fotografen.

Die Bürgerschaft hatte Recht

Die Zweifel an der Richtigkeit der politischen Entscheidung blieb. Die Situation wurde nicht besser, sondern verschlimmerte sich noch. Etliche Zwischenfälle wie der bereits eingangs geschilderte in diesem Bereich verdeutlichen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis etwas richtig Schlimmes passiert.

Diese und andere gefährliche Situationen häufen sich

  • Vor wenigen Jahren wurde ein älterer Mann auf dem Donnerberg auf Höhe der Wiese, wo immer der Martinszug stattfindet, von einer Frau angefahren und verletzt.
  • Eine Anliegerin berichtet uns, dass sie auf Höhe der Tierarztpraxis vorschriftsmäßig fahrend von einem Rennradfahrer überholt und geschnitten wurde.
  • Ein weiterer Anlieger wurde bei Tempo 30 wochentags gegen 8 Uhr morgens auf der gesamten Strecke von der Pfarrstraße ab Richtung Schloßstraße von einer Autofahrerin von hinten massiv bedrängt und schließlich auf Höhe der Hausnummer Donnerberg 30 von ihr überholt. Ein Unfall konnte gerade noch verhindert werden. Die Frau hatte ein Kind auf dem Beifahrersitz und hatte es sehr eilig.
  • Die Walkinggruppe vom Turnerbund Frintrop (TBF) nutzt gerne diese Bereiche für ihren Sport, da das Vereinsheim des TBF ebenfalls im Anliegerbereich liegt. Die Walker berichten von zahlreichen Situationen, in denen Außenspiegel sie nur um wenige Zentimeter verfehlten.
  • Auch andere Anlieger berichten, dass sie bei vorgeschriebenen 30 km/h ständig bedrängt und beschimpft werden.
  • Ein Mitarbeiter der Stadt (Name der Red. Bekannt) lehnte eine Geschwindigkeitsmessung vehement ab. Da müsse erst etwas Richtiges passiert sein.
  • Der Abschnitt Donnerberg vor den Häusern 65 bis 71 ist eine besondere Engstelle, die ständig zu gefährlichen Situationen führt.
  • Viele Verkehrsteilnehmer, die vom Donnerberg in die Pfarrstraße einbiegen, schneiden den ihnen entgegenkommenden Verkehr.

Besonders hohes Verkehrsaufkommen gibt es an Wochentagen in den Morgen- und Nachmittagsstunden. Dabei ist rücksichtsloses Fahren von vielen unter Nicht-Beachtung der Geschwindigkeitsbegrenzung und eben des Verbots, eine Anliegerstraße zu befahren, zu beobachten.

Dies gilt im Übrigen auch auf dem kompletten Verlauf des Schildberg vom Höhenweg bis zum Donnerberg. Hier gibt es von der Richtstraße bis zum Höhenweg ständig Fahrzeuge, die die Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h deutlich überschreiten. Dort gibt es im Bereich zwischen der Werkhausenstraße und der Pfarrstraße und im weiteren Verlauf zwischen der Pfarrstraße und dem Donnerberg ebenfalls keine Bürgersteige. Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer müssen sich diesen engen Bereich teilen.


Wie eng es im gesamten Anliegerbereich ist, zeigt diese Aufnahme in Höhe der Tierarztpraxis.

Wir haben von der Redaktion einmal am vergangenen Samstag (20. Juni) eine Stunde auf Höhe der Tierarztpraxis geparkt und Autos gezählt. Zwischen 10 und 11 Uhr befuhren 103 Pkw in beiden Richtungen diesen Bereich. Und das war ein Samstag. An Werktagen dürfte die Quote exorbitant höher sein.

Die Politik und Verwaltung sollte, nein, muss sich schleunigst Gedanken machen, wie sie ihre Bürgerinnen und Bürger besser schützen kann.

Möglichkeiten gäbe es viele:

  • Umwidmung in eine Fahrradstraße.
  • Einfache und daher kostengünstige Einbauten wie sie z.B. auf den Straßen Lepkesfeld und Heiermannstraße in Oberhausen seit Jahren bestehen. Hierdurch sind Verengungen auf der Fahrbahn und Fahrgassenversätze möglich.
  • Mehrere Temposchwellen oder Kölner Teller (keine Aufplasterungen!), die auch tatsächlich die Geschwindigkeit für den Donnerberg und Schildberg reduzieren.
  • Regelmäßige Kontrollen, ob z.B. eine Einfahrt- und/oder Durchfahrtberechtigung besteht auf den Straßen Donnerberg/Pfarrstraße/Schildberg.
  • Regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen auf dem Donnerberg und dem Schildberg.
  • Besondere Beschilderung (z.B. Verkehrszeichen (140-10) - StVO Viehtrieb, Tiere) an besonders uneinsichtigen und engen Stellen, die auf Tiere aufmerksam machen (evt. mit Zusatzschild „geführte Pferde“).
  • Aufhebung der Sperre auf dem Donnerberg zwischen Schildberg und Pfarrstraße zur Reduzierung des Autoverkehrs in der Pfarrstraße.


Das auch preiswerte Einbaumöglichkeiten realisiert werden könnten, zeigt diese Aufnahme von der Heiermannstraße in Oberhausen.

Fotos: JMMKey® und RWS

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Kommentare

Kommentar von Christiane mentink |

Auch wir Hundebesitzer laufen dort mit unseren Hunden her und während wir mit den Pferdebesitzern harmonisch einander begegnen.
Ist es mit den Autofahrern teilweise wirklich bedrohlich sie halten auf einen zu um erst kurz vorher ganz eng an Mensch und Hund vorbei zu rauschen....Es wird dort auch oft in einen wahnsinnigen Tempo gerast...das man Angst um Leib und Leben hat.
Meistens läuft man schon vollkommen angespannt diese Straßen entlang.
Und was auch noch ärgerlich und bösartig ist...das mit dem Auto in der Nacht und Nebel Action stehen bleiben und ihren Müll Säcke Weise in die Büsche und an den Straßenrand schmeißen.Letztens habe ich erst beobachtet wie jemand während der Fahrt einfach den Müll aus dem Fenster entsorgte.
Ebenso schlimm mit der rasserei sind die E Rollerfahrer.

Kommentar von Sandra Barkhofen |

Wenn die sperrung aufgehoben wird, wird sich nichts groß ändern. es würden Bürgersteige helfen. es würden Kontrollen viel helfen. es würden Hindernisse helfen, dass die Autos langsam fahren müssen. ich habe auch da Ponys stehen und bin froh. dass es die Sperrung gibt, sonst wäre es echt heftig, mit denen raus zu kommen. da gibt es keinen Bürgersteig und die Autos nicht nur 50 fahren. das habe ich leider schon erlebt. die Stadt könnte so fiel Geld da machen. dann überlegen sich viele, daher zu fahren LG

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