Schriftsteller und Literaturkritiker Rolf Becker verstorben

0 07.06.2022

BORBECK / HAMBURG. Der SPIEGEL und andere Medien berichten bundesweit: Rolf Becker, der bekannte Literaturkritiker und Autor, ist am 9. Mai 2022 in Hamburg gestorben. „Als sehr bewegend empfand ich seine Worte, die er anlässlich des 50. Abiturjubiläums im Jahr 1997 im GymBo an die Anwesenden richtete“, erinnert sich Wolfgang Sykorra, der langjährige Direktor des Gymnasiums Borbeck: „Seine Liebe zu Borbeck und seiner „Penne" war ungebrochen“ – und dies trotz der schwierigen Situation für den am 14. Januar 1928 geborenen Rolf Becker, der von Ostern 1938 bis Ende 1942 das Gymnasium in Borbeck besuchte. Wolfgang Sykorra zeichnete sein Lebensbild in dem 2013 erschienenen Buch „Von der Penne in die Welt. Borbecker Porträts“ nach.  

Beckers Vater Karl Bertram Becker, Abiturient des Jahres 1925, war Maler und mit einer Jüdin verheiratet. Als der Präsident der „Reichskammer der bildenden Künste“ darum den Ausschluss aus der Kammer verfügte, geriet auch sein Sohn Rolf in den Bannstrahl der Nationalsozialisten, wie Sykorra schildert:

„Nach den verschärften amtlichen Bedingungen für „Halbjuden“ musste Rolf Becker das Gymnasium Borbeck zum Jahreswechsel 1942/1943 verlassen. Sein Schuldirektor Wilhelm Vollmann hat ihn allerdings weiter unterstützt. Beim Besuch seiner alten Schule aus Anlass des 50jährigen Abiturjubiläums erinnerte sich Rolf Becker: „Zu der Handvoll Menschen, die mir (und meiner Mutter) damals in unserer ziemlich aussichtslosen Lage beistanden, die uns ein bisschen Halt und Hoffnung gaben, zu diesen Menschen gehörte Wilhelm Vollmann. Er bot mir an, mir Privatstunden zu geben, damit ich, wenn es mit dem Krieg und dem Dritten Reich einmal ein Ende haben würde, ohne allzu viele Versäumnisse in die Schule zurückkehren könnte. So kam ich also an bestimmten Tagen in seine Wohnung, hier nebenan in der Prinzenstraße, und wurde dort von ihm, mehr gesprächsweise als frontal, in Latein und einigem anderen unterrichtet, wurde von ihm mit der einen oder anderen Lektüre versorgt und auch, kaum weniger willkommen, mit dem einen oder anderen Butterbrot.“

Rolf Becker legte 1947 seine Reifeprüfung ab, studierte Germanistik und Philosophie und schlug die journalistische Laufbahn ein. Sie führte ihn als Redakteur zum Kölner Stadtanzeiger und ab 1960 zum Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Bis zu seiner Pensionierung wurde er hier zu einem „bedeutenden Mittler zwischen Literatur und Journalismus, weil er das literarische Leben von beiden Seiten kannte“, so der SPIEGEL in seinem Nachruf. Denn Becker verarbeitete seine Erfahrungen in der NS-Zeit auch selbst in mehreren Romanen und Erzählungen.

Mehr: Wolfgang Sykorra, Rolf Becker. Vom NS-Opfer zum SPIEGEL-Redakteur und Romanautor, in: Von der Penne in die Welt. Borbecker Porträts, herausgegeben von Lothar Böning, 1. Auflage 2013, www.edition-rainruhr.de, S. 53-54.
s.a. Franz Josef Gründges: Becker, Rolf, in: Borbeck-Lexikon, https://bbvv.de/lexikon-details/becker-rolf.html

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