RWE-Klublegende „Hansi“ Dörre wird 75

Essens Publikumsliebling war in allen Bundesliga-Spielzeiten dabei

0 11.11.2021

Der gebürtige Essener Hans Dörre, den jeder nur „Hansi“ nennt, ist der einzige RWE-Kicker, der sämtliche sieben Bundesliga-Spielzeiten des Traditionsvereins von der Hafenstraße mitgemacht hat. „Der Verein hat mir deshalb ein Legenden-Trikot geschenkt“, sagt die rot-weiße Klublegende, die am 14. November ihren 75. Geburtstag feiert.

„Hansi" Dörre ist ein Rot-Weißer seit Kindheitstagen. Seine Karriere begann im Meisterschaftsjahr 1955. Der damals Neunjährige spielte an der Hafenstraße praktisch in direkter Nachbarschaft zu seinem Elternhaus. Als er im Alter von 18 Jahren den Sprung in die Vertragsspielermannschaft schaffte, lautete die elterliche und damit auch seine Wohnadresse Hafenstraße 69. Das Haus liegt direkt neben dem heutigen Hafenstübchen.

Sein Kampfgeist und seine Bereitschaft, neunzig Minuten zu marschieren und sich bedingungslos für die Mannschaft einzusetzen, waren Eigenschaften, die ihn zu einem Publikumsliebling im Georg-Melches-Stadion machten. Hansi Dörre war kein Fußballästhet, sondern verkörperte das, was die Menschen im Ruhrgebiet am Fußball besonders schätzen: Auf dem Platz zu ackern und immer alles zu geben. Damals wie heute erwarten die Fans von ihrer Mannschaft nicht permanent technische Zaubereien und sehen auch über Niederlagen und schlechte Leistungen hinweg, solange nur der Einsatz stimmt und die Spieler angemessen malochen. Die Aufforderung des Fangesangs „Wir wollen euch kämpfen sehen“ brauchte ein Hansi Dörre nicht. Diese Grundeinstellung war für den gelernten Buchdrucker selbstverständlich. Und so kam das Jungtalent bereits in seinem ersten Seniorenjahr 1965/66 unter Trainer Fritz Pliska auf 18 Ligaspiele in der Regionalliga West, der damaligen zweiten Liga, und anschließend in allen sechs Partien der Bundesliga-Aufstiegsrunde zum Einsatz.

Nur der RWE

In einem Interview mit Karsten Kiepert hat Hansi Dörre in dem Buch „Rot-Weiss Essen - Die 70er Jahre“ seine Grundeinstellung am Beispiel genau dieser ersten rot-weißen Bundesligaaufstiegsrunde von 1966 deutlich gemacht: „Für uns alle ging es in dieser Aufstiegsrunde nie ums Geld, für uns ging es um das höchste. Für uns ging es darum, den Verein RWE wieder dorthin zu führen, wo er nach unserem Verständnis hingehörte: In die erste Bundesliga. Dass uns das schlussendlich gelungen ist …, na, da waren wir alle stolz drauf." Und diese Mission gelang ihm noch in zwei weiteren Aufstiegsrunden 1969 und 1973. Leider musste er auch die drei Bundesligaabstiege 1967, 1971 und 1977 miterleben.

Hansi Dörre trug im Seniorenbereich 13 Jahre lang das Trikot für Rot-Weiss Essen. Für seinen Verein spielte er in der Regionalliga West, in den Aufstiegsrunden zur Bundesliga, war als einziger RWE-Spieler in allen sieben Bundesligaspielzeiten dabei, spielte in seiner letzten Saison auch noch in der. 2. Bundesliga Nord und kam 1977 in den beiden Aufstiegsspielen gegen den 1. FC Nürnberg zum Einsatz. Er ist damit einer der ganz wenigen Profifußballspieler, der seine komplette Jugend- und Profizeit bei einem einzigen Verein verbrachte.

Allein in der höchsten deutschen Spielklasse kam Mittelfeldspieler Dörre in 120 Partien für die Rot-Weißen zum Einsatz und erzielte dabei acht Tore. Ganz besonders waren für ihn die Spiele im Georg-Melches-Stadion. „Hier war immer eine Bombenstimmung und Zuschauernähe. Ein „Kribbeln" beim Einlaufen war nicht zu vermeiden. Meine schönsten Erinnerungen waren das Spiel gegen die Nationalmannschaft mit Helmut Schön als Bundestrainer und meine Duelle mit Franz Krauthausen von RWO.“ Insgesamt bestritt das RWE-Eigengewächs zwischen 1965 und 1978 exakt 272 Punktspiele (13 Tore) für die Rot-Weißen, ehe er zum FV Bad Honnef wechselte. Dort führte ein Achillessehnenriss aber nur wenig später zum Ende der aktiven Laufbahn.


Hansi Dörre in der Saison 1969/70 und sein Jubel über ein Tor gegen den 1. FC Kaiserslautern am 27.04.74, Endstand 3:3.

In der Nähe von Bad Honnef wurde Hansi Dörre dennoch heimisch, lebt seit vielen Jahren im benachbarten Rheinbreitbach. Seinem langjährigen Verein Rot-Weiss Essen ist er aber nach wie vor eng verbunden. Zu seinen besten Freunden gehört RWE-Rekordspieler und Rekordtorschütze Willi „Ente“ Lippens, der fast auf den Tag genau ein Jahr älter ist. „Willi und ich sind bis heute dicke Kumpel geblieben. Auch privat hatten wir viel Kontakt. Unsere Familien sind eng befreundet, früher sind wir auch mehrmals zusammen in den Urlaub gefahren. Bei Auswärtsspielen haben wir uns immer ein Zimmer geteilt“, erinnert sich „Hansi“ Dörre. Eine der gemeinsamen Geschichten hat der Fußballautor Ben Redelings im letzten Jahr zu Willi Lippens 75. Geburtstag erzählt:

„Sirenen-Willi" seine Füße

Willi Schick war ein buntes Essener Fan-Original in den 1960er und 1970er Jahren. Mit einem Zylinder auf dem Kopf und ganz in Rot-Weiß gekleidet, begleitete er die RWE-Mannschaft quer durch Deutschland. Wo immer die Essener antraten, „Sirenen-Willi" war schon vor Ort.

So auch bei einem Auswärtsspiel in Hamburg. Als das RWE-Team nach der Begegnung am Hauptbahnhof eintraf, wartete dort bereits ein sichtlich bedröppelt dreinschauender Willi Schick auf sie. Nach einigen ausgiebigen Besuchen der Reeperbahn und dem einen oder anderen Gläschen alkoholischen Inhalts musste „Sirenen-Willi" sich eingestehen, dass er keinen Pfennig mehr für die Rückfahrt in der Tasche hatte. Als Willi Lippens den treuen Fan einsam und verlassen am Bahnsteig stehen sah, entschloss er sich spontan, den Edel-Anhänger der Rot-Weissen mit ins Abteil zu nehmen. Zusammen mit Hansi Dörre teilte er sich einen Drei-Betten-Raum, und so hatte man genug Platz für einen weiteren Fahrgast.

„Sirenen-Willi" legte sich nach oben, Dörre in die Mitte und Lippens nach ganz unten. Der Zug fuhr an, man schloss die Augen und schlummerte langsam ein. Bis Willi Schick auf die Idee kam, es sich ein wenig gemütlicher zu machen und seine Schuhe auszuziehen. Willi Lippens erinnert sich: „Sofort waren die Scheiben beschlagen. Unvorstellbar. Das ging dann nur noch wie beim Röntgenarzt: Tief einatmen. Nicht mehr atmen.“

Hansi Dörre hatte die Lösung parat: „Wir schieben das Fenster auf, Sirenen-Willi hält die Mauken raus, und dann müsste das irgendwie schon gehen.“ Genauso ist es gekommen. Wir haben das Ding aufgezogen, der hat seine Füße rausgelegt, und dann ist der bis Essen so gefahren. Die Käsemauken immer schön im Fahrtwind. Vom Feinsten.“

Georg Schrepper

Bild unten: Hansi Dörre (ganz rechts) neben Willi Lippens und der Aufstiegsmannschaft von 1966

 

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