Prälat Otmar Vieth wird 80 Jahre

0 09.08.2021

BORBECK / ESSEN. Prälat Otmar Vieth, langjähriger Pfarrer an St. Dionysius, Essener Dompropst und früherer Essener Stadtdechant, wird am Dienstag, 10. August, 80 Jahre alt. Aus gesundheitlichen Gründen bat Vieth 2013 um seine Emeritierung als Dompropst, blieb der Domkirche seitdem aber eng verbunden - ebenso wie den Eucharistischen Ehrengarden, die er viele Jahre als Geistlicher Ehrenoberst begleitet hat.

Der Ehren-Borbecker, ausgemachte Computerfan, Irland-Liebhaber und wahrscheinlich einzige Pastor von Borbeck, der jemals seinen eigenen Kirchturm erkletterte, wurde mitten im Krieg 1941 geboren und wuchs in Bochum-Riemke auf. Schon als Junge war Otmar Vieth mit den ganz praktischen Fragen des Lebens vertraut und half im kleinen Lebensmittelgeschäft seiner Mutter mit. Geprägt von seiner Zeit bei der Bundeswehr, lernte der junge Theologiestudent im Betriebspraktikum auch die Arbeit unter Tage kennen. Bis heute ist er stolz auf seine Herkunft und seinen schwarzen Steigerhelm.

Am 30. Januar 1969 wurde Otmar Vieth in seiner Heimatstadt zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit in Essen-Frillendorf und Essen-Rüttenscheid kam er 1974 als Leiter der Abteilung Sozialwesen ins Bischöfliche Generalvikariat Essen. Dort galt seine besondere Sorge der Gemeinsamen Sozialarbeit der Konfessionen (GSA) im Bergbau und bei Opel. Im selben Jahr wurde er zum Domvikar ernannt, zwei Jahre später übernahm zwei Jahre später die Aufgabe des Domzeremoniars.

20 Jahre Pfarrer in Borbeck

Mit seiner Ernennung zum Stadtvikar in Essen wurde Otmar Vieth 1982 „rechte Hand“ des damaligen Stadtdechanten Karl Zurnieden und kam 1985 schließlich als Nachfolger von Pfarrer Ludwig Theben an St. Dionysius in Essen-Borbeck. Zugleich übernahm er bis 1995 nicht nur das Amt des Dechanten des Dekanates Essen-Borbeck, sondern ab 1988 auch das des Stadtdechanten von ganz Essen. Als Chef des Katholischen Stadthauses mit seinen Verwaltungsstellen, Beratungsgremien, Bildungs- und Beratungseinrichtungen war zugleich Vorsitzender des Caritasverbandes für die Stadt Essen, wirkte für die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung, initiierte die Gründung der sozialen Cosmas & Damian-Stiftung auf Stadtebene und übernahm vielfältige Verpflichtungen für die gesamte Stadtkirche. 1990 berief ihn der damalige Bischof, Kardinal Franz Hengsbach, als nichtresidierenden Domkapitular in das Essener Domkapitel. Am 10. Januar 2005 ernannte ihn Bischof Felix Genn zum Nachfolger von Prälat Günter Berghaus als Dompropst am Essener Dom.

Ehrenborbecker Otmar Vieth

Damit endete Pastor Vieths Amtszeit in Borbeck, das er zwei Jahrzehnte lang aktiv mitprägte. Bei seiner Verabschiedung am 13. Februar 2005 würdigte eine große Festveranstaltung seine zahlreichen Initiativen. Bis heute ist er seitdem der einzige, der jemals mit Urkunde zum Ehrenborbecker ernannt wurde. Nicht nur die völlige Sanierung von Kirche und Dionysiusplatz im Herzen von Borbeck oder der Bau des neuen Pfarrhauses sind bis heute Zeugnisse von Pfarrer Vieths Engagement. Wesentliche Schwerpunkte setzte er vor allem in der sozialen Arbeit: Neben der Erweiterung des Philippusstiftes und dem Anschub zur Kooperation der Krankenhäuser im Essener Nordwesten engagierte sich Pfarrer Vieth für Alten- und Pflegeheime, betreutes Wohnen, für Kindergärten und Psychisch Kranke. Er förderte die Arbeit im Asylbewerberheim an der Neustraße, die Einrichtung einer Borbecker Zweigstelle der Familienbildungsstätte, die Pfarrbücherei oder den Ökumenischen Weltladen an der Hülsmannstraße. Zu seinen sicher bleibenden Verdiensten gehören auch die Gründung der Katholischen Krankenhaushilfe und nicht zuletzt die des Cosmas-und-Damian-Hospizes in Bedingrade.

Auch mit weiteren Initiativen machte er die Kirche im Stadtbild sichtbar, so in der Gestaltung der Friedhöfe oder der Instandsetzung des Heiligenhäuschens an der Gerichtsstraße, von Wegkreuzen und Kapellen im Gemeindegebiet. Über den Tag hinaus erinnert in der Kapelle des Philippusstifts mit dem großen Glasfenster von Emil Wachter ein herausragendes Kunstwerk an Vieths Borbecker Zeit. Die von ihm begründete St. Dionysius-Stiftung fördert weiter kirchliche, soziale und kulturelle Zwecke.

Seelsorger an „Dio“

Als Pastor an der Mutterkirche Borbecks war er nicht zuletzt aber Seelsorger, legte besondere Sorgfalt auf die würdige Gestaltung der Liturgie. Klare Sprache und schnörkellose Predigten standen hier immer für einen „geerdeten“ eigenen Glauben. Seine Krankenhausbesuche, Glaubensgespräche, die Vorbereitung und Spendung der Sakramente der Taufe, Erstkommunion, der Ehe und der Beichte lagen ihm sehr am Herzen. Auch die Verantwortlichen in den Gemeinschaften und Verbänden, Gebetsgruppen oder Hilfsprojekten „in Dio“ – darunter mehr als 150 aktiven Ministrantinnen und Ministranten - stärkte er mit Rat und Tat den Rücken, er galt als verlässlich, verbindlich, hilfsbereit und als guter Zuhörer mit phänomenalem Namensgedächtnis.

Neben seiner Sorge um gutes ökumenisches Miteinander der christlichen Konfessionen prägt ihn bis heute sein früh gewecktes großes Interesse an der sozialen und kirchlichen Geschichte der Region: Mit ausgeprägtem Sinn für die Pflege von Traditionen und Heimatbewusstsein unterstützte er daher auch in guter Nachbarschaft mit der „Alten Cuesterey“ etwa das Wirken des Kulturhistorischen Vereins und engagierte sich für die Erhaltung bergbaulicher Spuren auf Borbecker Gemeindegebiet.

Eine besondere Ehre wurde Vieth 2007 mit der Ernennung zum „Päpstlichen Ehrenprälat“ durch Papst Benedikt XVI. zuteil. Im Oktober 2008 wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenstadtdechanten ernannt. Bischof Overbeck würdigte Vieths Engagement für den Essener Dom: „Nicht nur sein hohes geschichtliches Interesse zeugt bis heute davon, sondern auch sein Sinn für eine würdige Liturgie und seine Freude an diesem wunderbaren Kirchenraum.“ Auch der heutige Dompropst Thomas Zander nannte Vieth „einen Freund einer gepflegten und geordneten Liturgie“, für den wohl der Gottesdienst mit Papst Johannes Paul II. beim Deutschlandbesuch 1987 im Gelsenkirchener Parkstadion eine der größten und wichtigsten Messen gewesen sein dürfte. Vieth hatte diese Feier als Zeremoniar maßgeblich mit vorbereitet und gestaltet.

cb
Fotos: Goldenes Priesterjubiläum Otmar Vieth 2019, Nicole Cronauge / Bistum Essen, Portrait: Achim Pohl | Bistum Essen

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