Pfingstsonntag: Offener Steenkamp-Hof

Der Kultur-Historische Verein Borbeck e.V. lädt ein

0 07.06.2019

BEDINGRADE. Es ist zweifellos ein besonderer Ort im ganzen Großraum Borbeck - jetzt wird zum Pfingstsonntag dorthin eingeladen: Der Kultur-Historische Verein Borbeck e.V. (KHV) freut sich von 11-17 Uhr auf viele Besucher am Steenkamp-Hof. Sie können sich von fachkundigen KHV-Mitstreitern alle Räume des historischen Bauernhofs am Reuenberg 47a zeigen lassen, der in seiner heutigen Form im Jahr 1786 gebaut und vor fast genau 25 Jahren wieder neu eingeweiht wurde. Zudem bietet das KHV-Team wie immer allerlei Leckereien „zum Verweilen in romantischer Atmosphäre“, wie es in der Einladung heißt.

Ganz sicher ist der Hof an dieser Stelle aber schon sehr viel älter als die Inschriften auf den Balken vom Bau aus dem Jahr 1786: Denn bereits 1521 tauchen die ersten Namensträger „Steinkamp“ in einer Steuerliste des fürstlichen Stiftes Essen auf und erstmals schriftlich erwähnt ist der „Steenkamp-Hof“ in Bedingrade vor mehr als 350 Jahren in der Landmatrikel von 1668. Der landwirtschaftliche Betrieb „Kleine Steinkamp“ kam bereits nach dem letzten Weltkrieg zum Erliegen und diente bis zum Tod der letzten Bewohnerin als Wohnhaus.

Ohne den KHV würde es heute das für die Region typische Längsdielenhaus längst nicht mehr geben: Als in der ersten Hälfte der 1980er Jahre dessen Abriss zur Vergrößerung der angrenzenden Kleingartenfläche schon beschlossen war, regte sich heftiger Protest. Er führte vor fast genau 35 Jahren - Ende 1984 – zur Gründung des Kultur-Historischen Vereins Borbeck, dessen Zweck u.a. der Erhalt dieses Gebäudes sein sollte. Da sich auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege einschaltete und das Gebäude zum Baudenkmal erklärte, war ein Abriss nun nicht mehr ohne weiteres möglich. Zum 1. Januar 1987 wurde das Gebäude von der Stadt der neu gegründeten Initiative in Erbpacht übertragen und der KHV nahm die Restaurierung des schon windschiefen und verdrehten Fachwerks mit großem Elan in Angriff. Mit Denkmalmitteln, Spenden und Eigenleistungen wurde es von Grund auf renoviert und so gerettet.

Heute ist der Hof „Kleine Steinkamp“ eines der letzten Fachwerkhäuser im Raum von Groß-Borbeck und das einzige, das öffentlich zugänglich ist. Als einer der letzten wichtigen Zeugen der Ortsgeschichte dokumentiert er das vorindustrielle bäuerliche Leben in unserem Raum. Er entstand als Teil einer seit den 1220er Jahren in der Großen Vogteirolle bekannten Höfegruppe, die an dieser Stelle zur Bauerschaft Bedingrade gehörte. Zu ihr zählten die Höfe Heckelei, Beckermann, Wüsthoff, Hagedorn, Nothoff, Berchem, Große Steinkamp, Kleine Steinkamp, Küper auf dem Steinkamp und Kleine Steinkamp. Der Name der Höfegruppe „Barchem“ oder „Bergheim“ findet sich heute noch in den Straßennamen Bergheimer Steig, Bergheimer Straße, Barchemhöhe, Barchembach und Barchembachtal wieder.

Ein bisschen von der Atmosphäre früherer Nutzung steht hier einmal im Jahr fest im Programm: Seit 1988 lockt die Aktion „Tiere auf dem Bauernhof“ zahlreiche Gäste an und seit 1993 ist der Hof ein beliebtes Ausflugsziel zum bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“. Am 5.-11. September 1994 konnte hier die Einweihungsfeier des fertig restaurierten Hofes begangen werden, in dem es auch das ganze Jahr über für Groß und Klein zu gucken und zu lernen gibt: In einem Nebengebäude sind landwirtschaftliche Geräte ausgestellt, es gibt einen Garten und einen Bienenstand, zudem hat hier seit 2001 die zeitgenössische Kunst Einzug gehalten: Die Ateliers der Künstlergruppe 3+ bieten einen schönen Kontrast zur rekonstruierten Lebensweise der früher hier lebenden und arbeitenden Generationen.

Ein informativer Flyer zum Steenkamp-Hof kann HIER aufgerufen werden. Unten: Abbildung aus dem Faltblatt des KHV.

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