Pfarrer i.R. Gerhard Witzel ist gestorben

Trauer in seiner alten Gemeinde in Vogelheim

0 19.10.2022

VOGELHEIM. „Unser ehemaliger Pfarrer Gerhard Witzel ist verstorben. Möge er nun Gott schauen und sich an ihm das erfüllen, was er als Priester den Menschen verkündet hat“ – das meldete gestern morgen die Facebookseite der Gemeinde St. Thomas Morus. Er starb in der Nacht zu Dienstag, 18.Oktober, nach langer, schwerer Krankheit. Für alle, die sein Wirken im Norden Borbecks erlebten, ist es eine traurige Nachricht.

Geboren wurde Gerhard Witzel am 21. Mai 1936 in Werdohl. Nach Volksschule, Gymnasium und Studium der Theologie wurde er am 23. Juli 1961 im Essener Münster vom damaligen Bischof Franz Hengsbach zum Priester geweiht. „Man hat ihn wohl wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit an seiner ersten Wirkungsstätte als Seelsorger in der Gemeinde St. Bonifatius in Bochum-Langendreer nach Vogelheim abgeworben“, notierte Franz Josef Gründges in seinem Lebensbild im Borbeck-Lexikon: „Denn dort war man gerade dabei, die „Vogelheimer Lichtspiele“ in ein Jugendhaus umzuwandeln. Um diese Zeit, exakt am 4. Mai 1965, fand der Einführungsgottesdienst für Kaplan Witzel an St. Thomas Morus in Vogelheim statt.“

Sozial aktiv für die Menschen im Norden

Hier entwickelte er nun das Profil einer sozial für Kinder, Jugendliche, Senioren und Benachteiligte engagierten Gemeinde weiter: Am 2. Oktober 1966 wurde auf dem Gelände des ein Jahr zuvor geschlossenen Kinos „Vogelheimer Lichtspiele“ der Jugendhof Vogelheim eingeweiht, ein von Pfarrer Schmidt initiiertes und geleitetes und von Kaplan Witzel begleitetes Projekt und heute die GOT der Kath. Pfarrgemeinde St. Dionysius Essen. Die Zusammenarbeit mit Albert Schmidt in einem sozialen Brennpunkt empfand Pastor Witzel nach eigener Aussage als prägend. Von ihm, so Witzel, habe er gelernt, wie wichtig es sei, „sich in besonderer Weise um die Menschen zu kümmern, die noch nicht alles können, und um die, die nicht mehr alles können“.

Am 2. April 1971 trat Gerhard Witzel die Nachfolge von Pastor Albert Schmidt als Pfarrer von St. Thomas Morus an. „So gesehen hatte im Hinblick auf sein seelsorgerisches Selbstverständnis auch seine erste Amtshandlung als Pfarrer an der neuen Wirkungsstätte symbolischen Charakter – der Spatenstich für das Albert-Schmidt-Altenheim an der Hafenstraße“, so das Lebensbild.

Drei Jahrzehnte im Dienst in Vogelheim

Über dreißig Jahre prägte Pfarrer Witzel das Gemeindeleben von St. Thomas Morus. Lange Jahre, bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 2013, gehörte er als Geistlicher Beirat auch dem Vorstand des Trägervereins des Familienferienhauses „Arche Noah Marienberg“ an, das sein Vorgänger Albert Schmidt 1945 in Elkhausen (Sieg) gegründet hatte.

Im Juni 2004 ging Gerhard Witzel in den Ruhestand und setzte in der Katholischen Herz-Jesu-Gemeinde in Burgaltendorf seine seelsorgerische Tätigkeit fort. Nach dem Tod seines Nachfolgers Pfarrer Hermann Josef van Aken am 24. Juni 2019 wurde die Pfarrerstelle an St. Thomas Morus nicht wieder besetzt. Dass im November und Dezember 2019 dort Kirche und Pfarrhaus abgerissen wurden, hat Gerhard Witzel sehr getroffen. Als ihm die erste Nummer der „Borbecker Beiträge" des Kultur-Historischen Vereins Borbeck im Jahr 2020 zugesandt wurden, schrieb er: „Dass mich das Titelblatt mit der abgenommenen Kirchturmglocke und dem abmontierten Kirchturmhahn von St. Thomas Morus in Vogelheim von neuem erschüttert hat, können Sie sich sicher vorstellen."

In Burgaltendorf blieb der Pfarrer i.R. bis zuletzt hochaktiv: Schon viele Jahre zuvor hatte er sich einen Namen als „Brillen-Pastor“ gemacht, sammelte mit dem Verein „Nangina e.V.“ gebrauchte Brillen und ließ sie nach Afrika und Südamerika schicken. Weit über 150.000 Brillen, auch Handys und Hörgeräte schickte er in Entwicklungsländer. Seitdem ihm die Spätfolgen der Polio-Erkrankung in seiner Jugend wieder zu schaffen machte, setzte er sich für das Projekt „End Polio Now“ ein.

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