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0 01.04.2026
Eine Kindheitserinnerung von Hermann Hagedorn - geschrieben auf Borbecksch Platt - widmet sich den Osterfeiertagen. Franz Josef Gründges hat diese nette Geschicht ins Hochdeutsche übertragen. Die Redaktion von borbeck.de wünscht viel Vergnügen beim Lesen und schöne Ostertage!
„Herr Jesus dörch dän Ölgaren gong“, sagg dä Mooder on soog met wietlöftige Oogen dorch dä Deelendüe dä vulle Moone öwern Appelboom op’t Pütthaus schienen.
Gräundonnersdagg wo dät.
Dann nohm sö ons an’e Hand on gong feierlich öwern Hoff büs an de Garendüe.
Do muchen wi wachen on be’en. Sö söwers gong dän „Steinwurf” wider an dän Garen heren.
Orickelkes stonnen langes dä eässe Rabatten.
Sö blöhen al on rocken ganz dönn.
On anneren Middaggs öm „drei“ sprock sö väklöet dä letze Wöre no, dä Jesus an’t Krüz gesprocken ha.
So lewen dät leiwe Mensche dä Marter met. On ick väfieren mi on wo froh, wenn’t vöröwer wo.
Wenn dä Sonne achter Beckermanns Botterblaumenwiesche opstonn, gollen on kloe, dann gong än Glanz van Gott öwer dä Mooder, on öwer dän groten Kaffeepott, on öwer dän blanken Kettel op’t Vänüss, wo dä Ostereier dren am prötteln wo’en, on öwer mi söwers ok; denn vö mi wonnen alle düse Saaken schrecklich kott bine’en, dä Hilligen on dät Annere, on bi’t Alleluja vägott ick ok dän Schenken nech.
On en onsen Osterspass öm’n Kaffeedisch dröhnen dät on dee, as wenn alle Klocken em Ömkreis van Borbeck, Frentrop, Osterfeld on Dällefken sick vö onse Düe am taggelappen wö’en, wä van öe dä Mooder am eässen ’t Alleluja lö’en dröf.
Jo! So wo’t!
On Lerchen klatern höpewiese en’e Loch.
Aff en mine Erennerong sämtliche Lerchen van al dä Johren, dä seit mine Kennertied vägohen send, tirili’et on jubile’et, wet ick’t? Awer dät weet ick genau: Geitlenge on Baufenken songen klorer a düsen Sagg, on dä Rotstättkes wo’en nie so kri’egel. On dat dän Hemmel bloer wo, on alle Wäterkes gäuer gongen, on ongetallte Knoppen an dä Obsbööme öm onse olle Hüsken heröm opsprongen, öm gräun ut’e Blättkes on witt ut’e Bläumkes dä kieken – wä dät bestre’en well, dä hett nie Ostern gehadd.
Woll dem, dä dä fiftigjöhrige Erennerongen wie’n lend Wendken lau on lisam öwert’t Hatte gott, wie dä Hand van’e Mooder no dä Kardage, woll dem, dä’t Lewen so riewe tä vägewen het.
„Herr Jesus durch den Ölgarten ging“, sagte die Mutter und sah mit ihren in die Ferne gerichteten Augen durch die Tür der Tenne den Vollmond über dem Apfelbaum auf das Zechenhaus scheinen.
Das war an Gründonnerstag.
Dann nahm sie uns an die Hand und schritt feierlich über den Hof bis an die Gartentür.
Dort mussten wir warten und beten. Sie selbst ging einen „Steinwurf“ weiter in den Garten hinein.
Aurikelchen standen entlang der Frühbeete.
Sie blühten schon und dufteten ganz zart.
Am anderen Tag, mittags um „drei“, sprach sie verklärt die letzten Worte nach, die Jesus am Kreuz gesprochen hat.
So erleben liebe Menschen die Marter mit. Und ich fürchtete mich und war froh, wenn alles vorbei war.
Wenn die Sonne hinter Beckermanns Butterblumenwiese aufging, golden und klar, dann fiel der Glanz Gottes über die Mutter und über den großen Kaffeepott und über den blanken Kessel auf dem alten Zimmerofen, in dem die Ostereier am Kochen waren, und auch über mich; denn für mich lagen alle diese Sachen schrecklich nah beieinander, die heiligen und die anderen, und beim Alleluja vergaß ich auch den Schinken nicht.
Und in unsere Osterfreude um den Kaffeetisch herum dröhnte dies und das, als würden sich sämtliche Glocken im Umkreis von Borbeck, Frintrop, Osterfeld und Dellwig direkt vor unserer Haustür darum streiten, wer von ihnen der Mutter zuerst das Alleluja läuten dürfe.
Ja! So war es!
Und Lerchen schwirrten haufenweise in der Luft.
Ob alle Lerchen tiriliert und jubiliert haben, an die ich mich nach all den Jahren, die seit meiner Kinderzeit vergangen sind, erinnern kann, weiß ich es? Aber das weiß ich genau: Schwarzdrosseln und Blaufinken sangen klarer an diesem Tag, und die Rotschwänzchen waren nie so lebhaft. Und dass der Himmel blau war und alle Wasserläufe schneller flossen und ungezählte Knospen an den Obstbäumen um unser Haus herum aufsprangen und es grün aus den Blättern und weiß aus den Blümchen leuchtete – wer das bestreiten will, der hat nie Ostern gehabt.
Wohl dem, dem die fünfzig Jahre zurückliegenden Erinnerungen wie ein sanfter Windhauch lau und sacht über das Herz gestrichen sind, so wie die Hand einer Mutter nach den Kartagen, wohl dem, dem das Leben so viel gegeben hat.
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