Muschelessen: Tradition bei den Schützen vom BSV Frintrop 1919

Warum lieben die Ruhries die Muscheln so?

0 23.02.2026

Frintrop. Alle Jahre wieder...in den Monaten mit "R": Dann mampfen die Ruhries Miesmuscheln nach "Rheinischer Art" mit Schwarzbrot und dick "gute Butter". Es gibt kaum eine Region in Deutschland, in der so viele der meist aus den Niederlanden stammenden Muschelart verspeist werden.

Der Bürgerschützenverein Frintrop 1919 hat daraus eine eigene Tradition gemacht. Einmal im Jahr lädt der Verein Mitglieder, Freunde und Gönner zum Muschelessen in das Schützenheim nahe der Oberhauser Stadtgrenze ein. Wer keine Muscheln mag: Na, der kann sich auch für Pizza oder Pasta aus dem unmittelbar benachbarten Ristorante entscheiden.
Vorbereitet wird dieses köstliche Mahl in Gemeinschaftsarbeit. Da werden Sellerie, Möhren und Porree geschnibbelt, denn diese Zutaten braucht man für den köstlichen Sud, in dem die unzähligen Portionen an Miesmuscheln köcheln. Für viele sind die Muscheln das eine und der Sud das andere. Denn der Sud ist bei entsprechender Zubereitung einfach köstlich. Und dazu gibt es lecker Schwarzbrot dick mit Butter bestrichen.
Und weil es bei den Schützen immer gut schmeckt, war der große Saal, in dem nicht nur gefeiert, sondern unter der Woche auch am Luftgewehr trainiert wird, rappelvoll.

Tatsächlich sind es die Monate mit "R", also von September bis April, in denen es Muscheln gibt. Viele meinen, das gehe von früher her so, weil die Muscheln leicht verderblich sind und eben in den meist kälteren Monaten (die mit "R") die Kühlkette halbwegs garantiert ist.
Aber das hat eigentlich einen anderen Grund und hängt mit dem Liebesleben der Muscheln zusammen, denn in der Zeit von Mai bis August ist Fortpflanzungszeit und da schmecken sie einfach nicht. Unsereins ist ja auch sauer, wenn man beim Liebesspiel gestört wird.


So schmeckern die Muscheln nach "Rheinischer Art" am besten. Dazu ein lecker Weinchen oder ein kühles Bier.

Besonders beliebt sind die Muscheln, dann "Rheinischer Art" wie bei den Schützen, im Ruhrgebiet. Zum einen ist es die Nähe zur Nordsee, die dann auch die Frische garantiert. Zum anderen mochten gerade die Bergleute diese kleinen Dinger sehr, vielleicht weil sie ein ganz klein wenig an Kohlen erinnerten. Auster des kleinen Mannes wurde sie auch oft genannt.
Viele Kneipen hängten gerade in den 60er- und 70er-Jahren regelmäßig ihre Schilder mit der Aufschrift "Hier frische Seemuscheln" in die Fenster. Auch die Gastarbeiter brachten eigene Muschelrezepte ein. Mal als Tapas, mal als Miesmuschel Napoli mit Tomate und Chili.
Heute gibt es diese Tradition seltener, auch weil es weniger Kneipen gibt. Heute muss man die Köstlichkeit in vielen Gaststätten und Restaurants vorbestellen, denn das "Seafood" ist inzwischen auch nicht gerade billig. Dafür entfällt heutzutage das aufwändige Schrubben der Schalen. Barthaare, Sand und andere Fremdkörper mussten von der Außenseite entfernt werden. Das kostete Kraft. Heute kommen die Muscheln blitzeblank und kochfertig in den Handel.

Rheinisches Muschelessen

2 kg Miesmuscheln
2 Zwiebeln
1 Stück Sellerie
2 Lorbeerblätter
1 Stange Porree
2 Möhren
½ l Wasser
½ l Weißwein
Salz, Pfeffer aus der Mühle
Butter
Westfälisches Schwarzbrot

Die Muscheln unter laufendem kalten Wasser abbrausen und evt. die Bärte entfernen.
Das Gemüse und die Zwiebeln würfeln (nicht so groß) und in der Butter in einem großen Topf anschwitzen. Unsere Mütter haben früher den Einmachpott dafür genutzt.
Den Wein, Wasser und Lorbeerblätter dazugeben, ein wenig salzen und dann alles köcheln lassen. Die Muscheln dazu geben, Deckel auflegen und etwa 10 Minuten kochen lassen. Je besser der Wein, desto besser das Ergebnis. Topf dabei ab und zu rütteln.
Die Muscheln öffnen sich, wenn sie gar sind. Die geschlossenen Muscheln müssen entfernt und weggeworfen werden.
Mit einer Schöpfkelle werden die Muscheln samt Sud und Gemüse in einem tiefen Teller serviert und kräftig aus der Pfeffermühle gepfeffert.

Die Muscheln werden traditionell mit der Hand gegessen. Dazu benutzt man eine leere Muschelschale quasi als Zange und pickt das Muschelfleisch der anderen Muscheln aus dem Inneren heraus. Bei manchen landen sie direkt im Mund, andere leeren erst alle Schalen und essen das Muschelfleisch dann zusammen mit dem Sud. Wenn alle Muscheln aufgegessen sind, löffelt man den Sud aus und isst das Schwarzbrot dazu.

Na dann haut ma´ rein!

 

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