"Mit Abstand betrachtet"

Ausstellung in der Städtischen Galerie im Wirtschaftsgebäude des Schloß Borbeck eröffnet

0 19.02.2024

Borbeck. Muchtar Al Ghusain, Geschäftsbereichsvorstand Jugend, Bildung und Kultur, und Anja Herzberg, Leiterin des Kulturamtes, eröffneten am vergangenen Freitag, 16. Februar, die Ausstellung "Mit Abstand betrachtet – Ergebnisse des Corona Sonderfonds Kultur" in der Städtischen Galerie im Wirtschaftsgebäude des Schloß Borbeck. Das Kulturamt der Stadt Essen präsentiert in der Ausstellung Beispiele aus den vielfältigen Projekten und Arbeiten, die durch den Corona Sonderfonds Kultur gefördert wurden. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. März 2024, immer mittwochs bis sonntags 14 bis 18 Uhr, in der Städtischen Galerie zu sehen. Gezeigt werden Ergebnisse aus den Sparten Bildende Kunst, Gestaltung, Lyrik, Kabarett, Musik und Theater.

"Die Corona Pandemie hat in den letzten Jahren zu erheblichen Einschränkungen geführt, Existenzen bedroht, ja sogar wirtschaftlich zerstört. Mit dem Corona Sonderfonds Kultur konnten wir in den Jahren 2020 bis 2022, neben den Förderprogrammen auf Bundes- und Landeseben, einen großen und wichtigen Beitrag zur Unterstützung für Essener Kulturakteure leisten", so Muchtar Al Ghusain. Und weiter: "Ich freue mich, dass wir einige Arbeiten, stellvertretend für zahlreiche geförderte Projekte und Veranstaltungsformate hier im Wirtschaftsgebäude des Schloß Borbeck ausstellen können."

Zur Ausstellung

Der Titel "Mit Abstand betrachtet" ist ein vielschichtiger Verweis auf die schwierige Zeit der Pandemie, auf Lockdowns, Quarantänevorschriften und Distanzmaßnahmen. Der Verlust von Einkünften, Austausch und Publikum war für Kulturschaffende eine besondere Herausforderung. Wie haben Künstler*innen diese Zeit der Isolation wahrgenommen und welche Auswirkungen hatte sie auf ihre Arbeitsweisen und Ideen? Mit zeitlichem Abstand blickt die Ausstellung zurück und präsentiert eine besonders vielfältige Auswahl aus den Ergebnissen des kommunalen Förderprogramms. Kurator Axel Braun entwickelte im intensiven Dialog mit den Ausstellenden das Raumkonzept für die frisch renovierte Städtische Galerie. Neben klassischen Wand- und Buchpräsentationen finden Besucher*innen auch Hörstationen, Videodokumentationen und eine Rauminstallation.

Werkbeschreibungen

In Jannine Kochs Bildwelten erweisen sich Insekten als komplexe Maschinen und Materialdrucke lassen phantastische Landschaften entstehen. Ihr malerisches Werk widmet sich wiederum den digitalen Bildwelten, die die Menschen täglich über Nachrichtenportale erreichen.

"Liquide Charaktere" nennt der Illustrator Frank Josten seine reduzierten Zeichnungen, die die Grenzen zwischen Abstraktion und Konkretem verwischen.

Vom Performancekollektiv "dieeine&dieandere" stammt die Dokumentation einer immersiven Performance auf dem Essener Kopstadtplatz. Die Teilnehmenden hatten durch Anleitung über Funkkopfhörer die Gelegenheit zur anregenden Auseinandersetzung mit ihrem sechsten Sinn: der Propriozeption.

Anne Berlit präsentiert großformatige Wandarbeiten aus Plexiglas die in ihrer Vielschichtigkeit eine stille Präsenz im Raum entwickeln.

Unter dem programmatischen Titel "Layers and Shapes" zeigt Daniela Risch minimalistische Zeichnungen, Materialcollagen und eine experimentelle Videoarbeit.

Mit dem Corona Sonderfonds Kultur ermöglichte die Stadt Essen vielen Künstlerinnen*Künstlern die Produktion von Dokumentationen ihres Schaffens, die ihnen auf dem Weg zurück in die Normalität gute Dienste leisten sollten. Der Fotokünstler Johannes Gramm konnte mit "Dinge – Erinnerungen und ihre Gegenstände bei Tageslicht" ein umfangreiches und berührendes Buchprojekt veröffentlichen.

Das "ensemble unterwegs" produzierte ein Musikvideo zu einem eigens für die Musikerinnen arrangierten Kunstlied von Alban Berg. Sopran, Violine, Viola und Violoncello gehen auf Wanderschaft und erkunden die entrückte Welt eines verlassenen Schwimmbades.

Bissiges Musikkabarett kommt von "Salonlöwengebrüll": unter dem Titel "Salonlöwenzahn" hat das Duo eine CD als Ergänzung zu ihrem Bühnenprogramm im Stil der zwanziger Jahre aufgenommen.

Mit "Kiss + Cry" konnte auch "Frau Contra Bass" ein überaus gelungenes Album zwischen Jazz und Pop vorlegen. Der Name ist Programm: die minimalistischen und sehr atmosphärischen Arrangements von Gesang und Bass werden nur in einzelnen Stücken wirkungsvoll durch Gitarre und Bassklarinette ergänzt.

Die Lyrikerin Sara Camatta führt uns mit ihrem Gedichtband „Die Trasse und ihre Nebenflüsse“ über das Essener Radwegenetz zurück in den eigenartigen Sommer des Jahres 2020.

Scarlett Schauerte initiierte das interdisziplinäre Kunstlabor "in farbe". In Anspielung an Alice im Wunderland tauchte das Kollektiv in mehreren Episoden hinab ins Kaninchenloch: einem Erlebnisraum für das Wundersame. Gemeinsam mit dem Videokünstler Erwin Wiemer gestaltet sie nun das Turmzimmer der Städtischen Galerie zu einer begehbaren Rauminstallation.

Einen Flyer zur Ausstellung zum Herunterladen finden Sie hier.

Zum Hintergrund

Durch die Absage sämtlicher kultureller Veranstaltungen und die Schließung aller Kultureinrichtungen im Jahr 2020 aufgrund der Corona-Pandemie war die freie Kulturszene in gravierender Weise von den sozialen und wirtschaftlichen Folgen des aktuellen Stillstands betroffen. Der Kulturausschuss der Stadt Essen hatte im Mai 2020 die Einrichtung eines Corona Sonderfonds Kultur in Höhe von bis zu 500.000 Euro einstimmig empfohlen. Der Sonderfonds richtete sich an Künstler*innen, Vertreter*innen der Essener Kulturszene und ihre Einrichtungen. Mit dem Sonderfonds sollten Hilfen für den Erhalt der in ihrer Existenz bedrohten Kultureinrichtungen der freien Kulturszene bereitgestellt werden (Strukturerhalt). Darüber hinaus wurde die Durchführung der für das Jahr 2020 geplanten und bereits bewilligten Projekte abgesichert (Projektsicherung). Außerdem zielte der Sonderfonds auf die Förderung der freien Kulturszene ab. In ihrer Existenz bedrohte Einrichtungen, Vereine sowie Künstler*innen wurden durch die Vergabe städtischer Aufträge und Arbeitsstipendien stabilisiert (Neue Perspektiven). Im ersten Jahr wurde der Sonderfonds um 50.000 Euro durch eine Spende der Vielrespektstiftung aufgestockt. Hierdurch konnten insbesondere weitere Interkulturprojekte gefördert werden. Insgesamt wurden 176 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 1,34 Millionen Euro eingereicht, von denen 119 Anträge bewilligt werden konnten. Durch die starke Nachfrage und weiter anhaltenden schwierigen Bedingungen für Kulturschaffende in den Folgejahren, wurde der Sonderfonds auch in den Jahren 2021 (193 Anträge, Antragsvolumen 1,29 Millionen Euro, davon 92 Anträge bewilligt) und 2022 (132 Anträge, Antragsvolumen 854.0000 Euro, davon 93 Anträge bewilligt) in gleicher Höhe aufgelegt und war neben den Förderungen von Land und Bund ein außerordentlich wichtiges Mittel zur Unterstützung der Essener Kunst- und Kulturszene.

 

Herausgegeben von:
Stadt Essen
Presse- und Kommunikationsamt
Rathaus, Porscheplatz
45121 Essen

Foto: Stefan Schindler-Schulze, Stadt Essen

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 4.