Mächtige Frauen: Drei Essener Herrscherinnen im Portrait

Neue Schau in Schlossgalerie eröffnet

0 28.08.2026

BORBECK. Mit großem und sehr interessiertem Publikum ist am Donnerstagabend in der Städtischen Galerie Schloß Borbeck eine Ausstellung eröffnet worden, die bislang so nicht zu sehen war: Sie zeigt spannende Einblicke in das Leben der drei letzten Landesherrinnen des Stifts Essen, die am Ende einer 1000-jährigen Frauenherrschaft in der Stadt stehen. In der Geschichtsschreibung lange verdrängt und unterschätzt, wurden sie erst in jüngster Zeit neu entdeckt – als geistliche und politische Persönlichkeiten, die um ihre Unabhängigkeit kämpften, großen Einfluss auf die Lebensverhältnisse in ihrem Territorium ausübten, die Kultur, Bildung und Wirtschaft förderten. Vieles davon macht die Ausstellung nun sichtbar. „Sie ist das Ergebnis monatelanger Arbeit“, dankte Anja Herzberg vom Kulturamt der Stadt sehr herzlich den Macherinnen, begrüßte zahlreiche Vertreter aus Gesellschaft und Politik und wünschte der Schau viele Besucher.


Anja Herzberg vom Kulturamt der Stadt wünschte der Schau viele Besucher

Runde Daten waren Anlass für die Schau am Schloss

Julia Hartmann von der Essener Domschatzkammer und Dr. Ute Küppers-Braun, Dozentin für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Institut der Universität Duisburg-Essen, nahmen mit Birthe Marfording vom Kulturzentrum Schloß Borbeck und einem Grafikerteam eine ganze Reihe runder Daten zum Anlass für die Schau: 2026 jähren sich die Todestage von Bernardine Sophia von Ostfriesland und Rietberg (1654-1726), Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach (1696-1776) und Maria Kunigunde von Sachsen (1740-1826).

„Die Ausstellung wirft einen Blick auf eine Institution, die unserem Raum über Jahrhunderte geprägt hat“, erinnerte Andrea Wegener, seit 2017 Leiterin des Essener Domschatzes und der Schatzkammer Werden. Ihre einführende Ansprache unterstrich das besondere Alleinstellungsmerkmal des geistlichen Stiftes. Stellvertretend für eine lange Folge von Frauengenerationen zeige die Schau die Handlungsspielräume weiblicher Macht im Umfeld komplexer politischer Machtverhältnisse.

Das Jahrtausend der Äbtissinnen und Reichsfürstinnen, das wie das Stift Essen 1803 mit der Säkularisation zu Ende ging, sei dabei engstens verbunden mit Schloss Borbeck gewesen, so Andrea Wegener: „Es war mehr als nur Wohnsitz und Residenz, sondern ruft bis heute in Erinnerung, welche Rolle Frauen in ihrer Zeit hier und in der Geschichte Europas gespielt haben.“ Ab Mitte September, kündigte Frau Wegener an, wolle auch die Domschatzkammer dieses Thema in digitaler Weise neu würdigen.

Erbe bewahren und entwickeln

Grüße und Dank des Ausstellungsteams gingen an Vertreter der Politik, Bezirksvertretung und Förderverein Schloss Borbeck, der für die Pflege von Schloss und Park eine wichtige Stütze sei. „Dieser Ort bleibt uns ein Herzensanliegen“, betonte Susanne Asche für den Borbecker Bürger- und Verkehrsverein (BBVV) in ihrem Dank für die Präsentation der neuen Schau in der Schlossgalerie. Die historische Rolle starker Frauen für die Kultur, Bildung und Politik, zu der es eine moderne Erzählung brauche, inspiriere auch heute, so die BBVV-Vorsitzende. Schloss Borbeck sei mit seinem Park „als FrauenOrt NRW“ ein Zeichen dafür, dieses Erbe noch stärker zu bewahren, zu behüten, zu beschützen und für die Zukunft weiterzuentwickeln.


Dr. Ute Küppers-Braun und Andrea Wegener von der Domschatzkammer (r.)

Neue Einblicke in drei Frauenleben

Julia Hartmann, die sich lange Zeit mit der Idee dieser Ausstellung beschäftigt hatte, führte temperamentvoll in das Konzept der Schau ein, die den Besuchern viele Möglichkeiten der geographischen und biografischen Orientierung bietet. Reproduktionen von Gemälden und Stichen, Faksimiles und historischen Karten zeigen Herkunft, Horizont und Mobilität der drei vorgestellten Fürstinnen, skizzieren ihr familiäres Umfeld und werfen einen Blick auf ihre Talente und Leidenschaften.

Dass Bernhardine Sophia die Mädchenbildung förderte und sich dabei unnachgiebig und politisch fast ganz auf sich allein gestellt mit den ehrgeizigen und mächtigen Brandenburgern anlegte oder dass die 50 Jahre lang regierende, sozial engagierte Franziska Christine in ihrer Jugend eine sehr umworbene Partie war, wird vielen unbekannt sein. Dass dazu die Bergbau-Unternehmerin Maria Cunegunda nicht nur als flotte Jägerin galt, sondern auch begeisterte Opernsängerin war, ist aus dem Turmgemach des Wirtschaftsgebäudes sogar zu hören. Auch für Kinder werde während der Ausstellung einiges vorbereitet, so Julia Hartmann, die herzlich zu spannenden Entdeckungen einlud.


Auch der Förderverein Schloss Borbeck freute sich über den gelungenen Auftakt


Julia Hartmann führte ins Konzept der Ausstellung ein


Das Werk ist getan: Gückliches Ausstellungsteam der Schau im Schloss

Wertvolle Originale zeigt die Ausstellung nicht. Sie beschränkt sich auf deren geschickt arrangierte Reproduktionen, auf übersichtlich gestaltete Daten und gut lesbare notwendige schriftliche Erläuterungen. Erstmals gezeigt wird mit einer aus dem Jahr 1803 stammenden Federzeichnung des Waisenhauses in Steele ein kleines Fundstück, das Ute Küppers-Braun im Zuge der Recherchen im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz ausfindig machte. Das auf ein großes Format gezogene Tuschebild wäre ohne die Reproduktion sicher nicht so anschaulich geworden. Ein Hingucker der besonderen Art hätte im Übrigen zudem ohne KI kaum so präsentiert werden können: Historische Portraits aller drei Essener Landesherrinnen wurden mit Bearbeitung der prächtigen Kostüme ergänzt und laden als farbenfrohe und lebensgroße Figuren auch zum Selfie und Gruppenbild ein.

Die Ausstellung ist noch bis Dienstag, 10. November 2026, jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos.

Bilder: Hermann Bovens / Christof Beckmann

Laden zum Gruppenbild: Bernhardine Sophie, Franziska Christine und Maria Cunegunda, im Folgenden ihre Unterschriften

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