Letzte Heilige Messe in St. Maria Rosenkranz

Nach fast 160-jähriger Geschichte wird neues Kapitel geschrieben

0 02.10.2025

BERGEBORBECK. Am Sonntag, 5. Oktober 2025, feiert Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck von Essen die letzte Heilige Messe in St. Maria Rosenkranz: Der Gottesdienst beginnt um 16 Uhr, anschließend wird das Allerheiligste in die Kapelle des Geriatrie-Zentrums „Haus Berge“ übertragen.

„Dies wird ein einschneidender Tag für unsere Pfarrei sein, besonders für die Schwestern und Brüder der Gemeinde St. Maria Rosenkranz“, so die Pfarrei St. Dionysius. „Als Pfarrei stehen wir an diesem schweren Tag an ‎der Seite der Menschen in Bergeborbeck und feiern daher an diesem Sonntag nur diese einzige Messe in unserer Pfarrei. Zeigen ‎wir uns als eine solidarische Gemeinschaft von ‎Schwestern und Brüdern‎ - gerade hier!“, heißt es in den Pfarrmitteilungen. „Kommen Sie bitte diesen Sonntag zur Feier der letzten Hl. Messe in dieser Kirche. Anschließend gibt es Empfang und Begegnung im Gemeindesaal. Alle Vereine und Verbände können gerne mit ihren Fahnen und Bannerabordnungen teilnehmen.“

Derzeit besteht in der Woche vor der letzten Hl. Messe die Möglichkeit jeden Abend die Kirche zu besuchen, innezuhalten, zu beten, sich zu verabschieden. Täglich von 17-19 Uhr ist die Kirche geöffnet; es gibt Orgelmusik und Gesprächsangebote. Täglich um 18:45 Uhr schließt die Offene Kirche mit einem Gebetsabschluss. Im Rahmen der Abschiedswoche wird am Samstagabend, 4. Oktober, von 17-19 Uhr zur eucharistischen Anbetung in die Kirche St. Maria Rosenkranz eingeladen. Abschließend wird der sakramentale Segen gespendet.

Postkarte aus der Sammlung von W. Küpper, Mitte der 1920er-Jahre

Wiener Dombaumeister lieferte den Plan

Mit der Schließung und Entwidmung der Kirche an der Haus Berge-Straße geht eine 160-jährige Geschichte zu Ende. Was Ende der 1860er Jahre mit einer großen Scheune begann, nahm mit dem Zuzug vieler Bergleute große Fahrt auf: Ihr dringender Wunsch, eine schöne große Kirche zu haben, führte 1877 zur Gründung eines Kirchbauvereins. Viele Aktivitäten brachten unter dem ersten Pfarrer Franz Xaver Erdweg rasch ein großes Spendenergebnis zusammen. Mit einem beträchtlichen Sammelbetrag von 100.000 Goldmark, den sich die Kumpel und Hüttenarbeiter absparten, wandte man sich für die Planung damals an den Dombaumeister des Stephansdoms in Wien, Friedrich Freiherr von Schmidt, die Bauausführung übernahm die Borbecker Firma Pothmann. Ein Beispiel für frühes Sponsoring zeigte die Zinkhütte mit der kostenlosen Lieferung der Bleche für die Abdeckung des Kirchendaches, das manchem Regen trotzte - den Bombennächten 1943 allerdings hielt nichts stand.

Wiederaufbau und neue Entscheidungen

Der Wiederaufbau begann erst 1950, vor 75 Jahren. Zunächst wurden für die Mitfinanzierung sogar in einem abgetrennten Teil der Kirche die „Regina-Lichtspiele“ eröffnet. Selbst dem SPIEGEL (Ausgabe 2/1952) war das damals eine Nachricht wert. Die Neuabdeckung der Türme fiel nun flacher aus, 1993 wurde noch ein neues Pfarrheim gebaut. Aber dann gingen der Gemeinde langsam die Gläubigen aus – der ganze Stadtteil veränderte sich und 2018 konnte die ehemalige eigenständige Pfarrei St. Maria Rosenkranz noch ihr 150-jähriges Jubiläum feiern.

Mit dem Votum des Pfarreientwicklungsprozesses in der Großpfarrei St. Dionysius wurde entschieden, die Kirche St. Maria Rosenkranz als Kirchstandort aufzugeben. Im März 2020 wechselte Peter Kroschewski, der letzte eigene Pastor der Gemeinde, in die Pfarrei St. Maria Immaculata in Meinerzhagen, Kierspe und Valbert. Mitte 2024 informierte die Pfarrei darüber, dass die Kirche und das Gemeindezentrum durch „casa sogno-Immobilien“ erworben wurden. Das Gemeindezentrum wird abgerissen und das Kirchenschiff nach den Planungen durch einen Neubau ersetzt. In ihm und in den bestehenbleibenden Türmen sollen Wohnungen entstehen, in der überwiegenden Mehrheit als geförderter Wohnungsbau. Nach der bevorstehenden Schließung, werden die vor 125 Jahren nachträglich errichteten beiden Kirchtürme somit weiter über Bergeborbeck zu sehen sein und an ein langes engagiertes Gemeindeleben in der Nachbarschaft der ehemaligen Zinkhütte erinnern.

CB

Weitere Artikel:

04.09.2025: Abschied von St. Maria Rosenkranz. Termine für die letzten Tage der Kirche stehen fest

22.06.2025: Ein Schafstall machte den Anfang

15.10.2024: Bis zum 2. Weltkrieg hatte das Bergeborbecker Wahrzeichen noch imposante Kirchturmspitzen

30.08.2024: Dionysius-Pfarrei rüstet sich für die Zukunft. Pfarrentwicklungs-Prozess: Neue Nutzungen und Umbauten geplant

20.06.2024: Was wird aus St. Maria Rosenkranz? Termine und Nachrichten aus St. Dionysius

11.09.2023: Die Kirche gibt Berge ein Gesicht

13.09.2022: Von der Klosterstraße zu Pfarrer Erdweg

04.12.2019: Peter Kroschewski wird Pfarrer in Meinerzhagen. Pastor geht von Bergeborbeck ins Sauerland

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Bitte addieren Sie 3 und 9.