Krankenhäuser: Wo ist der Plan B?

Bürger treibt Sorgen auch um Contilia um

1 17.08.2020

BORBECK/ALTENESSEN/STOPPENBERG. In wenigen Tagen schließt im Marienhospital die Geburtshilfe. Das Aus für die Urologie kommt noch vor dem Jahresende. Contilia schweigt sich aus. Georg Paaßen aus Borbeck - selber seit Jahrzehnten in der Pflege tätig - schreibt einen offenen Brief an die OB-Kandidaten Kufen und Kern. Borbeck.de bringt das Schreiben im Wortlaut:

Offener Brief an:

– Oberbürgermeisterkandidat Thomas Kufen (via Kreisvorstand)

– Oberbürgermeisterkandidat Oliver Kern (via Unterbezirk Essen)

Sehr geehrte Herren,

am Donnerstag lese ich von Unterschriften, die OB Kufen zu "anstehenden Gesprächen" mit nach Düsseldorf nehmen möchte. Am Samstag steht in der Zeitung, was die Spatzen seit vielen Wochen von den Dächern des Essener Nordens pfeifen: Nach dem 31. August gibt's weder Geburtshilfe, noch Gynäkologie nördlich des Hauptbahnhofs.

Contilia findet: kann wegfallen.

Als nächstes ist die Urologie auf der Abschussliste.

Sonntag gehe ich über den Germaniaplatz, hebe den Blick und sehe: Bottroper Krankenhäuser zeigen fröhliche Pflegekräfte und laden zu Bewerbungen ein.

Jetzt mal Tacheles: Im Januar verkündete Contilia, ihre Planungen seien gescheitert, es werde ein Käufer für die Krankenhäuser gesucht. Seitdem musste allen im Rathaus klar sein, dass Pläne aus dem Hause Contilia mit Vorsicht zu genießen sind.

Hat Oberbürgermeister Kufen aus den vielen geführten Gesprächen so was wie einen Plan B entwickelt?

Für den Fall, dass Contilia die Luft ausgeht und geschlossen werden soll?

Seit Januar hätte sich eine Arbeitsgruppe der Stadtspitze um die Frage kümmern können: Was müsste die Stadt tun, was würde es kosten ... die Katholischen Kliniken Essen Nord in städtischer Trägerschaft fortführen und (größtenteils) für die nächsten 10 bis 30 Jahre zu sichern. Gibt's ein solche Initiative?

Seit Januar musste allen in der Spitze der SPD Essen klar sein, dass Pläne aus dem Haus Contilia mit Vorsicht zu genießen sind. Hat der OB Kandidat Kern mal in SPD geführten Nachbarstädten (mit kommunalen Krankenhäusern) Gespräche geführt. Es wäre doch interessant zu wissen, was dazu gehört, eine solche Einrichtung über Wasser zu halten. Welche Vorteile hat es für die Bevölkerung, wenn sie mit dem Wahlzettel Einfluss auf Entscheidungen der Krankenhausleitung nehmen kann? Wäre es möglich, dass die kommunale Krankenhausgesellschaft die Katholischen Kliniken Essen Nord übernehmen und managen könnten. So in der Art eines Zweckverbands? Gibt's ein solche Initiative?

Seit einiger Zeit hängen die Wahlplakate. Ich hab bisher keines gesehen, dass die Krankenhausversorgung im Essener Norden zum Thema macht. Das Überlassen CDU und SPD anderen: Die Headhunter aus Gelsenkirchen und Bottrop lachen sich ins Fäustchen.

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Kommentare

Kommentar von Emanuel Gabriel |

Stellungnahme zu dem Bericht auf Borbeck.de zum Offenen Brief an Oliver Kern und Thomas Kufen von Herrn Georg Paaßen.

In seinem Offenen Brief hat Herr Paaßen zurecht gefragt, wo der Plan B zu den Schließungen des Marienhospitals in Altenessen und des St. Vincenz Krankenhauses in Stoppenberg ist. Nach dem 31. August werden sowohl die Geburtshilfe wie auch die Gynäkologie geschlossen. Es folgt die Urologie.

Die ganz nüchterne Antwort ist: Es gibt keinen Plan B. Die SPD in Essen, insbesondere die Ortsvereine im Essener Norden haben einiges getan um die Contillia noch umzustimmen. Es fanden Mahnwachen in Altenessen und Borbeck statt. Es gab persönliche Gespräche mit den Geschäftsführern der Contillia Gruppe. Es gibt eine Unterschriftenaktion sowohl der SPD Essen wie auch des Ortsvereins Bergeborbeck. Oliver Kern hat bereits im Januar dieses Jahres den Gedanken angestoßen, dass die Stadt Essen prüfen solle als kommunaler Träger die Krankenhäuser zu übernehmen. Zuletzt haben die Vorsitzenden der SPD Ortsvereine im Essener Norden einen persönlichen Brief an die Vertreter des Aufsichtsrates der Contillia Gruppe, Herrn Dr. Stauder, Hernn Tönjes, Herrn Weingarten und an Bischof Dr. Oberbeck geschrieben.

Doch all dies fruchtete nicht und die Contillia schafft im Eiltempo Fakten.

Oberbürgermeister Kufen und die entsprechenden Personen der Stadtspitze haben das Heft in der Hand. Sie alleine sind Verhandlungsführer für die Stadt Essen und der Bürgerinnen und Bürger.

Oberbürgermeister Kufen hat zu insgesamt drei Runden Tischen in Altenessen, Borbeck und Stoppenberg geladen und er alleine hat den Kreis der Teilnehmer ausgesucht. Betroffene Mandatsträger der Parteien oder gar Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der betroffenen Häuser blieben außen vor. Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Ratsfrauen- und Männer wurden immer nur durch Oberbürgermeister Kufen informiert.

Ebenso wurde bekannt, dass Oberbürgermeister Kufen die Priorität auf den Erwerb der beiden Grundstücke in Altenessen und Stoppenberg aus ist. Er möchte diese „Städtebaulich entwickeln“. Nach seiner Aussage wird die Stadt Essen dort selbst ein Krankenhaus errichten. Über diese Aussagen kann ich persönlich nur spekulieren. Denn die eigene CDU-Geführte Landesregierung in Düsseldorf begrüßt die Schließungen der Krankenhäuser. Es gäbe nach deren Aussage zu viele Krankenhausbetten. Die Gesundheitsversorgung der gesamten Essener Bevölkerung sei trotzdem gesichert. Die demnächst anzustehenden Anfahrtswege für Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige seien zumutbar.

Ich und die SPD Essen würden gerne alles tun um zumindest eines der betroffen Häuser in Altenessen und Stoppenberg zu Retten. Doch außer den oben genannten Aktionen können wir nichts tun, da wir keine Handhabe haben.

Der Oberbürgermeister war am Zug und es werden immer wieder Gespräche geführt und ein Workshop in den kommenden Wochen soll einen Bedarf an Krankenhausbetten ausarbeiten. Die Schließungen hat der Oberbürgermeister bereits hingenommen und will nun versuchen eine Gesundheitsversorgung „Light“ für den Essener Norden zu schaffen. Doch wie soll diese aussehen? Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in andere Einrichtungen wechseln, werden sogar aktiv abgeworben. Teils aus den Nachbarstädten. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die in der Verwaltung, EDV, Gastronomie oder in der Gebäudereinigung arbeiten, verlieren ganz ihre Arbeit.

Erst heute war in einer Regionalen Tageszeitung zu lesen, dass Bischof Dr. Overbeck in einem Brief an den Aufsichtsrat der Contillia Gruppe angemahnt hat, die Klinikkonzepte nicht nur über die bloße Wirtschaftlichkeit zu stellen. Die Erkenntnis kommt reichlich spät aber immerhin.

Die Bürgerinnen und Bürger müssen lauter werden und sich aktiv gegen die Pläner der Contillia stellen. Über 17.000 Unterschriften die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Altenessen und Karternbergkonferenz gesammelt wurden und über 5.500 Unterschriften die durch die SPD Bergeborbeck und der SPD Essen bis jetzt gesammelt wurden sprechen eine sehr deutliche Sprache. Daran muss angeknüpft werden.

Das es künftig nur noch ein Krankenhaus im Essener Norden geben wird, ist beschlossene Sache. Doch damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Emanuel Gabriel

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