Kolping besuchte Schloss Borbeck

0 10.07.2025

BORBECK. Was tun an heißen Tagen? Immer eine gute Idee: Durch die dicken Mauern von Schloß Borbeck schlendern. Am besten fachkundig begleitet von „Fürstäbtissin“ Birthe Marfording, die als Mitarbeiterin des Kulturamtes der Stadt die Borbecker Preziose seit vielen Jahren treulich hütet. Die Borbecker Kolpingsfamilie stellte das in ihr Programm und viele Mitglieder wollten am Montagabend hinterm Schlossgraben dann doch auch mal nach dem Rechten sehen.

Historische Ausstellung

Denn die „Gute Stube“ von Essen ist seit längerem für viele etwas aus dem Blick geraten: Die Gastronomie im Erdgeschoss und in der „Münze“ ist lange geschlossen, die geplanten großen Baumaßnahmen lassen noch lange auf sich warten. Wo die Essener Fürstinnen ihren Amtssitz hin verlegten und auch gerne ihre Sommerfrische verbrachten, lässt sich für Otto-Normalborbecker(in) heute nicht mehr lecker spachteln, Eisbecher bestellen oder ein kühles Blondes auf der Seeterrasse zischen.

Der weitere Betrieb aber ist nicht eingestellt: Immer ein Hingucker ist die historische Dauerausstellung, für die an anderer Stelle in der Stadt kein besserer Platz ist. Wer sie kennt, schätzt die kompakte Schau mit Originalen, Bildern und Karten, die nicht nur die weitgespannten Eigentumsverhältnisse des reichsunmittelbaren hochadeligen Stiftes nachzeichnen. Am besten ist all das zu begreifen, wenn man sich der kompetenten Führung durch Birthe Marfordering versichert: Urkunden, Siegel, Ahnenproben, weitgespannte diplomatische Beziehungen, Streit mit den Bürgern der Stadt, Überfälle und Kriege, aber auch Leben und Leiden auf Schloss Borbeck – all das weiß man dort anekdotenreich zu berichten.

Denkmal-Ensemble geht auf 9. Jahrhundert zurück

Der Besuch galt auch der Schlosskapelle, die mit originalen Restbeständen und Einzelstücken verschiedener Provenienz ausgestattet ist, dazu dem aufwändig akustisch gestalteten Konzertsaal mit der historischen Orgel, dem Eingangsbereich mit dem Renaissance-Kamin von Schloss Horst, aber auch dem schmiedeeisernen barocken Schlosstor, das 1846 durch den damaligen Besitzer, die Reichsfreiherren von Fürstenberg, von Schloss Hugenpoet hier angebracht wurde. Das während ihrer Zeit von Baumeister Feyse errichtete Wirtschaftsgebäude erstrahlt seit geraumer Zeit wieder in neuem Glanz, Theatersaal und Galerie warten auf intensive Nutzung, der einst als Gefängnis genutzte Schlossturm wird von jungen Musikern für die Proben genutzt.

Schloss als „FrauenOrt NRW”

Was aber die Kolpingsfamilie diesmal auch besonders interessierte, war eine Ehrung, die dem gesamten Ensemble zuletzt widerfuhr: Im Oktober 2024 wurde ihm durch den Frauenrat NRW die Plakette als „Frauenort NRW” zuerkannt. Besonders gewürdigt wurden dabei die historische Bedeutung und Rolle der letzten Essener Fürstäbtissin Fürstäbtissin Maria Kunigunde von Sachsen (1740-1826), ihr politisches und diplomatisches Geschick, ihr wirtschaftlicher Weitblick und unternehmerische Initiative. Sie leitete das Frauenstift 27 Jahre lang bis 1803 bis zur Säkularisation, setzte im Inneren zahlreiche Reformen um, plante einen Neubau von Schloss Borbeck, errichtete das heute verschwundene „Kleine Schloß“ und ließ den Park in einen englisch-chinesischen Landschaftspark umgestalten.

Und dieser Park ist – wie das Schloss – immer wieder die Top-Location, wenn man mal aus seinen eigenen vier Wänden rauswill – egal, bei welchem Wetter. Die Kolpingsfamilie dankte herzlich für entspanntes Bummeln durchs historische Gelände, das selbst für Borbecker immer wieder neue Erkenntnisse bringt.

CB / Fotos: Wilhelm Hartmann

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