Kaiserwetter für Eucharistische Ehrengarden

Vom 48. Diözesanverbandstag in Essen-Borbeck

0 13.05.2022

BORBECK. Vor einer Woche war die Anspannung noch groß: Die Jubiläumsfahne wehte über dem Dionysiuskirchplatz und die Eucharistische Ehrengarde St. Dionysius stand unmittelbar vor dem großen Fest zu ihrem 125-jährigen Bestehen. Coronabedingt war es um ein Jahr verschoben worden – umso größer war rund um den Kirchturm die Vorfreude auf den Besuch von freundschaftlich verbundenen Kameraden aus dem ganzen Bistum: Passend zum Jubiläum fand der 48. Diözesanverbandstag in Borbeck statt.

Viele Gäste aus dem ganzen Bistum

Kaiserwetter mit bestem Sonnenschein lag über Borbeck und ein buntes Bild prägte am Sonntag, 8. Mai, die Festmesse in der Borbecker Mutterkirche: Weihbischof Wilhelm Zimmermann feierte das Pontifikalhochamt mit 96 Ehrengardisten aus dem Bistum, vom Stadtverband Essen, aus dem Bezirksverband Bottrop/Gladbeck, dem Bezirksverband Bochum. Der Verband Essen-Borbeck/Mülheim-Dümpten/Duisburg-Marxloh bot allein über 30 Ehrengardisten auf, die mit klingendem Spiel, begleitet von „Reinholds Brass Band“ und dem „Schönebecker Jugend-Blasorchester“ von der Dampfbierbrauerei zur Pfarrkirche aufzogen.

Festpredigt zum Jubiläum

Weihbischof Wilhelm Zimmermann gratulierte der Jubiläums-Ehrengarde und warf in seiner Predigt den Blick auf die politischen, kommunalen, gesellschaftlichen und kirchlichen Herausforderungen der Jahre vor dem Gründungsjahr 1896, die sich auch in der pünktlich erschienenen Festschrift widerspiegeln. Sie waren geprägt von einem starken Bevölkerungswachstum, der massiven Entwicklung der Schwerindustrie, dazu von den kommunalen Auseinandersetzungen um Eingemeindungen, von sozialen Spannungen zwischen Land- und Stadtbevölkerung, aber nicht zuletzt auch zwischen der katholischen Kirche und der Reichsregierung unter Bismarck. Darauf habe die Kirche mit der Gründung zahlreicher Verbände wie Kolping, KAB und auch mit den Eucharistischen Ehrengarden reagiert. Die Garden verschrieben sich dabei vor allem der Begleitung und dem Schutz von Prozessionen und standen für das Selbstbewusstsein der Katholiken in einer sich verändernden Gesellschaft.

Innere Haltung leben

„Politisch, gesellschaftlich, kirchlich: Es waren unruhige Zeiten!“, so Zimmermann und schlug den Bogen in die Gegenwart, zu den vielfältigen Herausforderungen der Pandemie und zum Schrecken des Krieges in der Ukraine: „Er legt erbarmungslos offen: Unser sogenannter „Wohlfühldampfer“, auf dem wir vermeintlich gut durchs Leben kommen, ist in schwere See geraten.“ Die Botschaft Jesu wolle nicht trösten, schon gar nicht vertrösten, erklärte der Weihbischof. Der „Frohen Botschaft“ im Evangelium gehe es „nicht um das Vordergründige, sondern das Tiefgründige“ und es verwehre keineswegs den nüchternen und realistischen Blick auf unsere Welt: „Aber es hält die Vision einer Zukunft offen und ermutigt diejenigen, die sich dem „Guten Hirten“ anvertrauen. Es geht um eine innere Haltung, die dazu befähigt in guten und weniger guten, ja unruhigen Zeiten, Kirche und Gesellschaft zu gestalten.“ Diese Haltung innerlich zu leben und nach außen zu zeigen, gehöre zum Selbstverständnis der Ehrengarden: „Den Eucharistischen Ehrengarden wünsche ich darum, auch in den Veränderungen innerhalb der Kirche, eine positive Lebenssicht, innere Glaubensüberzeugung und mit dem Segen Gottes eine gute Zukunft.“

Grußwort des Oberbürgermeisters

Im Marschformation ging es nach der Messe zu Blasmusik über den Marktplatz zum Festakt im Festsaal der Dampf-Bierbrauerei. Georg Albrecht, Oberst der gastgebenden Eucharistischen Ehrengarde begrüßte „in der größten Stube Borbecks“ an der Heinrich Brauns-Straße: „125 Jahre Dienst für Christus und seine Kirche. Wir sind nicht irgendeine Ehrengarde, sondern eine Eucharistische Ehrengarde, wobei die Betonung auf eucharistisch liegt!“, erklärte Albrecht und begrüßte zahlreiche Festgäste, unter ihnen auch den langjährigen Pfarrer an St. Dionysius, Diözesanverbands-Ehrenoberst Dompropst em. Msgr. Otmar Vieth, Constantin Hesselmann als Chef der Musiker vom SJB, nicht zuletzt aber auch Oberbürgermeister Thomas Kufen. „Voller Stolz können Sie sich darüber freuen, der drittältesten Ehrengarde in ganz Deutschland anzugehören“, gratulierte Kufen im Namen der Stadt Essen „einer bedeutsamen Konstante in der christlichen Borbecker Glaubensgemeinschaft“. „Sie leben eine Tradition ganz im Zeichen des christlichen Glaubens und der gelebten Nächstenliebe“, so der Essener OB.

Auch Diözesanverbandsehrenoberst Hermann Biermann gratulierte der Jubiläumsehrengarde, dankte besonders den Geistlichen und Gemeindereferentin Andrea Kemmer nahm in Verkleidung als Putzfrau Antonia Weitkamp-Möllenhofen Alltäglichkeiten in Ehe-, Kirche- und Gesellschaftsleben zu großem Applaus humoristisch aufs Korn.

Ehrungen für verdiente Mitglieder

Zahlreiche Ehrungen folgten: So überreichte Weihbischof Zimmermann Diözesanverbandsadjutant Rudolf Heidrich das päpstliche Ehrenzeichen „Pro Ecclesia et Pontifice“ für die Unterhaltung der Friedenskapelle auf der Ruhrhöhe durch die Ehrengarde in Essen-Überruhr. Georg Albrecht und Rudolf Werner Mader erhielten für ihre Verdienste um die Kirche im Bistum Essen das „Ehrenzeichen des Bistums Essen“. Der ehemalige Pfarrer an St. Dionysius und Geistlicher Diözesan-Ehrenoberst Propst Dr. Jürgen Cleve und Bernd Fortmann überreichten vier verdienten Kameraden den Treueschild: Mit dem Ehrenzeichen des Diözesanverbandes wurden ausgezeicnet Hans-Joachim Voßkuhl (Herz Jesu Gladbeck-Zweckel), Hans-Peter Elspass (St. Dionyius Essen-Borbeck), Wolfgang Unterstein (St. Mariä Himmelfahrt / St. Anna Essen-Altendorf) und Martin Kreyer (Herz Jesu / St. Josef Essen-Frintrop). Der Geistliche Ehrenoberst Diakon Stefan Westphalen und Oberst Georg Albrecht ehrten für 25 Jahre Dienst Hans-Peter Elspaß, Reinhold Otremba für 40 Jahre sowie die Brüder Alfons und Bruno Marre für 50 Jahre.

Glauben bekennen

„Ich habe das Miteinander vermisst. Ich habe Euch vermisst“, bekannte Diözesanverbandsoberst Bernd Fortmann in seiner Schlussrede. Corona haben viele und vieles aus dem inneren Gleichgewicht gebracht. Auch die Kirche sei gefährdet, erinnerte Fortmann an den hl. Franziskus von Assisi. Der Missbrauch habe dazu geführt, dass die Kirche an Glaubwürdigkeit verliere, „vor allem wegen des Wegschauens und Weglügens“, so Fortmann: „Hier haben viele Kirchenoberen versagt, und sie haben das Haus des Herrn in Misskredit gebracht. Wir sehen, dass die Menschen in Scharen aus der Kirche austreten.“ Ehrengardisten verteidigten nicht die Mauern und die Besitztümer der Institution Kirche, nicht die Fehler und Skandale der Institution. Sondern seien eine Gemeinschaft, die ihren Glauben an Jesus Christus öffentlich bekenne, in der sich jeder auf den anderen verlassen könne und die auf die Wahrheit Gottes vertraue: „Wer fest im Glauben steht, der spürt das Glück in seiner Gemeinschaft.“

„Reinholds Brass Band“ und das „Schönebecker Jugend-Blasorchester“ unter der Stabführung von Constantin Hesselmann sorgten beim Dampfe-Fest für den beschwingten musikalischen Rahmen, keiner der Gäste blieb ohne eine kräftige Mahlzeit und 440 Euro Spenden gingen an die „Aktion für das Leben“. Für den Borbecker Verbandsoberst Georg Albrecht und 100 Gardisten ging nach zweijähriger Covid-Abstinenz ein sonniger Tag zu Ende, an den man sich noch lange erinnern wird: „Eine schöne runde Sache", so Albrecht.

Fotos: Heinz Werner Kreul

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Personen im „Borbeck-Lexikon":
Husmann, Josef
Pothmann, Franz. Bauunternehmer, Oberst der Eucharistischen Ehrengarde

Foto unten: Eucharistische Ehrengarde / G. Albrecht

 

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