Jubiläum: Jesuiten-WG stellt sich vor

Eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft in der Nachbarschaft

0 07.09.2021

FROHNHAUSEN. Eine ungewöhnliche WG stellt sich am Samstag, 18. September 2021, der Öffentlichkeit vor und feiert zugleich ein kleines Jubiläum: Seit fünf Jahren leben im benachbarten Frohnhausen Jesuitenpatres mit Flüchtlingen zusammen. Gäste sind willkommen, ab 9 Uhr in der Gastronomie St. Elisabeth (Dollendorfstr. 51) am Tag der Begegnung teilzunehmen.

Pater Ludger Hillebrand SJ und Pater Lutz Müller SJ werden ab 9.30 Uhr von Erfahrungen mit den geflüchteten Männern im „Abuna Frans-Haus“ an der Frohnhauser Str. 400 berichten. Ab 10.15 Uhr spricht die Architektin Karin Hauser MSc von der Universität Stuttgart über integrative Wohnprojekte in Deutschland und um 11:45 Uhr wird eine Messe in St. Elisabeth gefeiert. Nach einem Mittagessen, Kaffee und Kuchen wird ab 14:00 Uhr zu einem Vortrag von Dr. Samah Abdelkader eingeladen. Sie stellt sich aus Sicht der Sozialwissenschaften dem Thema „Anhörungen im Asylverfahren“.

Der Tag schließt mit einer Führung der Patres durch das „Abuna Frans-Haus“. „Sie sind unsere Gäste, die Teilnahme ist kostenlos“, so die Jesuitengemeinschaft. Anmeldung per E-Mail: freundeskreis@jesuiten.org oder bei Fr. Bidell Tel. 089-38185-213.

Seit fast 460 Jahren in Essen

Die Ordensgemeinschaft der Jesuiten steht für eine lange Periode der Stadtgeschichte, denn schon nur wenige Jahre nach dem Tod des aus Spanien stammenden Ordensgründers Ignatius von Loyola (1491-1556) kam die „Gesellschaft Jesu“ (lat. Societas Jesu / SJ) nach Essen. Bereits 1544 hatte sich in Köln die erste Jesuitenkommunität gegründet und Fürstäbtissin Irmgard v. Diepholz wollte sie 1562 auch in ihre Stadt holen, wo sie sich mit der Gründung eines Jesuitenkolleg besonders im Bereich der Bildung zu engagieren sollten. Die dauerhafte Ansiedlung aber scheiterte aus Kostengründen. In dieser Zeit ist namentlich ein erster Jesuit bekannt, der aus Essen selbst stammte: Pater Leonhard Ruben übernahm 1580 die Leitung der Paderborner Niederlassung.

Auch Äbtissin Elisabeth van den Berg bemühte sich ab 1612/13 um eine ständige Vertretung. Sie gewann dazu zunächst zwei Patres aus Köln und seit 1615 waren Patres aus dem Kolleg in Münster im Stift tätig. Stadtmissionen im Jahr 1628-1629 waren sehr erfolgreich und Maria Clara von Spaur, Pflaum und Vallier (1614–1644) spielte sogar mit dem Gedanken, dem Orden das Stift ganz zu überlassen.

Doch mit einer ständigen Niederlassung hatte erst Fürstäbtissin Anna Salome von Salm und Reifferscheidt (1646-1688) Erfolg: Ende 1665 kamen zwei Patres aus dem Kölner Kolleg und nahmen ihren Wohnsitz im Stift, 1666 zwei weitere Patres aus der oberdeutschen Provinz. 1669 übernahmen sie die Stiftsschule, führten Andachten und Prozessionen ein. Die Niederlassung erhielt 1674/75 den Status einer Ordensresidenz. Als politische Ratgeber und persönliche Seelsorger der Essener Fürstäbtissinnen gelangten die Jesuiten bald nicht nur im Bildungsbereich, sondern auch in der Verwaltung zu großem Einfluss. In Frohnhausen und Leithe betrieben sie 1685 die Errichtung einer Schule.

Gleichwohl geriet die „Gesellschaft Jesu“ in den folgenden Jahren in vielen europäischen Ländern unter starken Druck, wurde verfolgt und 1773 sogar durch den Papst verboten. Insgesamt vier Mal musste die Gemeinschaft das Stift wieder verlassen, so auch unter den Nationalsozialisten, als die Gestapo die vor 70 Jahren – am 8.8.1941 – das 1924 errichtete Essener Ignatiushaus in Holsterhausen beschlagnahmte und die Jesuiten vertrieben.

Abuna-Frans Haus in Frohnhausen

Doch die Patres kamen immer wieder – zuletzt eröffnete 2016 das Abuna-Frans Haus in Frohnhausen, wo sie auch in der Seelsorge der Pfarrei St. Antonius tätig sind. Hier leben die Jesuiten unter dem Dach des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in einer Wohngemeinschaft, die sich für die Verständigung zwischen geflüchteten Christen und Muslimen einsetzt.

Vorbild in der Arbeit ist der niederländische Pater Frans van der Lugt SJ, der sich über 40 Jahre für die Verständigung verschiedener Religionen und Konfessionen in Syrien stark machte. Der Name des Hauses setzt sich aus dem arabischen Wort Abuna (Unser Vater) und dem Vornamen von Pater Frans van der Lugt SJ zusammen, der 2014 von Unbekannten in seiner Wohnung in Homs erschossen wurde.

Die Jesuiten, denen auch Papst Franziskus angehört, begehen weltweit in diesem Jahr den 500. Jahrestag der Bekehrung ihres Gründers Ignatius, der den größten katholischen Männerorden 1540 ins Leben rief. Im kommenden Jahr jährt sich seine Heiligsprechung vor 400 Jahren. Internet: www.jesuiten.de.

Bildmotive oben aus dem Flyer zur Einladung

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