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0 13.09.2025
BORBECK. Vom Start Up an die Spitze Europas: Firmengründer Heinrich Müller senior lehnte vor 100 Jahren im kleinen Betriebshof in Altenessen seine Fenster noch zum Anstreichen und Trocknen an die Wand. Doch was als kleiner Schreinerbetrieb begann, spielt an Schacht Neu-Cöln in Borbeck drei Generationen später inzwischen ganz oben in der kontinentalen Spitzenliga. Das wurde jetzt gefeiert.
Am Donnerstag, 11. September, schauten die Mitarbeiter mit zahlreichen Gästen auf eine 100-jährige Familientradition zurück. Weit über 300 Besucher aus der Fenster-, Fassaden-, Bau-, Holz-, Metall- und Glasbranche, Architekten und Generalunternehmer trafen sich am Standort Bottrop und besichtigten bei acht Führungen auch die Fertigungsanlagen in Borbeck. Sie zählen europaweit zu den modernsten und schnellsten überhaupt: Denn Holz Müller gilt als Vorreiter der vollautomatisierten Fertigung mit speziell entwickelten Maschinen, digital gesteuerten Robotern und 3D-Lasertechnologie.

Auf dem Hof der kleinen Schreinerei in Altenessen: Spielplatz im Sonntagsstaat

Dass Gründer Heinrich Müller fertige Fenster noch selbst mit dem Fahrrad an die Baustelle lieferte, ist längst Geschichte: Schon Nachfolger Otto Müller, der vor 70 Jahren den Betrieb in Altenessen übernahm, zeigte ausgeprägten Spürsinn für Innovationen und stellte 1960-65 auf mechanische Fensterherstellung um. Als die Schreinerei mit wachsenden Aufträgen zu klein wurde, suchte und fand Otto Müller das Grundstück an Schacht Neu-Cöln. Die Familie zog 1975 nach Borbeck um und baute auch das Wohnhaus gleich direkt an den Betrieb.

Hier übernahmen fünf Jahre später die Söhne Otto und Heinrich Müller die Verantwortung. Unter ihrer Firmenleitung vergrößerte sich das nun unter „Müller Holzbearbeitung“ firmierende Unternehmen rasant. Zu den realisierten Großprojekten zählten auch aufwändige Restaurierungen von denkmalgeschützten Bauten. Ausschreibungen in ganz Deutschland wurden gewonnen, Heinrich Müller stieg in die alleinige Verantwortung ein und man scheute sich nicht, auch größte Projekte wie etwa für das längste Gebäude der Welt in Prora auf Rügen in Angriff zu nehmen.
2012 wiederum ging die Aufgabe an die nächste Generation: Seine Söhne Matthias und Stephan Müller, neben der Geschäftsführung auch aktiv in der Praxis, setzten den eingeschlagenen Wachstumskurs konsequent fort - auch wenn es kaum machbar schien: Um erweitern zu können, rissen sie sogar das Wohnhaus der Familie ab und überbauten den Garten mit großen Hallen. Die Produktionsfläche wuchs von 1000 m2 insgesamt auf das Siebenfache, unterstützt von zwei weiteren technischen Planungsbüros in Bottrop und im baden-württembergischen Schliengen im Schwarzwald-Landkreis Lörrach. Mit Investitionen von 30 Millionen Euro entwickelten die Brüder eine vollständige Automatisierung aller Produktionsabläufe. Damit entstand in Borbeck die modernste und schnellste Holzfensterproduktion Deutschlands, wie Fachorgane unterstreichen.

Im vergangenen Jahr wurde ein weiterer Standort mit dem Kauf des Agathon-Gebäudes am Kruppwald in Bottrop eröffnet, das auf Fassadenfertigung von Pfosten-Riegel- und Element-Fassaden spezialisiert ist. Und wieder wurde der Name für das weiter wachsende Holzunternehmen angepasst: Bei „Müller Fenster und Fassaden“ entstehen in Essen-Borbeck heute jeden Tag bis zu 250 maßgefertigte Fenster aus Holz- und Holz-Aluminium, in Bottrop werden täglich bis zu 200 m² Fassaden gefertigt. Zuschnitt, präzise Bearbeitung mit gefrästen Profilen und mit riesigen Schleifmaschinen, dazu das Lackieren, Lasieren und Trocknen mit neuer Halogenanlage, der Einzug der Dichtungen sowie die Montage der Beschläge und Glasscheiben laufen mit eigener Software gesteuert komplett vollautomatisch. Die hocheffiziente Produktion sorgt so für Jahresumsätze, die nach Branchenmitteilungen inzwischen jenseits der 40 Mio.-Euro-Schwelle liegen – trotz umfangreicher Neuinvestitionen.

Nach dem Vorbild in Borbeck: Die neuesten modernen Fertigungsanlagen in Bottrop


Trotz massiver Innovationen und weitgehender Automatisierung mit Robotern bleibe die handwerkliche Tradition des Familienbetriebs jedoch Maßstab, betonen die Borbecker Großschreiner: Der nachwachsende Grundrohstoff bestehe ausschließlich aus Großstämmen zertifizierter Bestände im Bayerischen Wald. Bis zum Endprodukt setzt man an beiden Standorten auf einen geschlossenen Kreislauf, auch die Holzspanverwertung setze Maßstäbe: Sämtliche Holzreste werden abgesaugt und thermisch verwertet. Inzwischen stellen sie – eine ganz frische Neuerung - sogar baumarktgerechte Holzbriketts für Baumärkte selbst her und verpacken sie mit einer brandneuen Anlage automatisch schon vor Ort. Auch die neueste Idee der Familie dürfte Zukunft haben, so der Tüftler Matthias Müller: Ein Schaugebäude auf dem Bottroper Betriebshof präsentiert fertig aufmontierte Außenwände, die frisch bepflanzt und mit einer ausgeklügelten Bewässerungsmechanik versehen für eine deutlich besseres Klima in den Städten sorgen können.

Showroom für die neuesten Innovationen und Produktelemente, unten: Grüne Wände für klimafreundliches Bauen

Unten: Betriebsfest zum 100-Jährigen wurde am Bottroper Kruppwald gefeiert

Bei diesen und anderen Ideen weisen neue Kooperationen mit verschiedenen Gewerken der Baubranche den Weg in die Zukunft des Unternehmens. Heute sorgen über 60 festangestellte und mehr als 30 externe Kollegen für die Produktion, ergänzt um weitere 80 Mitarbeiter in Logistik, Lagerung und Einbau bei der Umsetzung von Großprojekten.
Und doch ist die ehemalige „Schreinerei Müller“ auch 100 Jahre nach ihrer Gründung ein Familienbetrieb geblieben, der seine besonderen Fähigkeiten in immer neue Entwicklungen steckt. Wo einst Kohle und Stahl die Schlüsselindustrien waren, haben sie als europaweiter Spitzenreiter in Borbeck und Bottrop deutlich gemacht: Das Ruhrgebiet kann auch Holz.

Heinrich Müller junior mit Gästen aus der Kolpingsfamilie Borbeck

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