Gemeindechristen sprechen öffentlich von Gott

St. Josef in Essen-Frintrop feiert am Sonntag 25 Jahre „Laienpredigt“

0 10.01.2020

FRINTROP. Die Pfarrei St. Josef in Essen-Frintrop feiert das 25-jährige Bestehen ihres „Ansprachekreises“ – gewöhnliche Gemeindechristen sprechen im Gottesdienst über die Bibel und ihren Glauben.  

Wenn Arnd Brechmann am kommenden Sonntag von der Kanzel seiner Pfarrkirche St. Josef in Essen-Frintrop über den Gottesknecht des Propheten Jesaja und die Taufe Jesu spricht, wird das aufregender für ihn sein, als wenn er in der Sparkasse vor 500 Menschen über Wertpapiere redet. „In der Kirche bin ich kein Profi. Ich gebe etwas Persönliches von mir preis, wenn ich die Bibel auslege“, sagt der 55-jährige Banker. Brechmann ist Mitglied des „Ansprachekreises“ seiner Pfarrei, dessen aktuell sieben Mitglieder als gewöhnliche Gemeindechristen regelmäßig in der Sonntagsmesse sprechen.

25 Jahre „Laien-Predigt“  

25 Jahre „Laien-Predigt“ mit 15 Akteuren über all die Jahre feiert die Gemeinde am kommenden Sonntag, 12. Januar, in der Messe um 11.15 Uhr und beim anschließenden Neujahrsempfang im Pfarrheim an der Schlenterstraße. Denn die Frintroper Initiative hat Zukunft: Ihre Erfahrungen sind mit der Frage „Wer wird morgen öffentlich von Gott sprechen?“ in eines der Zukunftsbild-Projekte des Bistums Essen geflossen, und es gibt lebhaftes Interesse anderer Pfarreien, diese Idee zu übernehmen.

Predigt oder Ansprache?

„Predigt“ dürfen die Wortbeiträge der Laienchristen freilich nach wie vor nicht genannt werden, wenn man nicht in Konflikt mit dem Kirchenrecht geraten will, das die sogenannte Homilie nach dem Evangelium dem geweihten Kleriker vorbehält. Die „Ansprachler“, wie Arnd Brechmann seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter nennt, sind jedoch Experten in eigener Sache, zwischen Ende 30 bis Mitte 60 Jahre alt, in den verschiedensten Berufen stehend vom Ingenieur über Erziehung und Pflege bis hin zu Kultur und Theologie.  Sie alle leben ihr Christentum und haben Erfahrungen im Bibellesen.

„Unser Pfarrer hat uns immer gelassen“, sagt Brechmann und spricht von der gemeinsamen Bibelarbeit der Gruppe, die jeder Ansprache vorher geht. Zwei Stunden rauchen gemeinschaftlich die Köpfe, danach wird entschieden, welcher der Anwesenden das abendliche Gespräch in seine eigenen Worte überträgt und im Gottesdienst vorträgt. Auch ein Schauspiel am Altar über den Heiligen Josef hat es schon gegeben. Und nicht zuletzt hat der Ansprachekreis 2015 seine Erfahrungen zum 20-jährigen Bestehen in dem Buch „Wenn Laien zu Wort kommen – ein außergewöhnlicher Dienst“ im Herder-Verlag veröffentlicht (ISBN: 978-3-451-34835-8). (cs, Bistum Essen)

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