Gebrauchter Tag in Mannheim

1:6-Niederlage für RWE und Rote Karte - morgen Chance für Wiedergutmachung

0 30.09.2025

Die Auswärtsserie von Rot-Weiss Essen in der 3. Liga ist gerissen. Das Team von Trainer Uwe Koschinat ging beim 1:6 (0:2) am 8. Spieltag beim SV Waldhof Mannheim erstmals seit sieben Partien in der Fremde wieder leer aus. Zuletzt hatte RWE am 28. März das Auswärtsspiel beim SC Verl verloren (0:3). Es war gleichzeitig auch die bislang höchste Drittliga-Niederlage, neben dem 0:5 gegen den SC Verl 10. Spieltag der Saison 2023/2024.

Bitter für die Rot-Weissen: In der Partie vor 11.007 Zuschauern im Mannheimer Carl-Benz-Stadion hatte bei den ersten drei Gegentreffern jeweils ein RWE-Spieler den Ball zuletzt berührt. So fälschte José-Enrique Rios Alonso den Mannheimer Führungstreffer durch Felix Lohkemper (10.) noch ab. Kurz darauf landete ein Klärungsversuch von Rios Alonso (25.) im eigenen Tor.

Im zweiten Durchgang sah Klaus Gjasula wegen Foulspiels die Rote Karte (68.). Kurz darauf prallte ein Schuss des eingewechselten Nicklas Shipnoski (76.) von Michael Schultz ins Essener Tor ab. In der Schlussphase machte Shipnoski (80./89., Foulelfmeter) seinen Dreierpack perfekt. Zwischenzeitlich konnte der ebenfalls ins Spiel gekommene Marek Janssen (85.) seinen ersten Treffer für RWE erzielen. Den Schlusspunkt setzte der ebenfalls eingewechselte Terrence Boyd (90.+6).

„Als es zur Pause 0:2 stand, hatte ich nicht den Eindruck, dass Mannheim eine bessere Halbzeit als wir gespielt hat“, sagte Klaus Gjasula im Interview bei MagentaSport. „Von der Spielanlage fand ich uns etwas strukturierter. Wir waren oft um den gegnerischen Sechzehner herum, dann aber zu harmlos. Die zweite Halbzeit war ein Desaster. Irgendwann ist alles für den Waldhof gelaufen.“

Trainer Uwe Koschinat sagte: „In der ersten Halbzeit waren wir sehr nett – und das gefällt mir nicht. Wir hatten viele gute Ballbesitzphasen. Aber wenn es darum geht, Fußballspiele zu entscheiden – also in Richtung Strafraum – waren wir in beiden Bereichen zu zahnlos. Ich habe noch nie gesehen, dass wir so einfache Gegentore kassiert haben. Wir haben uns immer sehr über eine Verteidigungsmentalität definiert – und die hat mir gefehlt.“

Kostka und Bazzoli neu in der Startformation

RWE-Trainer Uwe Koschinat nahm im Vergleich zum 3:0-Heimsieg gegen den FC Hansa Rostock zwei Veränderungen in seiner Anfangsformation vor. Für den rotgesperrten Tom Moustier, der auch am Mittwoch gegen die TSG Hoffenheim II noch fehlen wird, lief Luca Bazzoli im zentralen Mittelfeld auf. Als Rechtsverteidiger erhielt diesmal wieder Michael Kostka den Vorzug gegenüber Jannik Hofmann.

Vor Torhüter Jakob Golz verteidigte damit in der Abwehr wieder eine Viererkette mit – von rechts nach links – Michael Kostka, Kapitän Michael Schultz, José-Enrique Rios Alonso und Lucas Brumme. Im zentralen Mittelfeld zogen Klaus Gjasula und Luca Bazzoli die Fäden. In der offensiven Dreierreihe starteten Ramien Safi, Ahmet Arslan und Kaito Mizuta. Sie unterstützten den erneut als Sturmspitze aufgebotenen Jannik Mause.

Verletzungsbedingt fehlte Angreifer Jaka Cuber Potocnik (Muskelverletzung im Oberschenkel) im Aufgebot. Wann er wieder eingesetzt werden kann, ist noch unklar. Für ihn rückte Marek Janssen erstmals wieder in den Kader. Um trotz des Ausfalls von Cuber Potocnik die U23-Regelung zu erfüllen, nahm Malte Brüning statt Felix Wienand als zweiter Torhüter auf der Bank Platz. Abwehr-Talent Nico Schulte-Kellinghaus ist nach seiner Kreuz- und Innenbandzerrung noch nicht ganz im Vollbesitz seiner Kräfte, steht aber kurz vor dem Comeback und soll demnächst über Einsätze in der U19 herangeführt werden.

Mause-Tor zählt wegen Abseits nicht

Die Partie nahm bereits in der Anfangsphase Tempo auf. In den ersten Augenblicken fehlte aber auf beiden Seiten noch die Genauigkeit. So gehörte der erste Torabschluss trotz leichter Feldvorteile der Gastgeber den Rot-Weissen. Von Lucas Brumme in Szene gesetzt, war der Schuss von Kaito Mizuta aber nicht platziert genug, um Waldhof-Torhüter Thijmen Nihjuis in Bedrängnis zu bringen. Die Mannheimer gingen dagegen mit der ersten klaren Chance in Führung. Eine Flanke von Waldhof-Kapitän Lukas Klünter rutschte durch den Essener Strafraum. Am langen Pfosten kam dann Felix Lohkemper (10.) zum Schuss, den José-Enrique Rios Alonso noch leicht und unhaltbar für Jakob Golz abfälschte.

RWE zeigte sich vom Rückstand nicht geschockt. Eine Flanke von Ramien Safi köpfte Jannik Mause knapp am Pfosten vorbei. Kurz darauf lag der Ball auch im Mannheimer Tor. Als Jannik Mause einen noch abgefälschten Schuss von Kaito Mizuta über die Linie drückte, stand der Angreifer aber knapp im Abseits. Stattdessen bauten die Mannheimer ihre Führung aus. Beim Versuch, eine Flanke von Kennedy Okpala zu klären, beförderte José-Enrique Rios Alonso (25.) den Ball unglücklich mit dem Schienbein ins eigene Tor.

Erneut dauerte es bis zu einer Essener Chance auf eine Antwort nicht lange. Nach einer Hereingabe von Michael Kostka war Mannheims Torhüter Thijmen Nijhuis aber einen Schritt vor Kaito Mizuta am Ball. Einige Minuten später packte der Schlussmann bei einem Schuss des Japaners sicher zu. Die letzte Großchance des ersten Durchgangs gehörte dem SV Waldhof Mannheim. Nach einer Ecke von Arianit Ferati köpfte Niklas Hoffmann am langen Pfosten ans Aluminium.

Nach „Rot“ für Gjasula in Unterzahl

Die zweite Halbzeit nahmen beide Teams mit neuem Personal in Angriff. Bei Mannheim blieb der gelbverwarnte Janne Sietan für Maximilian Thalhammer in der Kabine. Bei RWE nahm Trainer Uwe Koschinat einen Doppelwechsel vor. Franci Bouebari und Kelsey Owusu ersetzten Lucas Brumme und Jannik Mause. Die Rot-Weissen kamen druckvoll aus der Kabine. Zunächst wurde Ahmet Arslan wegen einer Abseitsstellung zurückgepfiffen. Kurz darauf traf Kelsey Owusu den Pfosten – die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten ging aber erneut nach oben.

RWE blieb am Drücker. Die zahlreichen Flanken von Michael Kostka und Franci Bouebari bekam die Mannheimer Defensive aber häufig geklärt. Nach einem solchen zunächst abgewehrten Ball kam Klaus Gjasula aus der zweiten Reihe zum Abschluss, der Schuss geriet aber zu zentral. Nach etwas mehr als einer Stunde wechselten die Rot-Weissen erneut zweimal. Marek Janssen und Marvin Obuz kamen für Ahmet Arslan und Ramien Safi in die Begegnung. Nur wenige Augenblicke später musste RWE einen herben Rückschlag hinnehmen. Bei einem Foul von Klaus Gjasula an Kennedy Okpala zückte Schiedsrichter Florian Lechner (Insel Poel) die Rote Karte (68.), obwohl das Einsteigen eher keinen Platzverweis gerechtfertigt hätte.

Premieren-Treffer für Marek Janssen

Es war nicht die einzige Situation, die für Rot-Weiss Essen äußerst unglücklich lief. So traf Mannheims Kennedy Okpala bei einem verunglückten Befreiungsschlag den Ball im eigenen Strafraum mit der Hand. Die Pfeife des Schiedsrichters blieb aber stumm. Stattdessen kassierte das Koschinat-Team den nächsten unglücklichen Gegentreffer. Kapitän Michael Schultz fälschte den Schuss des eingewechselten Nicklas Shipnoski (76.) noch entscheidend ab. Nach Vorlage von Kennedy Okpala war erneut Nicklas Shipnoski (80.) zum 4:0 zur Stelle. Die Rot-Weissen gaben sich aber keineswegs auf. Franci Bouebari legte den ersten Treffer im RWE-Trikot des eingewechselten Marek Janssen (85.) auf.

Dennoch blieb es ein gebrauchter Tag für die Rot-Weissen. Der ehemalige Essener Sascha Voelcke ging im Zweikampf mit Michael Kostka ohne Berührung zu Boden, trotz dieser „Schwalbe“ gab es Elfmeter für Mannheim. Nicklas Shipnoski (89., Foulelfmeter) nutzte die Chance, um seinen Dreierpack perfekt zu machen. Der ebenfalls ins Spiel gekommene Terrence Boyd (90.+5) traf schließlich per Kopfball-Aufsetzer zum Endstand.

Pflichtspiel-Premiere gegen TSG Hoffenheim II

Das Gastspiel beim SV Waldhof war der Auftakt zur nächsten Englischen Woche in der 3. Liga, bevor es in die zweite Länderspielpause geht. Dabei treten die Rot-Weissen am morgigen Mittwoch, 1. Oktober, ab 19 Uhr an der heimischen Hafenstraße zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte in einem Pflichtspiel gegen Aufsteiger TSG Hoffenheim II an. Vier Tage später (Sonntag, 5. Oktober, 13.30 Uhr) geht es dann zum FC Erzgebirge Aue.

Aber auch während der punktspielfreien Zeit bleibt RWE im Rhythmus. Am Samstag, 11. Oktober, ab 14 Uhr steht die Zweitrundenpartie im Niederrheinpokal auf dem Programm. Dann geht es für den Titelverteidiger in einer Neuauflage des zurückliegenden Halbfinales erneut zum West-Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen. Auf den Sieger des Derbys wartet im Achtelfinale der VfB Homberg aus der Oberliga Niederrhein.

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