Essen: Die „Wasserstoffhauptstadt“

0 30.03.2022

ESSEN. Wasserstoff - fast universell einsetzbar, klimafreundlicher Energieträger der Zukunft und angesichts der Debatten um Energieknappheit derzeit ein Riesenthema: Noch am 21. März waren Vertreter der Essener Unternehmen RWE und STEAG mit Bundesminister Robert Habeck in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um Wasserstoffkooperationen abzuschließen. Beide Konzerne unterzeichneten dabei jeweils ein „Memorandum of Understanding“ mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC), dem nationalen Energielieferanten der VAE und vereinbarten, das Potenzial für den Import von grünem Wasserstoff und Wasserstoffderivaten wie Ammoniak aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Deutschland zu untersuchen.

Infrastrukturkonzept „H2ercules"

Heute verkünden Unternehmen ein nächstes Riesenprojekt, mit dem sie richtig „Gas geben“ wollen: RWE und der Essener Gasnetzbetreiber Open Grid Europe wollen mit einem Investitionsvolumen von voraussichtlich rund 3,5 Milliarden Euro den Aufbau einer nationalen Wasserstoffinfrastruktur vorantreiben. Bei dem Projekt geht es um den ersten Wasserstoff-Schnellweg in Deutschland.

Grafik: RWE AG / Open Grid Europe GmbH

Wie RWE und OGE berichten, wollen sie bis 2030 die Wasserstoffproduktion sowie Speicher- und Importmöglichkeiten für grünen Wasserstoff im Norden mit industriellen Endverbrauchern im Westen und Süden Deutschlands verbinden. Das Infrastrukturkonzept unter dem Namen „H2ercules" schließt auch unter anderem die von RWE vorgenommene Errichtung und den Betrieb zusätzlicher Elektrolysekapazitäten an küstennahen Standorten im Nordwesten Deutschlands ein. Die OGE soll den so erzeugten grünen Wasserstoff zum Kunden transportieren – etwa zu Stahlerzeugern, Chemieunternehmen und Raffinerien im Ruhrgebiet und in Süddeutschland. Dafür sollen bestehende Erdgasleitungen für den Wasserstofftransport umgestellt und ergänzend neue Leitungen gebaut werden – insgesamt rund 1.500 Kilometer.

Sicherstellung der zukünftigen Energieversorgung

„Bei der Sicherstellung der zukünftigen Energieversorgung mit klimafreundlichem Wasserstoff sind Essener Unternehmen Vorreiter“, erklärt Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen. „H2ercules ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und damit das Erreichen der Klimaziele sowie eine Diversifizierung unserer Energieversorgung von Essen aus maßgeblich mitvorangetrieben wird.“ Für Andre Boschem, Geschäftsführer der EWG - Essener Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH, ist klar: „Alle Bereiche des Energiesektors und Vertreter aus allen Segmenten der Wasserstoffwirtschaft sind hier vor Ort: von Forschungsinstituten, kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zu den großen Energiekonzernen. Sie ermöglichen durch ihr Know-how die Entwicklung einer umfassenden Wasserstoffwertschöpfungskette“.

Essen ist H2-Debattenstandort

Für die Essener EWG ist die Ruhrmetropole „H2-Thinktank und Energiehauptstadt Europas“. Als Treiber der Wasserstoff-Revolution präsentierte sie sich bereits im März 2021 bei der FC EXPO, der weltweit größten Messe für Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie in Tokio. Auch als Debattenstandort der europäischen Energiewirtschaft baut die Stadt derzeit vor allem mit Blick auf Wasserstoff ihre Position weiter aus: Mit dem 1. Branchentag Wasserstoff fand Montag und Dienstag bereits auf dem Energiecampus im Essener Deilbachtal unter dem Titel „H2-Readiness & Versorgungssicherheit im Fokus" eine Fachveranstaltung zur Wasserstoffnutzung in Industrie, Mobilität und Privathaushalten statt. Für den 8. und 9. Juni 2022 ist der Handelsblatt Wasserstoff-Gipfel im thyssenkrupp Quartier in Essen geplant. Bei der Green Steel World und Hydrogen Tech World steht vom 4. bis zum 5. April 2023 in der Messe Essen die Prozesskette rund um die Wasserstoffproduktion im Mittelpunkt.

 

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