Erneutes RWE-Torfestival

5:3-Sieg gegen den FSV Zwickau

0 16.01.2024

Rot-Weiss Essen hat nach dem 4:4 gegen den 1. FC Köln das Stadion an der Hafenstraße am zweiten Wochenende in Folge zum Schauplatz eines Torfestivals gemacht. Vor den Augen von 1.150 Zuschauern gewann RWE das Benefiz-Testspiel gegen den FSV Zwickau deutlich 5:3 (3:1). Der Regionalligist ließ sich dabei über Strecken des Spiels den Klassenunterschied nicht anmerken. Immer, wenn Zwickau dem Ausgleich näherkam, erhöhte das Team von Christoph Dabrowski jedoch abgeklärt. Der Chef-Trainer sah am Samstagmittag für seine Verhältnisse „viele Tore und zu viele Gegentreffer sowie Ballverluste“, wie er nach dem Spiel resümierte, jedoch eine „für den Rückrundenstart gerüstete“ Mannschaft.

Fataler Bierbecherwurf: Die Vorgeschichte

„Eines Tages, eines Tages, eines Tages, wird’s gescheh’n, ja dann fahren – wir nach Zwickau, um den RWE zu sehen“: Keine zwei Jahre ist es her, da schallte dieser Fangesang über die Sportplätze der Regionalliga West. Der FSV Zwickau wurde in der Aufstiegssaison zum rot-weissen Sinnbild für die große, weite Drittliga-Welt nach vierzehn Jahren Profifußball-Durst.

Mittlerweile gehört dieser Song nicht mehr zum Kurven-Repertoire. Nicht etwa, weil er nicht eingängig gewesen wäre: Zwickau ist kein Drittligist mehr! Ausgerechnet im besungenen Sachsen-Städtchen kam es am 22. April 2023 zum Eklat. Ein Heim-Fan schmiss Schiedsrichter Nicolas Winter nach roter Karte, anschließender Handelfmeter-Entscheidung und dem 1:1 für RWE mit einem Bierbecher ab. Die Partie wurde infolgedessen unterbrochen und die Punkte später RWE zugeschrieben. Für Zwickau der Gnadenstoß im Abstiegskampf mit schweren finanziellen Folgen, Rot-Weiss Essen sicherte sich wichtige Punkte zum Klassenerhalt. Tragische Fußballwelt!

Vorstandsvorsitzender Marcus Uhlig setzte sich genau darum für ein Benefizspiel an der Hafenstraße ein. „Aufgrund der Vorkommnisse gegen Münster können wir sehr gut nachvollziehen, wie machtlos man als Verein gegen solche Ereignisse ist, jedoch alle negativen Konsequenzen tragen muss.“ Den „Schwänen“, inzwischen mitten im Abstiegskampf gegen die Fünftklassigkeit und somit noch mehr auf dem bitterbösen Boden der Realität angekommen, stellte Uhlig eine Einnahmenteilung in Aussicht.

Dabrowski setzt nahezu auf Köln-Formation

Auch die sportliche Bedeutung des Samstagmittag-Tests für Rot-Weiss Essen nicht gering: der letzte Probelauf vor dem Drittliga-Rückrundenauftakt gegen Erzgebirge Aue am kommenden Freitag (19 Uhr). Im Gegensatz zum 4:4-Remis gegen Bundesligist 1. FC Köln veränderte Dabrowski sein Team so im Duell mit dem unterklassigen Gegner nur auf einer Position: Sascha Voelcke für Lucas Brumme, dem der RWE-Coach eine Pause gönnen wollte.

Nicht dabei zudem die Pechvögel Ekin Celebi (Schulterverletzung) und Sandro Plechaty (Innenbandanriss). Sie stehen nach langwierigen Verletzungen in der Hinrunde auch zum Rückrundenstart auf Dabrowskis Langzeitverletzen-Liste.

Zwickau hat RWE etwas entgegenzusetzen

Der FSV Zwickau hatte keine 450 Kilometer Busreise hinter sich gebracht, um sich schnell geschlagen zu geben – das beweisen die Sachsen mit einem mutigen Spielbeginn. Den glücklicheren Anfang verzeichnet aber RWE: Ein Eric-Voufack-Schuss gerät über Hellers Oberschenkel und Senkbeils Kopf gen Tor, Leneis schmeißt sich der Kugel noch hinterher und die aus dem Tor heraus – da ist der Ball jedoch schon über der Linie (4.). Verdient ist dann Wills Ausgleich (12.) per Nachschuss, gegen den Versuch von Könnecke aus 16 Metern zuvor kann Jakob Golz noch parieren.

Gegen Ende der ersten Hälfte verlagern sich die Spielanteile. Was nach 32 Minuten noch misslingt, klappt zwei Zeigerumdrehungen später: Vonic legt quer und findet Young, der im Fallen über die Linie drückt. Eine Kontersituation über Vinko Sapina nutzt schließlich Cedric Harenbrock mit einem gekonnten Chip zum Pausenstand (44.). Zwischendrin muss Golz eine Zwickauer Freistoß-Großchance parieren (41.).

Zweimal Anschluss, zweimal rot-weisse Reaktion

Wo der eingewechselte Felix Wienand im rot-weissen Tor zu Halbzeitbeginn noch den Anschlusstreffer gegen Senkbeil und Somnitz verhindert (50./51.), ist er in Minute 62 chancenlos: Nach Ecke vollendet Albert zum 3:2. Rot-Weiss Essen lässt sich jedoch vom unterklassigen Gegner nicht die Butter vom Brot nehmen. Zwei Minuten später eine Ecke für die Hausherren und Joker Felix Götze stellt den alten Abstand schnell wieder her (64.).

Im Anschluss Zwickau im Glück, dass Moussa Doumbouya nach sehenswerter mit Nils Kaiser nur die Unterkante der Latte trifft (69.) und Thomas Eisfeld die Maschen mit einem gefährlichen Flachschuss haarscharf links verfehlt (74.) – und schließlich wieder das Tor: Einen Foulelfmeter versenkt Somnitz, auch wenn Wienand die richtige Ecke ahnt. Dobruna hat gar die Chance auf das 4:4, trifft mit seinem Versuch aber nur das Gebälk (87.), bevor Berlinski schließlich klarmacht, wer an diesem Tag mit besserem Gefühl ins Bett gehen darf: Trocken und flach stellt der Angreifer auf den 5:3-Endstand (88.).

Für Rot-Weiss Essen ist jetzt Schluss mit Winterpause. Am Sonntag steigen die RWE-Profis in die Spielvorbereitung auf den Drittliga-Restrundenauftakt ein. Christoph Dabrowski und sein Team reisen in die Nähe von Zwickau: Tabellenelfter Aue bittet zum Auftakt 21. Spieltag ins Erzgebirge (Fr., 19 Uhr, live auf MAGENTA SPORT).

 

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