Er wird fehlen

Ein Unermüdlicher musste gehen: Andreas Koerner starb im Alter von 79 Jahren

3 13.05.2022

ESSEN/BORBECK. Tausenden Borbeckerinnen und Borbeckern wird er noch aus seiner Zeit als Leiter der Borbecker Stadtbibliothek bekannt sein. Als Bibliothekar wandelte Andreas Koerner die Borbecker Stadtteilbibliothek vom reinen Ausleihort zu einem Zentrum der Begegnung. Zahlreiche Ausstellungen lockten Besucherinnen und Besucher an, es gab Aktionen für Kinder und Lesungen für Erwachsene. Nach schwerer Krankheit starb jetzt Andreas Koerner im Alter von 79 Jahren.

In seiner Freizeit sah man ihn oft durch Borbeck streifen, einen Aquarellmalblock in der Hand, Pinsel und Farben. Seine Aquarelle, die er am Straßenrand fertigstellte, zierten manches Titelblatt in den Borbecker Nachrichten und zuletzt auch den Heimatkalender 2022 des Kultur-historischen Vereins Borbeck. Er malte nicht die Schokoladenseiten Borbecks. Er schaute in die Ecken, fand Gefallen am Alltäglichen und schuf so außergewöhnliche Bilder zum Beispiel von der Aluhütte oder dem Rot-Weiß-Stadion – aber auch von den satt gelb blühenden Sumpfdotterblumen aus dem Schlosspark.

Über Borbeck konnte man Andreas Koerner alles, wirklich alles fragen. Er hatte sich durch die jahrzehntelange Beschäftigung mit der Borbecker Geschichte ein enormes Spezialwissen auf vielen Gebieten erarbeitet. Ich kenne keinen zweiten, der so profundes Wissen hatte über Borbeck und das über so verschiedene Themen wie Natur, Kunst, Umwelt und eben sein besonderes Steckenpferd: die Lokalgeschichte.

Andreas Koerner erforschte die Geschichte Borbecks akribisch, mit Ruhe – und von allen Seiten. An seinem Wissen ließ er viele teilhaben. Er veröffentlichte seine Ergebnisse in den „Borbecker Beiträgen“ des Kultur-historischen Vereins Borbeck, dessen zweiter Vorsitzender er war. - Sie sind übrigens online auf der Seite des Vereins nachzulesen.

„Zwischen Schloss und Schloten. Die Geschichts Borbecks“ ist sein 1999 in Bottrop erschienenes Standardwerk überschrieben. Und der 2002 erschienene Bildband aus der Reihe Archivbilder des Sutton Verlag ist auch heute noch ansehenswert.

In den Borbecker Nachrichten veröffentlichte er zahlreiche historische Beiträge und Serien u.a. über die Borbecker Maschinenfabrik. Der BN-Redaktion war er über die Jahre ein hilfsbereiter Freund geworden, der auch für die Serie „Gestern und heute“ viele wertvolle Hinweise gab.

Auch die Homepage borbeck.de partizipierte und partizipiert noch von seinem Wissen. Gemeint ist da nicht nur das Lexikon, für das er sehr viele Beiträge schrieb. Wenn er mit seiner kleinen Kamera spazieren ging, fing er manche Begebenheit ein und konnte so viele Leserinnen und Leser mit vermeintlichen Alltäglichkeiten in der Rubrik „Umwelt“ erfreuen.

Er schrieb die Serien über die Geschichte der Bibliothek in Borbeck und über Kunst im öffentlichen Raum. Für die Rubrik "Fundstücke" ging er regelmäßig in das Archiv des Kultur-historischen Vereins Borbeck und förderte so manches alte Schätzchen ans Tageslicht, immer um wertvolle Notizen ergänzt.

Was den Unermüdlichen antrieb? „Ich arbeite gegen das Verschwinden“, ließ Koerner den Journalisten Alexander Kleinschrodt wissen, der Koerner in „Der Westpreuße“, einem in Danzig erscheinenden Magazin, portraitierte und auch den die Geschichte Thorns prägenden Vorfahren Koerners Zeilen widmete. Koerner selber wurde 1943 in einem kleinen Ort in der Nähe Thorns geboren.

Versucht man eine Liste Koerners ehrenamtlicher Tätigkeiten zu verfassen, wird schnell klar: Andreas Koerner wird fehlen an vielen Ecken und Enden. Susanne Hölter

Er war:

- Leiter der Borbecker Stadtteilbibliothek,

- Kursleiter der VHS,

- treibende Kraft in der Künstlergruppe „die kurve“

- Gründungsmitglied und zweiter Vorsitzender im Kultur-Historischen Verein Borbeck

- Vorstandsmitglied und Schriftführer im Historischen Verein Essen und dessen Stolpersteinbeauftragter

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Zurück

Kommentare

Kommentar von Wilhelm Küpper |

Ein großer Verlust für Borbeck- Ruhe in Frieden

Kommentar von Petra Schröder |

Ich kannte Andreas Körner nicht, aber jedes Bild, was von ihm veröffentlicht wurde, wurde von mir aufgesaugt.

Besonders das Bild in Bochold letztes Jahr: Eine eingezäunte Wiese, auf der sich mal Wildblumen entfalten durften...

Kommentar von Udo Schulze |

Ruhe sanft, Andreas Koerner. Sie haben mir mit historischem Material immer wieder geholfen, da ich jetzt in der Ferne wohne, aber die Heimat immer wieder besuche.
Alles Gute und Kraft der Familie

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 3 plus 6.