Entdeckungen: Raus an den Kanal!

Spaziergang von Haus Ripshorst

0 15.03.2020

BORBECK / DELLWIG. „Spazierengehen stärkt die Abwehrkräfte“ – schrieb Monica dieser Tage auf dieser Seite. Was soll man auch so tun in diesen Tagen? Gesagt, getan: Auf - nach Haus Ripshorst! Bei seltsamer Theaterbeleuchtung vom Himmel, mit einer Sonne, die sich durch die türmenden und schnell ziehenden Wolken kaum durchwursteln konnte. Mit einem ganz ordentlichen frischen Wind, der über das große Gelände fegte. Ein Ort von großer historischer Bedeutung – von der man kaum etwas sieht.

Die verschwundene Burg

Wie man nur nach einiger Recherche erfahren kann, war das ehemals befestigte Haus eine von mehreren Wasserburgen, die nördlich und südlich der Emscher den Flussübergang sicherten. Erstmals ist sie Anfang des 14. Jahrhunderts erwähnt. Hier residierte vom ausgehenden 15. bis zum 17. Jahrhundert die Familie Op dem Berge. 1291 sind sie urkundlich erstmals belegt, hatten Besitz in Alstäden (Essen, 1350), Frentrop (Recklinghausen, 1350) und Hordel (Bochum, 1500). Urahn Rotger Op dem Berge wurde 1483/89 mit der hier in ihren Umrissen nur noch zu ahnenden Gräftenburg und dem Gut belehnt. Sein Bruder Heinrich war Geistlicher, seine Schwester Aleke Stiftsdame in Stoppenberg. Wie bei allen umliegenden Rittergütern hatte man sich wohl vor allem der Pferdezucht verschrieben. Der Stammbaum der Nachfahren zeigt, dass sie mit vielen anderen bekannten Familien der Zeit verschwägert waren: Hier finden sich die Namen von Asbeck (seit 1571 auf Haus Berge), de Wendt, von Raesfeld, von der Reck, von Bodelschwingh, von Loe oder von Stael zu Holstein, Spuren verweisen in den Deutschordensstaat nach Riga, nach Duisburg, Dortmund-Brackel oder in das damalige Bistum Bremen.

Ihr Erbe trat im 17. Jahrhundert die früh verwandte Familie von Vietinghoff genannt Schell zu Schellenberg an. Auch wenn zur Besitzübernahme in späteren Quellen die Jahre 1617 oder 1621 genannt werden – Johann III. heiratete 1667 Almuth, die Tochter des Johann Op dem Berge zu Ripshorst, die offensichtlich seit 1657 verwitwet war und das Haus und Gut in die Ehe einbrachte – fortan führte die Familie Haus Ripshorst in ihrem vollen Namen und die Familie Op dem Berge verschwindet hier wieder aus der Geschichte.

Rittersitz mit internationalen Beziehungen

Die Vietinghoffs, genannt Schell zu Schellenberg, sind schon seit dem 12. Jahrhundert im Reichsstift Werden nachgewiesen und hatten ihrer Stammburg in Rellinghausen, die ebenfalls den Namen „Op dem Berge“ trug, den Namen „Schellenberg" gegeben. Als eines der wichtigsten Adelsgeschlechter im Stift Essen waren sie Erbdrosten des Stifts Essen, Mitglieder der Märkischen und der Bergischen Ritterschaft, in Diensten der Hochstifte Köln, Münster, Paderborn und Osnabrück, Mitglieder und Komture im Johanniter-Orden. In mehreren Zweigen verteilte sich die zahlreiche Nachkommenschaft bis an die Ostsee, im Dienst des Deutschen Ordens auch nach Livland, Mecklenburg, Ostpreußen und nach Dänemark, sie waren 1641 in den Reichsfreiherrenstand erhoben worden und tätig in kurkölnischen und kurpfälzischen Diensten. Auch Haus Ripshorst trug dabei zu ihrem Unterhalt seinen Teil bei. Letzter bekannter Gutsherr auf dem Rittersitz, der 322 Morgen Land umfasste, war Clemens August von Vittinghoff-Schell zu Schellenberg (Königlicher Kammerherr und Droste), der um 1768 von den Äbtissinnen eingesetzt wurde.

Nach dem Landesgrundvergleich des Stiftes Essen von 1794 gehörten die Besitzer von Ripshorst mit den insgesamt sieben Rittersitzen Horl, Achterberg, Berge bei Borbeck, Schellenberg, Bermen und Diek zum sogenannten dritten Landstand des Fürstentums. Nach der Säkularisation und der Auflösung des Stiftes dienten Angehörige der Familie von Vietinghoff-Schell seit 1803 als königlich-preußische Kämmerer und machten Karriere im Staats- und Militärdienst von Preußen, Österreich, Spanien, den Niederlanden, Russland, Polen, Frankreich oder später in den USA.

1854 ist Ripshorst, Gemeinde und Pfarre Borbeck im Ortsteil Dellwig, im Topografisch-statistischen Handbuch des Preußischen Staats noch als Rittergut bezeichnet. Rund 100 Morgen groß, wurde es mit dem Gräfenbusch an einen Landwirt verpachtet und infolge der aufkommenden Schwerindustrie rund um die Gutehoffnungs-Hütte in Oberhausen stark in Mitleidenschaft gezogen, wie Prozesse vor dem Landgericht Duisburg und dem Oberlandesgericht Düsseldorf zeigen. Bald zerschnitt auch der 1919 eröffnete Rhein-Herne-Kanal die ehemaligen Äcker, Wiesen und Felder, die sich bis zur Emscher zogen.

Zentrum für die IBA Emscherpark

Haus Ripshorst ist zwar der einzige der Rittersitze im Stift Essen, der bis heute erhalten ist. Doch deutet bis auf einen Tümpel und ein Gehölz fast nichts mehr darauf hin, dass an der Stelle des Bauerhofes mal ein von Wassergräben geschütztes festes Haus gestanden hat. Burg Vondern in der Nachbarschaft bietet in der Hinsicht da vergleichsweise noch weitaus mehr. Doch der aufgegebene Bauernhof Haus Ripshorst wurde zum Schauplatz einer großen Baumaßnahme: In ihm und um ihn herum entstanden 1999 im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Emscherpark die Gebäude für das das Informationszentrum Emscher Landschaftspark, das sich seit März 2010 mit einer modernisierten Ausstellung präsentiert. Interaktiv können die Gäste in audiovisuellen Terminals die Entwicklung der Region im neuen Emschertal nachvollziehen - in den drei Zeitzonen „Gestern, heute und morgen". Vom Herzstück der Anlage führt der Gehölzgarten Ripshorst als zwei Kilometer langes Gehölzband rings um eine große Graslandschaft am Rhein-Herne-Kanal. Nach den Entwürfen der Landschaftsarchitekten Irene Lohhaus und Martin Diekmann aus Hannover sollte der weitläufige Charakter der vorindustriellen Kulturlandschaft weitgehend erhalten werden. Der Park zeigt die Verbreitung der Baumarten im erdgeschichtlichen Zusammenhang und ist Ausgangspunkt für den Besuch der benachbarten Routenstandorte „Gleispark Frintrop" und „Brache Vondern".

Geht spazieren

Pferde gibt es noch heute jede Menge am Kanal und wer bei Hesse auf die andere Seite des Kanals wechselt, läuft am Nachmittag dem Sonnenuntergang entgegen. Jogger hecheln, Fahrräder kreuzen, Bahnen donnern über die Brücken, Riesenpötte schleichen auf dem Wasser lautlos vorbei und Düker leiten Bäche in die Emscher, die sich parallel zum Kanal langsam wieder aus ihrem Trog erheben will. Der zentrale Fluss der Region soll wieder einer werden und ein natürliches Bett erhalten. Denn was die Industrie damals plattgemacht hat, kann man auch wieder herstellen. Das ist der Plan und man darf gespannt sein, wie das bald alles wieder aussehen wird. Geht spazieren!

CB

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