Doppeltes Jubiläum am Gymnasium Borbeck

Fest-Schuljahr an der Prinzenstraße

0 24.07.2025

BORBECK. Ja, was denn jetzt? 120 oder 125? Das Gymnasium Borbeck (GymBo) startet mit dem neuen Schuljahr in ein Jubiläumsjahr. Besser gesagt in gleich zwei. Und tatsächlich hat die verwickelte Gründungsgeschichte nun die traditionsreiche Lehranstalt dazu bewogen, auch jetzt beide Jubiläen in einem Jahr zu feiern: Im ersten Halbjahr steht für die „Prinzen“ und „Prinzessinnen“ an der Prinzenstraße das 120. Gründungsfest im Mittelpunkt, im 2. Halbjahr dann das 125-Jährige.

Festschrift für eine lange Schulgeschichte

Wie es dazu kam, fasste der langjährige Schulleiter Dr. Wolfgang Sykorra jetzt in einer rechtzeitig fertiggestellten Festschrift zusammen, deren Fassung der Redaktion vor ihrem Druck vorlag. Sie trägt den verheißungsvollen Namen „HISTORIA GYMNASII BORBECCENSIS. 125 Jahre Borbecker Schul- und Stadtgeschichte" und fasst die Höhen und Tiefen der Geschichte zusammen. Denn mit der höheren Bildung war es anfangs in der alten Bürgermeisterei Borbeck nicht so leicht. Die boomende Industriegemeinde hatte zwar viele Schulen, die Verwaltung ächzte unter den Ausgaben, aber zu einem höheren Abschluss oder gar zum Abitur führte keine. Bürgermeister Hermann Péan und die Landwirte, besser Gutsbesitzer, Moritz Leimgardt und Johann Hoffstadt machten im überwiegend katholischen Borbeck den Aufschlag und setzten sich für die Einrichtung einer katholischen Knaben-Mittelschule ein. Am 23. Januar 1873 eröffnete in der Rechtstraße die „Nichtvollanstalt mit sechs Jahren Schuldauer“ - nur für Jungen. Wer mehr wollte, machte sich auf den weiten Weg zum Stiftsgymnasium in die Stadt Essen.

Das neue Progymnasium 1901

Weitere 28 Jahre sollte es dauern, bis das königliche Provinzialschulkollegium dann doch auch die Einrichtung eines wohnortnahen Gymnasiums gestattete: Im März 1901 wurde der ursprünglichen Knabenmittelschule der Status eines „Progymnasiums mit nicht allgemein verbindlichem Unterricht im Griechischen und dessen Ersatz durch das Englische“ zugesprochen. Jahrgangsstufenweise sollte es unter Leitung von Altphilologe Joseph Cüppers nun zu einem Vollgymnasium ausgebaut werden, das zur Abnahme der Abiturprüfung berechtigt war. Am 14. November 1901 siedelte das Progymnasium aus dem nicht mehr ausreichenden Gebäude in den im neugotischen Stil errichteten Bau an der Prinzenstraße um. Dort steht es jetzt seit 124 Jahren.


Kollegium des Progymnasiums im Schuljahr 1903/04. Obere Reihe v.l.: Firmenich, Dr. Kühne, Weinand, Zillekens, Nothdurft, Pauly; untere Reihe v.l.: Dr. Pabst, Müller, Dr. Cüppers, Allner, Dr. Voß.

Vollgymnasium und das erste Abitur 1905

Mit dem kaiserzeitlichen Borbeck sollte es nun dadurch kräftig aufwärts gehen – das war der Plan. Der Zuzug zahlungskräftiger bürgerlicher Familien mit aufstiegsorientierten Söhnen war gefragt, das neue Gymnasium sollte einen entscheidenden wirtschaftlichen Beitrag zur kommunalen Selbstständigkeit Borbecks leisten. Wie die erste Abiturientenliste von 1905 ausweist, war das Publikum allerdings durchaus gemischt - nicht nur, was die örtliche Herkunft betrifft: Die 14 Kandidaten kamen aus Essen, Gladbeck, Düsseldorf, Ahlen und Heesen in Westfalen, aus Altendorf, Frintrop und nur zwei aus Borbeck. Die Berufe der Väter reichen vom Gutsbesitzer, Hauptmann, Kaufmann, Bauunternehmer bis zu Zimmer- und Bäckermeistern, doch finden sich auch zwei Fabrikarbeiter. Zwei der Abiturienten wollten Ärzte werden, drei Juristen, andere interessierten sich für ein Studium im Baufach, der Philologie und zwei wollten Theologen werden. Mit der Disziplin allerdings scheint es nach Protokollen der Lehrerkonferenzen der folgenden Jahre nicht weit her gewesen zu sein: Wie Wolfgang Sykorra schreibt, seien auswärtige Schüler unverhältnismäßig oft wegen „schwerer Verfehlung“ von der Schule entfernt wurden.

Auf dem Weg zum Städtischen Gymnasium Essen-Borbeck

Genau 10 Jahre nach dem ersten Abiturjahrgang mussten die Initiatoren allerdings ihren großen Traum begraben: Im Jahr 1915 verlor Borbeck seine Selbstständigkeit, für die nicht zuletzt das Gymnasium ein Garant sein sollte, so Dr. Sykorra: „Die erhofften Zuzüge wohlhabender Eltern und Steuerzahler reichten nämlich nicht aus. Da auch andere kommunale Maßnahmen erfolglos blieben, war die Gemeinde gezwungen, mit der Stadt Essen in Verhandlungen über einen Eingemeindungsvertrag einzutreten.“ Der am 10. März 1914 geschlossene Vertrag trat zum 1. April 1915 in Kraft und das nunmehr „Städtische Gymnasium Essen-Borbeck“ unterstand ab jetzt dem Dezernat für das Höhere Schulwesen der Stadt Essen.

Zu den spannenden Aspekten der bis heute reichenden Schulgeschichte in dieser Jubiläums-Festschrift gehören viele Themen: Dazu zählen der 1919 gegründete Bund Neudeutschland in seiner Auseinandersetzung mit den Nazi-Organisationen nach 1933, das Schicksal jüdischer Schüler und die Schule im Krieg, Kinderlandverschickung, Zerstörung und Wiederaufnahme des Schulbetriebs im November 1945 – vor 80 Jahren. Ein anderes Jubiläum wäre wohl ebenso zu nennen: Im kommenden Jahr jährt sich das erste Abitur für Mädchen 1966 zum 60. Mal. Und noch ein rundes Datum wäre zuletzt wohl auch zu ergänzen: Der heutige Schulleiter Lars Schnor bestand vor 30 Jahren - im Jahr 1995 - seine Reifeprüfung an der Prinzenstraße. Mit ihm wurde zum zweiten Mal in der Geschichte der Schule nach Wolfgang Sykorra ein ehemaliger Schüler Direktor des eigenen Gymnasiums.

Der Autor der Festschrift selbst erinnerte jetzt im Kontakt mit Borbeck.de an das 90-Jährige der Schule: „Damals schrieb der unvergessene Walter Wimmer in den Borbecker Nachrichten: „Die Bilanz einer solchen Schule steht irgendwo in den Sternen. Niemand weiß, was sie schuldig geblieben ist oder wieviel sie tatsächlich an Lebensqualität vermittelt hat." - Dieser Einschätzung ist nichts hinzuzufügen."

Was nun im Jubiläumsschuljahr 2025/2026 alles zu berichten sein wird, wird man auch an dieser Stelle lesen können. Immerhin steht das Jahr unter dem Motto: „Gemeinsam besser“ – ganz sicher kein schlechtes Motto in Zeiten wie diesen.

C. Beckmann

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