Burgplatz: Aktion Engel läuft weiter

0 01.06.2021

ESSEN. Noch nichts Neues vom Burgplatz: Der Arm des Engels auf dem Bischofshaus ist und bleibt verschwunden. Jetzt hat eine Versicherung eine Belohnung ausgeschrieben, wie das Bistum Essen heute mitteilte. 2.500 Euro erhält, wer den verschwundenen Arm des Bronzeengels zurückbringt, der seit rund 66 Jahren das Hausdach am Essener Burgplatz ziert.

Groß ist er nicht: Der rund 30 Zentimeter lange mit Blattgold verzierte rechte Arm der Figur fehlt seit rund zwei Monaten. Vermutlich war er bei einem Sturm abgebrochen. Bereits Ende März war Bischof Franz-Josef Overbeck die beschädigte Figur aufgefallen. Trotz intensiver Suche war der etwa 30 Zentimeter lange Arm mit seinem markant ausgestreckten Zeigefinger nicht gefunden worden. Zudem hatte Dombaumeister Ralf Meyers das Dach und die Regenrinnen des Bischofshauses von einem Hubsteiger aus inspiziert.

Werk von Ewald Mataré

Der außergewöhnliche Engel stammt von Ewald Mataré (1887-1965). Der 1887 in der Nähe von Aachen geborene Künstler gilt als einer der wichtigsten Künstler der Klassischen Moderne in Deutschland. Er war von den Nationalsozialisten verfolgt und als „entartet“ diffamiert worden und übernahm nach dem Krieg als Professor eine Bildhauerklasse an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab 1947 erhielt Mataré zahlreiche öffentliche und insbesondere kirchliche Aufträge. So gestaltete er etwa das Westfenster des Aachener Doms, die Bronzetüren für das Südportal am Kölner Dom, das Domportal in Salzburg oder die Portale der Weltfriedenskirche in Hiroshima.

Engel sollte Pfarrhaus krönen

Sein Engel, der heute das Portal des Bischofshauses ziert, sollte nach den Kriegszerstörungen das Mitte der 1950er Jahre zunächst als Pfarrhaus und Schatzkammer geplante Haus krönen. Mit seinem erhobenen Zeigefinger verweise der goldene Engel daher wohl „auf das Kostbare, das im Haus verwahrt wird, und ermahnt uns, gut darauf aufzupassen“, so die Leiterin der Essener Domschatzkammer, Andrea Wegener. Kurz nach der Fertigstellung des Hauses waren jedoch die Pläne für das Ruhrbistum konkret geworden – aus dem Pfarrhaus wurde 1958 ein Bischofshaus, die Schatzkammer zog in das Gebäude um die Ecke und der Engel wacht nun über die Ruhrbischöfe.

„Unschätzbarer emotionaler und künstlerischer Wert“

Dass der Arm des Engels überhaupt abbrechen konnte, habe Dombaumeister Ralf Meyers und sie gleichermaßen überrascht, sagte Wegener. Der Engel sei mindestens einmal jährlich auf seine Standfestigkeit hin untersucht worden. Sie und der Dombaumeister hoffen, dass die nun ausgelobte Belohnung Finder zur Rückgabe motiviert, die den Arm vielleicht als Trophäe versteckt haben. Denn der Materialwert des Arms sei zu vernachlässigen: „Vielmehr hat der Engel - und gerade der ausgestreckte Arm - für unser Bistum und für die Stadt Essen einen unschätzbaren emotionalen und künstlerischen Wert“, erklärte die Schatzkammer-Leiterin.

Taucht der Arm wieder auf, ist die Kunstexpertin zuversichtlich, dass man ihn mit fachkundiger Unterstützung von Metallgestaltern wieder an Matarés Figur anbringen kann. Dazu steht Wegener in Kontakt mit einer Kölner Kunstgießerei, die vor vielen Jahren zwei Kopien des Engels angefertigt hat. Eine davon steht im Museum Kurhaus in Kleve, das den Nachlass des 1965 verstorbenen Künstlers Ewald Mataré verwaltet. Bestenfalls gibt es im Museumsdepot noch die seinerzeit angefertigten Gipsformen. Wenn nicht, bliebe die Möglichkeit, vom Arm der Klever Kopie eine neue Kopie zu erstellen und diese dann auf dem Bischofshaus anzubringen. Technisch bedingt wäre diese dann minimal kleiner – und ohnehin sei das Original natürlich immer vorzuziehen, sagt Wegener. Sie betont: „Wir werden den Mataré-Engel auf jeden Fall reparieren. Aber am schönsten wäre es, wenn der verschwundene Arm des Engels wieder auftaucht.“

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