Borbecker Notfallpraxis jetzt nachts geschlossen - Protest erwacht langsam

Bloß nicht nachts krank werden: Öffnungszeiten der Notfallpraxis Borbeck stark eingeschränkt

0 31.05.2022

BORBECK/ESSENER NORDEN. Wer in den letzten Wochen nächtens einen Arzt brauchte, der hat es schon am eigenen Leibe erfahren: Die Notfallpraxis Borbeck im Philippusstift an der Hülsmannstraße hat seit April eingeschränkte Öffnungszeiten. Nachts ist dort niemand mehr zu sprechen.

Auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO) heißt es dazu: „Die bislang vom Verein Borbecker Ärzte betriebene Einrichtung wird im Zuge der Weiterentwicklung des ärztlichen Notdienstes in NRW künftig durch die Gesundheitsmanagementgesellschaft mbH (GMG mbH), einer Tochtergesellschaft der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein u.a. für den Betrieb der gut 80 Notdienstpraxen im Rheinland, neu eingerichtet.“

Die einst als bundesweites Pilotprojekt der Gemeinschaft Borbecker Ärzte e.V. gegründete Praxis in den Räumen des Philippusstifts verliert damit einen großen Teil ihrer selbstgewählten Aufgabe: Außerhalb der normalen Praxisöffnungszeiten für Notfall-Patienten da zu sein. So war es früher: Der Arzt war nachts von 19 Uhr bis 7 Uhr morgens, außerdem mittwochs nachmittags und an den Wochenenden rund um die Uhr zu sprechen.

Für bettlägerige Patienten gab es einen Fahrdienst, der diese zu Hause aufsuchte. Das System war erprobt und erfolgreich – und ist seit April abgeschafft. „Medizinisch notwendige Hausbesuche werden künftig nicht mehr aus der Notdienstpraxis heraus durchgeführt“, so die KV. Für die Versorgung speziell Bettlägeriger, nicht mobiler Patientinnen und Patienten stehe dann – auch binnen der Nachtstunden - ein separater ärztlicher Notdienst zur Verfügung. „Dieser ist an allen Wochentagen im gesamten Stadtgebiet über die kostenlose Arztrufnummer 116 117 rund um die Uhr erreichbar“, so die KV.

Die neuen, stark eingeschränkten Öffnungszeiten sind nun montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr, mittwochs und freitags von 13 bis 22 Uhr und samstags, sonntags sowie an Feiertagen von 8 bis 22 Uhr.

Klar: Da ist die Gefahr groß, dass Patienten direkt die 112 wählen und einen Notarztwagen benachrichtigen oder selbst in die ohnehin überfüllte Notfallambulanz des Krankenhauses gehen und dort stundenlang auf Hilfe warten. Damit die Situation dort nicht allzu chaotisch wird, plant die KV in einem nächsten Schritt so genannte „Portalpraxen“ den Krankenhäusern anzugliedern, in denen dann die schweren Notfälle von den leichteren unterschieden werden.

Der Protest gegen das Vorgehen der KVNO kommt erst langsam in Schwung. Die SPD-Fraktion im Rat kritisiert die Einsparungsmaßnahme. „Medizinische Notfälle halten sich nicht an Öffnungs- oder Telefonzeiten!“ sagt Martin Schlauch, SPD-Ratsherr und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. „Die Notfallpraxen leisten bisher einen wichtigen Beitrag um den Notruf 112 zu entlasten, dieser sollte schließlich auch weiterhin nur ,echte Notfälle‘ versorgen.“

Im Hinblick auf die geschlossene Notfallpraxis im ehemaligen Marienhospital sagt Schlauch: „Das jetzt plötzlich das Angebot der Notfallpraxis im Essener Nordwesten noch weiter zusammengestrichen wird, grenzt an Hohn. Die KV steht in der Pflicht, ihre Verantwortung auch für den Essener Norden wahrzunehmen.“ Die SPD will das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Gesundheitsausschusses setzen und die Verwaltung auffordern, unverzüglich Gespräche mit der KVNO aufzunehmen.“

„Es ist unverantwortlich eine organisch gewachsene und vielfach erprobte Struktur wie die von den Borbecker Ärzten betriebene Einrichtung einfach so abzuräumen,“ ärgert sich der stellvertretende Bezirksbürgermeister Kevin Kerber über die Entscheidung der KV. „Grundsätzlich begrüßen
wir die Weiterentwicklung und Modernisierung des Philippusstiftes für den Gesundheitsstandort Borbeck.“ Dazu gehöre aber auch ein ausreichendes Angebot für die ambulante Notfallversorgung, zumal der Standort jetzt auch die Aufgaben der ehemaligen Notfallpraxis am Marienhospital übernehmen muss. Jetzt erleben wir auch in Borbeck einen Kahlschlag in diesem Bereich.“ Bis zur Errichtung einer möglichen Portalpraxis am Philippusstift, dürfe es keine weiteren Schritte geben, die mit einer verschlechterten Versorgungslage einhergehen, so Kerber.

In Essen gibt es folgende Notfallpraxen:

Notdienstpraxis Essen-Rüttenscheid

Alfried Krupp Krankenhaus
Alfried-Krupp-Straße 21
45131 Essen-Rüttenscheid

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do: 19 - 22 Uhr
Mi, Fr: 13 - 22 Uhr
Sa, So, Feiertage, Rosenmontag: 8 - 22 Uhr

Notdienstpraxis Essen-Steele

Alfried Krupp Krankenhaus
Hellweg 100
45276 Essen-Steele

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do: 19 - 22 Uhr
Mi, Fr: 13 - 22 Uhr
Sa, So, Feiertage, Rosenmontag: 8 - 22 Uhr

Notdienstpraxis Essen-Borbeck

Katholisches Klinikum Phillippusstift
Hülsmannstraße 17
45355 Essen

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do: 19 - 22 Uhr
Mi, Fr: 13 - 22 Uhr
Sa, So, Feiertage, Rosenmontag sowie 14.12. und 31.12.: 8 - 22 Uhr

Kinderärztliche Notdienstpraxis  Essen-Huttrop

Elisabethkrankenhaus
Ruhrallee 81
45138 Essen

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do: 19 - 22 Uhr
Mi, Fr: 16 - 22 Uhr
Sa, So, Feiertage, Rosenmontag: 9 - 22 Uhr

Augenärztliche Notdienstpraxis Essen-Holsterhausen

Universitätsklinikum Essen
Hufelandstr. 55
45147 Essen

Öffnungszeiten
Mo, Di, Do: 18 Uhr - 21 Uhr
Mi, Fr, Weiberfastnacht: 15 Uhr - 21 Uhr
Sa, So, Feiertags, Heiligabend, Silvester, Rosenmontag : 9 Uhr - 13 Uhr und von 15 Uhr - 21 Uhr

HNO-ärztliche Notdienstpraxis Essen-Rüttenscheid

Alfried Krupp Krankenhaus
Alfried-Krupp-Str. 21
45131 Essen-Rüttenscheid

Öffnungszeiten
Mi, Fr: 16 - 20 Uhr
Sa, So, Feiertage, Heiligabend, Silvester, Rosenmontag: 10 -  14 Uhr und 16 - 20 Uhr

 

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