Borbeck ganz in Rot-Weiß: Verkehrs-Kunst-Ausstellung ungeahnter Erfolg

0 05.09.2026

BORBECK. Rot-Weiß sind seit Wochen im ganzen Stadtgebiet die Farben der Saison – doch diesmal geht es dabei ausnahmsweise nicht um den örtlichen Fußballverein. Denn sie ist jetzt schon ein Riesenerfolg: Die derzeit in Borbeck laufende große Open-Air-Ausstellung mit allerlei Objekten aus der Baustellensicherung und Verkehrsführung ist ein echter Hingucker. Seit den weltweit beachteten künstlerischen Großprojekten von Christo etwa habe es eine vergleichbare Schau bislang noch auf keinem anderen Kontinent gegeben, heißt es. Große andere Regionen haben bereits ihr Interesse an der Übernahme des Projekts angemeldet, das bei freiem Eintritt zu besichtigen ist und das inzwischen längst das Folkwang-Museum in den Schatten stellt.

Musterregion Groß-Borbeck

Besonders die mit Warn- und Leitbaken aktuell völlig zugestellte Musterregion im Stadtbezirk IV liefert den ultimativen Nachweis für die künstlerische Leistungsfähigkeit der modernen Verkehrsleitplanung. Sie ist am besten vor allem von Straßenbahnen aus in all ihrer bestechenden Schönheit und praktischen Anwendung zu bewundern. Denn die dürfen fast überall durch. Wie zu beobachten, haben aber auch Fußgänger und Fahrradfahrer ihre helle Freude an der mit einem bislang gigantischen Publikumsecho gefeierten Ausstellung.

Aus Autos und LKWs ist der Blick zunächst zwar eher eingeschränkt, da die herrlichen Musteranlagen wegen zahlreichen Rückstaus kaum angefahren werden können. Hier hätte man sich an einigen Stellen präzisere sachdienliche Hinweise gewünscht. Aber wer trotz hin und wieder schwieriger Beschriftung die Absperrungen endlich erreicht hat, wird sich bei seinem dadurch länger dauernden Aufenthalt dem ästhetischen Reiz der mustergültig errichteten Barrieren in ihren warmen Rot- und hellen Weißtönen kaum entziehen können.

Zudem: Falls der Lenker des Kraftfahrzeugs aus der Sackgasse wieder herausfindet, ermöglichen ihm zahllose weitere Baustellen einen unverstellten Blick auf noch sehr viel mehr Produkte namhafter Hersteller aus wetterbeständigem hochwertigem Kunststoff und stabilen Metallkonstruktionen. Viele Autos nehmen daher gerne und mit großer Begeisterung riesige Umwege in Kauf: Auch wenn das Ziel nur um die Ecke liegt, können so aus der Fahrt schon mal auch fünf Kilometer und mehr werden. Der Kunstkenner wird es aber gerne nachsehen, da bereits die Vorfreude auf das nächste Highlight bekanntlich zu den schönsten Freuden zählt.

Die große Welt der RSA-21

Wer sich bislang mit der ungeheuren und unerwarteten Vielfalt des rot-weißen „Baken-Universums“ kaum beschäftigen konnte, hat jetzt bei uns in der Region dazu die einmalige Gelegenheit. Sie muss Borbeck in bislang unbekannter Weise wirklich endlich in den Mittelpunkt rücken: Denn die Ausstellungsbesucher tauchen tief ein in eine große geheimnisvolle Welt. Das Panorama der gezeigten Preziosen und Exponate bietet einen aufmerksam kuratierten breiten Überblick zu modularen Absperrsystemen, in das überaus bunte Leben zwischen Leit-, Warn-, Pfeil- und Klappbaken, Baustellenschildern, Kabelbrücken und temporären Ampelanlagen, die oft überraschend und zudem ganz zweckfrei über Nacht entstanden sind und sich alle individuell kombinieren und erweitern lassen.

Sie alle lassen nur erahnen, mit welchen im Grunde recht preiswerten Mitteln der öffentliche Raum ganz neu inszeniert und dadurch in seiner ganzen Schönheit neu erfahrbar werden kann - ob mit klassischen Absperrgittern, mobilen Gitterelementen, Baken und anderen flexiblen Absperrsystemen. Manche sind nach Einbruch der Dunkelheit sogar mit manchmal funktionierenden hochwertigen Lampenanlagen beleuchtet und tauchen die Nachbarschaft in ein sanftes angenehmes Flackerlicht. Mit imposanten Betonfüßen sorgsam platzierte Ampelsysteme bestechen zudem durch ihr feines über Straßen gezogenes Kabelgewirr, das den Straßenraum nicht nur für Kenner und den stehenden Verkehr zu einem neuen poetischen Erlebnisraum macht.

Straßen-Kunst mit System

Spätestens hier lohnt auch der Blick auf die Macher, denn ihre geschickte und formvollendete Platzierung im öffentlichen Raum ist das Werk von Experten. Sie folgen mit ihrem zukunftsweisen Skulpturenpark einem komplexen künstlerischen Regelwerk, das in seiner unnachahmlichen Präzision dem normalen Laien fast unverständlich bleiben muss und sowieso den meisten Verkehrsteilnehmern völlig unbekannt sein dürfte: Maßgeblich sind hier die „Richtlinien für die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen“, die nach der zwischenzeitlich erfolgten Änderungen der „Straßenverkehrs-Ordnung" (StVO) und der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung" (VwV-StVO) mit der „RSA 21“ grundlegend überarbeitet wurden.

Das Richtlinienwerk, ein Ergebnis fortgeschrittener moderner Verwaltungs-Mystik und seit 15.02.2022 als Druckausgabe erhältlich, würdigte so die neuen technischen Weiterentwicklungen und gestiegenen Anforderungen an die Bau- und Arbeitsstellenabsicherung. Sie schützt Menschen, Anlagen und Verkehrswege normgerecht und zuverlässig und hilft nicht zuletzt - und offensichtlich vor allem Dingen - bei der Reduzierung von Haftungsrisiken, die deutlich höher sind als jene, die im Umgang mit Mikrowellenherden zu beachten sind. Wer heute also in Borbeck mit diesem neuen Wissen die wunderbare Zahl der zahllosen gefälligen Verkehrs-Absperr- und Regelsysteme bestaunt, dürfte anderen Regionen Deutschlands und der Welt gegenüber eindeutig im Vorteil sein.

Große Nachfrage im Stadtteil

Dass zahlreiche der wartungsarmen, aber robusten Ensembles aus Baken und Gitterelementen derzeit in unserer Region zu bewundern sind, hat erst eine außergewöhnlich effiziente Zusammenarbeit möglich gemacht. Bei ihrem geschickten Baustellen-Management ging die Verwaltung in ihrer Verkehrsplanung hier erstmals wirklich deutlich über die Grenzen einer in dieser Hinsicht eher phantasiearmen Vergangenheit hinaus, reagierte darüber hinaus auch ganz offensichtlich auf eine überaus große lokale Nachfrage und ein erstaunlich großes Publikumsinteresse.

Oft schon seien darum die Absperrungen zur Freude der Anwohner sogar bereits viele Wochen vor dem eigentlichen Baustellenbetrieb errichtet worden und selbst nach der Abwicklung der Baustelle gebe es mit teils wochenlangen Standzeiten oft noch einen weiteren unverhofften Extra-Nachschlag. Dabei habe man auch dem möglichen Unmut von Anwohnern und Straßennutzern vorbeugen wollen: Bei zu früher Abräumung der formschönen Teile habe es zuvor an einigen Orten gar Proteste gegeben, heißt es. Zwar werden nach manchmal erfolgtem Abschluss der Arbeiten die aufgestellten Baustellenschilder einfach nur umgedreht, doch immerhin blieben sie auf dem Bürgersteig in den nächsten Monaten stehen, verteidigt man sich gegen Kritik.

Nicht zuletzt aber sind auch die beteiligten Künstler absolut begeistert. Das Street-Art-Kollektiv komme der großen Nachfrage weiter gerne entgegen, versichern die Schilderaufsteller: Statt die Absperrungen nach ihrem wirklichen Gebrauch auch wieder in den Bauhof oder in den Betrieb zurückzuführen, lasse man die wertvollen und faszinierenden Ausstellungsstücke jetzt lieber noch etwas stehen, um sie niemandem vorzuenthalten. Hier scheint es sogar konkrete Absprachen mit den verantwortlichen Planern zu geben: Nicht selten, so wird vermutet, würden Baustellen – falls sie überhaupt begonnen würden – sogar eigens in die Länge gezogen, um den veritablen Ausstellungserfolg nicht zu gefährden. Ein Einschreiten der Verwaltung jedenfalls scheint weiter nicht zu befürchten.

Grenzenlose Erkundungen möglich

Insgesamt verzeichnen die Organisatoren des Projekts zu ihrer Überraschung sogar einen Effekt, der zunächst nicht erwartet worden war: So werde zum einen durch die kilometerlangen Umleitungen der Top-Zustand der hiesigen Straßen in besonderer Weise auch denen vor Augen geführt, die überhaupt nicht dort vorbei wollten, heißt es. Nach ihren Erfahrungen trügen auch durch zuvor ruhige Wohnstraßen bretternde LKW massiv zu neuen sozialen Kontakten bei – ein Gewinn für die Anwohner und ganze Stadtgesellschaft. Zudem schaffe das Projekt eine Möglichkeit, den Stadtteil endlich von vielen ganz neuen Seiten kennenzulernen.

Großartige Publikumsreaktionen

Das bestätigte auf Nachfrage auch ein begeisterter Ausstellungsbesucher, der am frühen Samstagmorgen nur kurz aufgebrochen war, um in der Jahnstraße zwei Säcke Grünabfall zu entsorgen. „Ich habe dabei Ecken von Borbeck und Bergeborbeck gesehen, wo ich zuvor noch nie gewesen bin. Interessant!“, so freute sich der erschöpfte Familienvater, als er kurz vor Schließung das Gelände erreichte. Auch ein für kleine Besorgungen nach Borbeck-Mitte geschickter Rentner berichtete von ganz neuen Erfahrungen: „Ich wollte gar nicht nach Vogelheim. Aber als ich in der Abenddämmerung über Essen-Mitte endlich nach Hause kam, bin ich von einer ungeahnten Woge der Zuneigung überrascht worden.“

Eine besorgte Friedhofsbesucherin fragte sich zwar, ob sich ein Nachhauseweg noch lohne. Doch der Einzelhandel in ganz Borbeck sprach indes von einer völlig neuen Lebensqualität für alle Kollegen: So beendete eine Mitarbeiterin an der Theke eines Coffeeshops, in dem es keinen Publikumsverkehr mehr gab, erfolgreich frühzeitig ihr Betriebswirtschaftsstudium, eine Verwaltungsangestellte berichtete, dass für die Mitarbeiter jetzt auch Übernachtungsplätze im Büro eingerichtet würden: „Ein echtes Stück Lebensqualität.“ Zwar wird am Rande von einigen Insolvenzen gemunkelt, aber mit den Effekten der Borbecker Mega-Schau könnten durchgehend wegweisende Entwicklungen in Gang gekommen sein, die für eine entspanntere und ausgeglichenere Atmosphäre in der ganzen Republik zum Vorbild werden könnten.

Interaktiv und spielerisch: Spaß für die ganze Familie

Zuletzt: Alle Besucher der Ausstellung sind herzlich eingeladen, neben dem Vergnügen an der weltweit beachteten Exposition auch ihre interaktiven und spielerischen Aspekte kennenzulernen. So wird etwa dazu animiert, in abendlichen Gesprächsrunden bei Gebäck und Getränken den Gehalt der im Stadtgebiet verteilten einzelnen Präsentationen zu diskutieren und die künstlerischen Absichten zu ergründen. Eine wunderbare Gelegenheit, die neuerworbenen Kenntnisse auf die Probe zu stellen: Denn ausgerüstet mit den im Netz zu findenden Vorschriften der RSA-21 lässt sich interaktiv bei Wanderungen vor Ort an den Baustellen - selbst oder ganz gesellig im gemeinsamen Bekanntenkreis - ganz bequem überprüfen, ob von den Machern auch tatsächlich die Vorschriften zur korrekten Stellung der rot-weißen Wunderwerke und zur fehlerfreien Einrichtung der Baustelle eingehalten wurden - ein anregendes Spiel für die ganze Familie.

Gründliche Einführung in Verwaltungsdeutsch

Hier gibt es tatsächlich zahlreiche spannende Fragen, die sich nach Besichtigung der Absperrungen jetzt mit großem Gewinn und im besten Verwaltungsdeutsch beantworten lassen: Ist etwa eine Leitbake, die gemäß § 43 Abs. 3 Satz 2 StVO, sowie dem Ge- oder Verbot zu lfd. Nr. 1 bis 7 in der Anlage 4 StVO, das Befahren der so gekennzeichneten Straßenfläche verbietet, auf einem Geh- und Radweg platziert? Das neue Expertenwissen stellt klar: Sie haben gegenüber verkehrsrechtlich gesehen überhaupt keinerlei rechtliche Wirkung, stellen für die Fuß- und Radnutzer folglich keine Absperrung dar. Auf Radverkehrsführungen sind nur kleine Leitbaken zulässig, auf Gehwegen bleiben Leitbaken weiterhin völlig unzulässig, weiß nun der Eingeweihte.

Auch wird man nach dem Besuch der sehr empfehlenswerten und bewegenden Ausstellung zudem bald wissen, dass sich Fußgänger im Baufeld frei bewegen und es an beliebigen Stellen betreten oder queren dürfen. Nur mit Absperrschrankengittern gemäß RSA 21 eingezäunte Arbeitsbereiche erwirken ein rechtswirksames Betretungsverbot. Auch Pfeil- und Schraffenbaken dürfen nicht vollkommen willkürlich bzw. konzeptlos innerhalb einer Arbeitsstelle kombiniert werden, wie bei vielen leider auch unkünstlerisch veranlagten Absperrunternehmen zu besichtigen. Bei den Nachbarschafts- oder Familienabenden dürfen nun dazu nach Herzenslust Anerkennungsschreiben für die verantwortlichen Unternehmen aufgesetzt oder Minuspunkte für die beteiligte Verwaltungs- und Kontrollbehörde verteilt werden.

Wie aus gut unterrichteten Kreisen unlängst verlautet, soll bei der Spielemesse in Essen im Übrigen die erste Version eines auf die Borbecker Erfahrungen gründenden Brettspiels vorgestellt werden. Allen interessierten Bürgern, die darauf nicht warten wollen, darf man heute schon herzhaft zurufen: Bewegt euch, denn manche Wanderungen im städtischen Raum haben Reize, die man bislang nicht erträumt hat!

Erfreuliche Bilanz

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich also ohne Umschweife feststellen: Die in Borbeck laufende Ausstellung schafft nicht nur ein ständig weiter wucherndes stadtteilübergreifendes ästhetisches Wunderwerk, konfrontiert dabei mit Einsichten in die wunderbare Welt angesagter moderner Blockadetechniken, sondern wirft auch einen einfühlsamen Blick in die Zukunft der Mobilität überhaupt.  Wer also nach dem Besuch der absolut kostenlosen stadtteilweiten Schau mit viel neuer Lebenslust und neuen Erkenntnissen aufwarten kann, darf sich freuen. Für alle, die sich diesem sinnfreien andauernden Wahnsinn  und Elend jenseits des gesunden Menschenverstands hilflos ausgesetzt sehen gilt: Haltet durch!

CB

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