Witzel, Gerhard

Pfarrer in Vogelheim

Geboren wurde Gerhard Witzel 1936 in Werdohl. Nach Volksschule, Gymnasium und Studium der Theologie wurde er am 23. Juli 1961 im Essener Münster vom damaligen Bischof Franz Hengsbach zum Priester geweiht.

Man hat ihn wohl wegen seiner erfolgreichen Jugendarbeit an seiner ersten Wirkungsstätte als Seelsorger in der Gemeinde St. Bonifatius in Bochum-Langendreer nach Vogelheim abgeworben. Dort war man gerade dabei, die „Vogelheimer Lichtspiele“ in ein Jugendhaus umzuwandeln. Um diese Zeit, exakt am 4. Mai 1965, fand der Einführungsgottesdienst für Kaplan Witzel an St. Thomas Morus in Vogelheim statt.

Am 2. Oktober 1966 wurde auf dem Gelände des am 2. Mai 1965 geschlossenen Kinos „Vogelheimer Lichtspiele“ der Jugendhof Vogelheim eingeweiht, ein von Pfarrer Schmidt initiiertes und geleitetes und von Kaplan Witzel begleitetes Projekt. Die Zusammenarbeit mit Albert Schmidt in einem sozialen Brennpunkt hat Pastor Witzel nach eigener Aussage als prägend empfunden. Von ihm, so Witzel, habe er gelernt, wie wichtig es ist, sich in besonderer Weise um die Menschen zu kümmern, die noch nicht alles können, und um die, die nicht mehr alles können.

Am 2. April 1971 trat Kaplan Gerhard Witzel die Nachfolge von Pastor Albert Schmidt als Pfarrer von St. Thomas Morus an. So gesehen hatte im Hinblick auf sein seelsorgerisches Selbstverständnis seine erste Amtshandlung als Pfarrer an der neuen Wirkungsstätte symbolischen Charakter – der Spatenstich für das Albert-Schmidt-Altenheim. Lange Jahre, bis zu seinem altersbedingten Ausscheiden 2013, gehörte Pfarrer Witzel als geistlicher Beirat dem Vorstand des Trägervereins des Familienferienhauses „Arche Noah Marienberg“ an, das sein Vorgänger Albert Schmidt 1945 in Elkhausen (Sieg) gegründet hatte.

Über dreißig Jahre prägte Pfarrer Witzel das Gemeindeleben von St. Thomas Morus. Im Juni 2004 ging er in den Ruhestand. In der Herz-Jesu-Gemeinde in Burgaltendorf setzte er seine seelsorgerische Tätigkeit als Pfarrer i.R. fort. Nach dem Tod seines Nachfolgers Pfarrer Hermann Josef van Aken am 24. Juni 2019 wurde die Pfarrerstelle an St. Thomas Morus nicht wieder besetzt. Im November und Dezember 2019 wurden Kirche und Pfarrhaus abgerissen.

Nach seiner Pensionierung setzte sich Pastor i.R. Gerhard Witzel keineswegs zur Ruhe. Er machte sich einen Namen als „Brillen-Pastor“. In Absprache mit dem Bischöflichen Generalvikariat Essen und dem Weltmissionswerk Aachen sammelte er mit dem Verein „Nangina e.V.“ im Rahmen des internationalen Projekts „Brillen weltweit“ gebrauchte Brillen und ließ sie nach Afrika und Südamerika schicken. Inzwischen hat er weit über 150 000 Brillen gesammelt und ist stolz darauf sagen zu können, dass von zehn Brillen immerhin sieben „auf der Nase“ bleiben (WAZ v. 12.09.2919). Auch Handys und Hörgeräte schickt er in Entwicklungsländer.

An Plastikflaschen kann Pastor Witzel bis heute nicht achtlos vorbeigehen. Er sammelt und verkauft die Schraubverschlüsse. Der Erlös fließt in die Aktion „End Polio Now“ von Rotary International (Neues Ruhr-Wort vom 14.07.2018). Mit dieser Aktion verbindet Pastor Witzel persönliche Erfahrungen. Als 16-jähriger Gymnasiast wurde er bei der Polio-Epidemie von 1952 infiziert (mehrere Freunde starben an dem Virus) und lag wochenlang in einem Isolierraum des Krankenhauses in Altena. Eine Schutzimpfung gab es damals noch nicht. Als 2001 erneut Symptome bei ihm auftraten, entschloss er sich, etwas zu tun. Das war der Beginn der Mitarbeit am Projekt „End Polio Now“ unter dem Slogan „Mit Plastik gegen Polio“. (FJG)

Quelle: Andreas Koerner: Das Verschwinden von St. Thomas in Vogelheim. In: Borbecker Beiträge 1/2020, S. 25-38.

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