Tietz, P. Anton Josef SDB

Pater Anton Josef Tietz wurde am 15. Oktober 1900 in Peine bei Hannover geboren. Nach der Entlassung aus der Volksschule im Jahre 1915 fand er eine Anstellung im Kontor der Peiner Walzwerke AG. Als Spätberufener mit dem Wunsch Priester zu werden begann er am 11. Februar 1921 eine gymnasiale Ausbildung im österreichischen Unterwaltersdorf und machte dort das Abitur. Das Noviziat absolvierte er vom 15. August 1925 bis zum 15. August 1926 in Ensdorf/Oberpfalz. Von 1925 bis 1927 studierte er in Helenenberg bei Trier (seit 1925 ein Don-Bosco-Jugendhilfezentrum) und Essen Philosophie und leistete dort im Zeitraum 1928 bis 1929 ein pädagogisches Praktikum. 1929 und 1930 studierte er Theologie in Buxheim bei Memmingen. 1931 setzte er das Studium in Turin und 1932/33 in Benediktbeuern fort, wo er es 1933 abschloss. Am 28. Mai 2933 empfing er in Benediktbeuern die Priesterweihe.

Danach war er von 1933 bis 1941 als Priester, Lehrer und Jugendpräses des Don-Bosco-Zirkels am St. Johannes-Stift in Essen-Borbeck tätig, von 1939 bis 1941 war er gleichzeitig Kaplan an St. Johannes Bosco. Wegen seiner unverhohlenen Kritik an der NS-Ideologie war er bereits 1937 ins Visier der Gestapo geraten. Man warf ihm wegen seiner Äußerungen in der Neujahrspredigt „Heimtücke“ vor. Das Verfahren wurde jedoch bereits im Sommer 1937 eingestellt.

Seine Kritik am Reichsarbeitsdienst und an der Wehrmacht in der Predigt am 16. Dezember 1938 in einer Kirche in Velbert führte zu einer Strafanzeige wegen staatsfeindlicher Äußerungen. Das Verfahren wurde im Juni 1939 eingestellt. P. Tietz kam mit einer strengen Verwarnung davon.

Im Jahre 1941 wurde P. Anton Tietz im Zuge der Schließung des St. Johannes-Stiftes durch die Staatspolizei wegen seiner regimekritischen Predigten aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf verwiesen.

Die Jahre 1941 bis 1944 verbrachte er als Kaplan in Saarburg bei Trier. Von Dezember 1944 bis März 1946 war er Pfarrkurat der Evakuierten und Ostvertriebenen in Thüringen.

Im Juli 1946 kehrte P. Tietz als Pfarrkurator nach Essen zurück und war hier von 1946 bis 1950 erster Seelsorger des Seelsorgebezirks Essen-Dellwig-Vogelheim St. Bernhard im Brauk. In dieser Zeit richtete er im Hochbunker für zivilen Luftschutz an der Bottroper Straße eine Notkapelle ein, die am 13. Juli 1947 vom Borbecker Dechanten Johannes Brokamp benediziert wurde. Gleichzeitig begann er in der Wohnsiedlung Brauk mit dem Aufbau einer Gemeinde.

Nach seiner Versetzung verbrachte er zunächst einige Monate von April 1950 bis Oktober 1950 als Kaplan an St. Marien und von Oktober 1950 bis Oktober 1951 an St. Augustinus in Ricklingen bei Hannover. Am 26. Oktober 1951 übernahm er die Leitung des neu errichteten Lehrlingsheims Don-Bosco in Hannover-Ricklingen und war dort bis September 1954 als Direktor und gleichzeitig als Religionslehrer an der Bismarckschule in Ricklingen tätig. Danach kam P. Tietz nach Ricklingen zurück. Von September 1954 bis August 1957 übernahm er wieder die Leitung des dortigen Lehrlingsheims und war gleichzeitig Pastor an St. Augustinus in Ricklingen.

Um die Mitte des Jahres 1957 kehrte P. Tietz Mitte 1957 zu den Salesianern nach Essen-Borbeck zurück. Von September 1957 bis Ostern 1959 erteilte er Religionsunterricht am Gymnasium Essen-Borbeck.

Danach war er von 1959 bis 1962 Pfarrer in Marienhausen und ab 1962 Wirtschaftsleiter in Bendorf und Jünkerath (Eifel). Am 11. Oktober 1971 ist P. Tietz im Krankenhaus Gerolstein verstorben. (FJG)

Quellen: Archiv des Provinzialats der Salesianer in München. Mail von Rudolf Tengler vom Provinzialsekretariat vom 19.12.2016. – Archiv des Bistums Essen. Aktenbestand St. Bernhard. – Johannes Wielgoß: Das Haus der Salesianer Don-Boscos in Essen-Borbeck von der Gründung bis zum II. Vatikanischen Konzil. Rom 2015 (PDF-Datei).

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