Schacht Kronprinz

1898 erwarb der von Hugo Stinnes gegründete Mülheimer Bergbauverein an der von Mülheim nach Essen führenden Aktienstraße den 37 Morgen umfassenden Grubenfeldbesitz „Kronprinz“, auf dem zwischen 1901 und 1903 der „Schacht Kronprinz“ als Schacht 3 der Zeche Rosenblumendelle abgeteuft wurde. Der Schacht war nicht für die Förderung von Kohle vorgesehen, sondern diente ausschließlich dem Personen- und Materialtransport. Der Durchschlag zu den Schächten 1/2 ermöglichte eine zentrale Förderung auf der Zeche „Rosenblumendelle“.

Vom Schacht Kronprinz fuhren die zeitweilig 1200 Bergleute zu den Feldern von Rosenblumendelle ein. Mit der Kohlekrise Ende der 1950er-Jahre war das Schicksal von Schacht Kronprinz besiegelt. Im Juli 1961 wurde die Seilfahrt eingestellt, 1966 folgte die Stilllegung der Zeche Rosenblumendelle. Der Abriss der Gebäude und Einrichtungen auf dem Zechengelände begann 1962. Im Mai 1962 wurde der 20 Meter hohe Schornstein, 1966 das Fördergerüst und 1970 das Gebäude mit der Waschkaue und Markenkontrolle abgerissen. Damit gingen einige Wahrzeichen, die an die Bergbautradition in Schönebeck erinnerten, unwiederbringlich verloren.

Um die Maschinenhalle, die bis dahin vom Abriss verschont geblieben war, zu retten, stellte der Kultur-Historische Verein Borbeck 1997 beim Rheinischen Amt für Denkmalpflege den Antrag auf Denkmalschutzstellung. Zu einer Bearbeitung des Antrags kam es nicht mehr, weil die Maschinenhalle nur wenig später auf mysteriöse Weise schwer beschädigt und kurz darauf abgerissen wurde. Bestehen blieben nach dem Verlust der Zeche die zwischen 1912 und 1920 errichteten Zechenhäuser der Bergbaukolonie an Schacht-Kronprinz-Straße und Ardelhütte.

Im Laufe der Jahre entstand auf dem ehemaligen Zechengelände ein gemischtes Wohn- und (Klein-) Gewerbegebiet, in dessen unmittelbarer Nähe sich auch das Verwaltungsgebäude von Deichmann befindet. 1993 gründeten heimatgeschichtlich interessierte Bürgerinnen und Bürger den Verein „Bergbaukolonie Schönebeck e.V.“ mit der Zielsetzung, das Wissen um die lokale Bergbaugeschichte und deren Bedeutung für den Stadtteil zu fördern.

Bereits drei Jahre später, am 9. Dezember 1996, konnte in der Schacht-Kronprinz-Straße das Vereinshaus der Bergbaukolonie Schönebeck seiner Bestimmung übergeben werden. In dem einfachen Blockhaus ist ein Bergbaumuseum untergebracht, das in enger Zusammenarbeit mit dem Haniel-Museum Duisburg konzipiert worden ist. Heute erinnern eine Gedenktafel, ein Kipplore und die Schacht-Kronprinz-Straße an die Geschichte von Schacht Kronprinz. (FJG)

Quelle: Klaus Scholz (Hrsg.): Man war nie fremd. Die Essener Bergbaukolonie Schönebeck und ihr Stadtteil, verlag edition rainruhr, Essen 2009.

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