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Das Schönebecker Jugend-Blasorchester, kurz „SJB“ genannt, wurde 1959 von Mitgliedern des Bürger-Schützenvereins Schönebeck ins Leben gerufen. Bis 1977 war es ein reines Jungenorchester. Ihm gehören durchweg über 50 Musikerinnen und Musiker im Alter von 14 bis 25 Jahren an. Die Aufnahme ins Orchester erfolgt per Beschluss der Orchesterversammlung durch Verleihung der Orchesternadel, die Zugehörigkeit endet mit 25 Jahren aus Altersgründen.
Aufgabe des ehrenamtlich tätigen Förderkreises für das SJB e.V. ist die musikalische, künstlerische und charakterliche Ausbildung und Erziehung von musikalisch begabten jungen Menschen. Der Ausbildung durch eigene Lehrerinnen und Lehrer liegt ein differenziertes System aus Leistungsstufen und Leistungsüberprüfungen zugrunde. Die mehrgliedrige musikalische Ausbildung aus Einzelunterricht, Registerproben und Gesamtproben findet in der „Notenkiste“ statt, das dem SJB seit Anfang der 1970er-Jahre durch Pachtvertrag mit der Stadt Essen als Vereinsheim und musikpädagogisches Zentrum zur Verfügung steht.
Neben dem großen Orchester gibt es noch ein Nachwuchsorchester aus durchweg 30 Mädchen und Jungen. Musikalische Früherziehung wird in Blockflötengruppen sowie seit 2019 bei den SJB-Zwergen (Kinder von 2 bis 4 Jahre) und den SJB-Knirpsen (Kinder von 4 bis 6 Jahren) angeboten. Das Repertoire des symphonischen Blasorchesters ist vielfältig. Von Originalkompositionen für Blasorchester über Pop, Rock, Filmmusik und Musical bis hin zur Klassik ist alles dabei.
Zu den Besonderheiten des mehrfach ausgezeichneten Orchesters (zuletzt mit einer Bestnote beim Deutschen Musikfest 2019 in Osnabrück), das über die musikalische Ausbildung hinaus durch gemeinschaftliches Tun und Gemeinschaftserleben soziale Kompetenz vermittelt, gehören neben den zahlreichen Konzerten in Essen und Umgebung Orchesterfahrten und nationale und internationale Jugendbegegnungen u.a. in Norwegen, Schweden, Schweiz, Polen, Bosnien-Herzegowina, Israel, USA und China.
Hervorzuheben ist dabei die seit 1964 bestehende Freundschaft zum Blasorchester aus dem südschwedischen Sjöbo. Insgesamt bildet die Schönebecker Musikfamilie aus Förderkreis und Orchester eine lebendige generationsübergreifende musikalische und soziale Gemeinschaft. (FJG)
Quelle: Homepage des SJB
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an,
mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran,
mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss,
mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss.
So sang Udo Jürgen im Jahre 1977. Es wäre verwegen zu behaupten, Udo Jürgens hätte das Lied für das Schönebecker Jugend-Blasorchester geschrieben, das damals einen 18. Geburtstag feierte. Doch im Jahr 2025 wäre das Lied gerade recht gekommen, denn da wurde das SJB tatsächlich 66 Jahre alt. Ein Jahr über den Renteneintritt hinaus, steht das ewig junge SJB in voller Blüte. Aus bescheidenen Anfängen ist ein allseits bekannte und beliebte Kulturblume geworden. Anlass genug, in die Anfänge zurückzublenden.
Dabei führt kein Weg am Bürgerschützenverein Schönebeck 1837 e.V. vorbei. Der war nach jahrelanger Unterbrechung durch Krieg und Nachkriegszeit wieder zum Leben erwacht und ließ die Tradition der Schützenfeste lebendig werden. 1953 fand das erste Schönebecker Schützenfest nach dem Krieg statt, 1956 das zweite und 1959 das dritte. Allen war klar: Für ein anständiges Schützenfest mit großem Festumzug oder Ausmarsch braucht man gute Musik. Die lieferten nach altem Brauch des Marschierens kundige Klangkörper, also Spielmannszüge mit Marschtrommeln, Querflöten, Lyra, Großer Trommel und Becken. An eine solche Formation, die man sich sonst immer gegen teures Geld ausleihen musste, hatten auch einige Schönebecker Schützen gedacht, als sie sich Gedanken um eine vereinseigene musikalische Begleitung ihrer Ausmärsche machten. Gedacht, getan!
Beim Hubertusfest des Schützenvereins in der Gaststätte des Schützenbruders Kurt Gummersbach am 7. November 1959, vor nunmehr 66 Jahren, verkündete die Schützenkönigin Margrit I. (Pohlhaus) vom Allgemeinen Bürger-Schützenverein Schönebeck 1837 e.V., dass es eine vereinseigene Musikformation geben werde. Das war die Geburtsstunde des Schönebecker Jugend-Blasorchesters.
Kaum vier Wochen später, beim Weihnachtspreisschießen und der Nikolausfeier der Schönebecker Schützen, traten die ersten Schönebecker Jungen in kurzen Hosen mit dem Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ unter der Leitung von Theo Hülsken erstmals in Erscheinung. Auf einer Aufnahme vom ersten Auftritt ist die Trompetergruppe abgelichtet. Sie zeigt die Jungen Knut Pohlhaus, Helmut Kunze, Jürgen Kirchner und Theo Bergmann. Links daneben steht traurig als „Statist“ der kleine Rainer Glaubitz: „Ich musste mich einfach dazu stellen. Mitspielen durfte ich nicht – habe das Stück noch nicht richtig gekonnt.“
Niemand konnte ahnen, was aus den Jungs von damals werden würde! Zu den Jungen der ersten Stunden gehörten noch Heribert Eschenbruch (Trompete), Norbert Kröhnke (Posaune), Peter Kunze (Klarinette), Alfred Mertens (Waldhorn), Helmut Rudorf (Waldhorn) und Werner Rudorf Tenorhorn). Vielleicht war auch der „Trompetenlehrling“ Theo Ricken schon dabei. Ob damit alles seine Richtigkeit hat, ist nach so langer Zeit nicht mit Bestimmtheit zu sagen.

Erste Bilder von den Schönebeckern 1960

Fotos: Probenszene um 1960

Dass die Jungs wachsen und gedeihen konnten, ist das Verdienst der Frauen und Männer der ersten Stunde. Sie haben gleichsam aus dem Nichts ein Orchester geformt, das sich dank ihres engagierten und aufopferungsvollen Einsatzes, unterstützt von fähigen Instrumentallehrern und Dirigenten, materiell begleitet von gebefreudigen Sponsoren, innerhalb kurzer Zeit, nicht zuletzt mit Unterstützung durch die Stadt Essen, zu einem prächtigen Vorzeigeorchester entwickelte. Es sind die Wurzeln von damals, die das Orchester bis heute alle Unbilden, Misslichkeiten und Stürme überstehen ließen.
Was musste alles bewerkstelligt werden: Da mussten Jungen gefunden werden, die bereit waren, ohne musikalische Vorkenntnisse (von der Blockflöte abgesehen) eine musikalische Reise ins Ungewisse zu beginnen. Es mussten von allen Seiten Noten und Instrumente beschafft werden. Wie sollten die Jungen gekleidet sein? Da war es gut, im Schönebecker Schützenverein mit seinen Ende 1960 bereits mehr als 250 Mitgliedern einen Unterstützer zu haben, der all diese Herausforderungen mutig und mit einer gehörigen Portion Zuversicht (und Blauäugigkeit) angegangen ist. Dabei half ein dichtes Netzwerk von guten Beziehungen.
66 Jahre SJB. Menschen kamen und gingen, einige sind geblieben. Zu nennen sind die Vorsitzenden des Förderkreises Willi Pohlhaus (1959-1965), Herbert in der Weide (1965-1973), Friedel Hanster (1973-1976), Hermann Ostermann (1976-1981), Wolfgang Eisenberg (1981-1984), Friedhelm Jäger (1984-1985), Franz Josef Gründges (1985-2011), Martin Nennstiel (2011-2015), Marcus Freitag (2015-2022) und Sebastian Scharenberg (ab 2022).
Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Dirigenten Josef Reuber (1959-1965), Reinhold Knust (1965-1973) , Peter Böke (1976-1979), Günter Eggert (1980-2001), Jürgen Fassbender (2001-2006), Martin Asmacher (2006-2011), Linda Keuben (2011-2016) und Constantin Hesselmann (ab 2016). Sie und viele andere haben Hand in Hand mit vielen Unterstützern beispielhafte ehrenamtliche Jugendarbeit geleistet.
66 Jahre SJB. Eine Zeit der zahllosen ersten Male. Der Anspruch war riesengroß: Wie sollte ein Blasorchester und nicht etwa ein einfaches „Trommel-und Piepenkorps“ aus dem Boden gestampft werden? Eine Schlüsselfunktion nahm das Altendorfer Blasorchester ein. Von diesem Orchester, das es schon seit einigen Jahren gab, konnte man sich ausgebildete junge Bläser sowie Instrumentallehrer und den Dirigenten (Josef Reuber) „einkaufen“. Die Instrumente lieh man sich aus, andere Instrumente wurden mit Hilfe von zumeist privaten Spenden angeschafft.
Wegen mangelnder Vorbildung wurden die Instrumente ohne Eignungsprüfung und ohne die Jungen zu fragen verteilt. Man bekam selten sein Lieblingsinstrument, sondern meistens das, was gerade verfügbar war. Pragmatisches Vorgehen war damals unabdingbar. Die Proben fanden zunächst im Wohnzimmer des späteren Vorsitzenden Herbert in der Weide statt, der als junger Bursche selbst mal die dicke „Bum Bum“ im Altendorfer Blasorchester geschlagen hatte. Nach einiger Zeit zog man in zwei Nebenräume der Eichendorffschule um. Im rechten Raum wurden die „Frischlinge“ unterrichtet, im linken Raum die Fortgeschrittenen. Noch später fanden die Proben im Chemiesaal der Realschule am Schloss Borbeck statt.

Alte Kesselpauke und Dicke Trommel
Es ging recht rasch voran. 1961 verfügte das Orchester bereits über Instrumente im Wert von 9.500 Mark, darunter 13 Trompeten, 10 Klarinetten, 5 Althörner in Es, 4 Tenorhörner (s. Foto unten), 4 Posaunen, 3 Bässe, zwei Kesselpauken, 1 Großtrommel, zwei Becken, 1 kleine Trommel, 1 Lyra, eine Querflöte und 3 Saxophone. Unterrichtet wurden die Jungen von Josef Reuber, dem Leiter des Altendorfer Blasorchesters, und von Ferdinand Hoffmann, 1. Trompeter des Essener Jugend-Sinfonie-Orchesters und Schüler des späteren SJB- und RBB-Dirigenten Reinhold Knust. Als Privatlehrer standen Theo Hülsken (Trompete), Heinrich Witte (Klarinette), Bruno Crom (Tenorhorn), Paul Baum (Posaune), Willi Böttcher (Tuba) und Wolfgang Eisenberg (Tenorhorn) vom Altendorfer Blasorchester zur Verfügung. Die Ausbildung war kostenlos. Vor dem Eintritt ins Orchester mussten die Bewerber eine Eignungsprüfung ablegen, wie das Bild mit Reinhold Knust von 1968 zeigt.


Uniformen der Anfangszeit
Zunächst trugen die Jungen bei Konzerten ein weißes Hemd, eine kurze dunkelblaue Hose, weiße Kniestrümpfe, eine schwarze Mozartschleife, schwarze Halbschuhe und sauber geputzte Instrumente. Um 1962 kamen eine graue (hellblaue), eine lange Popeline-Hose und eine ziegelrote Jacke mit Essener Stadtwappen dazu. Auf die linke Brustseite von Hemd und Jacke war das Essener Stadtwappen aufgenäht, der Namenszug der Schönebecker wurde mit Druckknöpfen befestigt. Nicht zu vergessen die Prinz-Heinrich-Mütze, die das SJB erstmals bei der 2. Sport- und Musikshow der Essener Polizei in der Essener Grugahalle trug. Kopfbedeckung war verpflichtend!

Prinz-Heinrich-Mütze
Die ersten Auftritte fanden meist bei privaten Anlässen beispielsweise als Geburtstagsständchen statt. 1960 kamen das Weihnachtskonzert und die bis heute gepflegten Weihnachts-Ständchen am zweiten Feiertag in Borbecker Altenheimen und Krankenhäusern dazu. Außerdem wirkten das SJB bei Konzerten renommierter Orchester und Chöre in der Gaststätte „Schönebecker Schweiz“ mit. So ergänzten sie beispielsweise mit kleinen Stücken das Musikkorps der Schutzpolizei Essen, den Steeler Kinderchor und 1961 das Musikkorps der Luftwaffe Münster, das die Patenschaft über das jungen Orchester übernahm.
Beim Jahresfest der Stadt Essen im Saalbau 1961 trugen die Jungen zum ersten Mal weiße Hemden mit Essener Stadtwappen. Immer häufiger bediente sich die Stadt der musikalischen Performance des SJB, das in seiner Zusammensetzung zum damaligen Zeitpunkt einmalig war und mit dem man gern, beispielsweise beim Essener Sechstagerennen 1961, renommierte.

Foto mit Hauptmann Schade vom LMK 1961

Notenblatt In heilger Nacht, Rechts: Notenblatt Reichswehrmarsch
Das Repertoire umfasste 1961 bereits 15 Titel, darunter „Stille Nacht, heilige Nacht“, das Weihnachtslieder-Potpourri „In heil’ger Nacht“ von Heinz Egidius, einige Märsche wie „Im grünen Tal“ von Theo Hülsken, der „Reichswehrmarsch“ von Johann Gottlieb Brussig, die Märsche „Im Morgengrauen“ und „In die weite Welt“ von Gustav Gnauck und der „River Kwai Marsch“ in der Bearbeitung von Kenneth J. Alford. Dazu Volkslieder wie „Der Mai ist gekommen“, „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Im schönsten Wiesengrunde“.

Ankunft der Schweden auf dem Borbecker Marktplatz 1964
Die ersten Ausflüge und Orchesterfahrten führten nach Schloss Burg an der Wupper (1961) und ein Jahr darauf nach Burg Stahleck am Rhein mit Konzerten in Bad Breisig, Boppard und Rüdesheim, aus deren Erlös ein Teil der Fahrtkosten bestritten wurde. Die komplette Verpflegung während des Aufenthalts lag in den Händen der Betreuer und Eltern der Jungen. Auch die Jungs mussten mit anpacken: Wecken um 7.00 Uhr und anschließendes Schälen von etlichen Pfund Kartoffeln. 1964 kam es zu den ersten Begegnungen mit dem Jugendblasorchester aus Sjöbo in Südschweden mit dem Hinweis, für die Fahrt nach Schweden eventuell Rasierzeug, aber auf keinen Fall Kartoffelsalat mitzunehmen. Ein Jahr später gab es den Wechsel im Dirigat von Josef Reuber zu Reinhold Knust.

Das SJB 1966

Josef Reuber und Reinhold Knust 1965
Und so raste die Zeit unaufhaltsam dahin. In den 1960er-Jahren wurden erste Forderungen nach einem Mitspracherecht des Orchesters laut. Ab 1965 gab es zwei Orchestervertreter ohne Stimmrecht im Vorstand. Die ersten Musiker wurden zur Bundeswehr eingezogen. 1970 fand die erste Orchesterversammlung statt. 1976 wurden die ersten Musikerinnen in das Jungenorchester aufgenommen. Im gleichen Jahr wurde die Reinholds Brass Band aus ehemaligen Schönebeckern gegründet.
Überstanden wurde die wilde Zeit der „Halbstarken“, der „Rock’n Roll-Generation und der Studentenbewegung. Überstanden wurde der schwierige innere Prozess der Auseinandersetzung über divergierende Erziehungsauffassungen, Handlungskonzepte und Umgangsformen, verbunden mit einem wachsenden Legitimationsdruck auf die Vereinsfunktionäre. Überstanden wurde auch der Widerstreit zwischen Traditionalismus und Anpassung an die Moderne.
Stets stand das SJB im Spannungsfeld zwischen Tradition, Kontinuität und Wandel. Da spannt sich der Bogen vom Lied „Stille Nacht, heil‘ge Nacht“ zu den anspruchsvollen Stücken von heute und von der ersten Orchesterfahrt 1960 an den Rhein zu den Konzertreisen durch Deutschland, Europa und die ganze Welt. Stets versuchte und versucht der Förderkreis, den durch die Satzung vorgegebenen musikpädagogischen und persönlichkeitsbildenden Auftrag zu erfüllen. Dies geschieht durch Projekte wie „Haste Töne“ in Kindergärten und Schulen, durch Brückenschlagkonzerte in Senioreneinrichtungen und durch nationale und internationale Jugendbegegnungen auf Konzertreisen mit Impulsen für den grenzüberschreitenden europäischen Gedanken.

Dabei ist der familiäre Ursprung bis heute erkennbar und wirksam geblieben. Das SJB mit seinem Förderkreis ist bei aller Professionalisierung immer auch ein Familienunternehmen geblieben. Viele Familien sind über Generationen mit Orchester und Förderkreis verbunden. Das SJB ist ständig unterwegs und doch immer da. Immer in Bewegung, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren. Es hält die Balance zwischen Bodenständigkeit und Unterwegsein, zwischen Affirmation und Aufbegehren, zwischen Nicken und Kopfschütteln. Mal laut, mal leise, mal langsam, mal schnell. Ständig unter Spannung im steten Wechsel der Generationen.
Das ist die ständige Herausforderung: Junge Menschen an die Musik heranzuführen, sie zu betreuen, auszubilden und zu erziehen, sie Erfahrungen sammeln und selbstständig werden zu lassen. Um sie dann mit 25 Jahren in den musikalischen Ruhestand zu schicken. Egoisten und Solisten finden im SJB keine oder nur für kurze Zeit eine Heimstatt. Gesucht und gebraucht wird der verlässliche junge Mensch mit musikalischer und sozialer Kompetenz, der musikalisch gut ausgebildet und gemeinschaftsfähig ins Leben entlassen wird. Missklänge hat es in der Geschichte des SDJB immer wieder gegeben. Personenbezogene, wirtschaftliche, musikalische. Die Chronik ist voll davon.
Aufs Ganze dominiert aber, wie es sich für ein Orchester geziemt, die Harmonie. Nicht eine Harmonie um jeden Preis. Das SJB ist, wie jede Familie, eine Bombe mit rosa Schleifchen. Eine Gemeinschaft mit Konfliktpotenzial auf unterschiedlichen Ebenen zwischen Bewahrern und Fortschrittlern, zwischen Traditionalisten und Reformern. Das SJB ist eine Gemeinschaft mit Zukunft. Und so kann die Schönebecker Musikfamilie mit Udo Jürgens einstimmen und aller Welt verkünden:
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an,
mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran,
mit 66 Jahren, da kommt man erst in Schuss,
mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss.
Franz Josef Gründges
Quellen
Die abgebildeten Uniformen und Instrumente stammen aus den Archivbeständen des SJB. Aufnahmen: Jörg Schüßler. Für das Notenarchiv ist Andreas Bolz zuständig, der ein Jahr älter als das SJB ist.
Bei der Suche nach den Namen der ersten Musiker hat sich Detlef Neumann hervorgetan. Er ist auch auf das erste Foto gestoßen. Er selbst ist „erst“ Ende Dezember 1960 ins SJB eingetreten. Auch Theo Bergmann, Trompeter der ersten Stunde, hat in seinen Erinnerungen gekramt und einiges zutage gefördert. Allen ein herzliches Dankeschön!