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BORBECK. Pfr. em. Franz-Josef Reidick, am 24. September 1934 geboren, ist in den frühen Morgenstunden des 5. August 2026 gestorben. Der fast 92-Jährige schaute auf ein langes Leben als engagierter Seelsorger zurück. Geprägt war Franz-Josef Reidick durch die katholische Pfarrjugend St. Dionysius. Der Sohn des Bergmanns Franz Reidick und seiner Ehefrau Josefine in der Pausmühlen-Siedlung lernte das Tischlerhandwerk bei der Borbecker Firma Möbel Bücking, schreinerte an den Kirchenbänken und Beichtstühlen der Dionysiuskirche mit und erlangte neben seiner beruflichen Tätigkeit die Hochschulreife. Der Borbecker Pfarrer Brokamp „entschied aber, dass er Priester werden müsse“, so berichtete Reidick später schmunzelnd.
Nach dem Abitur 1956 folgte das Studium der Theologie und am 21. Dezember 1961 die Priesterweihe. Die Primizmesse, seine erste Hl. Messe, feierte er am 2. Weihnachtstag, 26. Dezember 1961, bei schneidend kalten Minusgraden in der Dionysiuskirche und erhielt als Primizgeschenk den Kelch des verstorbenen Pastors Johannes Brokamp. Ab Januar 1962 wirkte der Neupriester als Kaplan an St. Josef und Medardus in Lüdenscheid. In den weiteren Stationen seines priesterlichen Wirkens war er unter anderem Assistent des Generalvikars Josef Krautscheidt im Bischöflichen Generalvikariat Essen, Domvikar und hauptamtlicher Religionslehrer. 1977 übernahm Franz-Josef Reidick die Aufgabe als Pfarrer von St. Augustinus und St. Monika in Volmarstein und als Seelsorger in der Jugend-Arrestanstalt für Mädchen in Volmarstein. 1986 wurde er Pfarrer in St. Georg in Essen-Heisingen.
Sehr nahe stand Franz-Josef Reidick der Fokolarbewegung, benannt nach dem italienischen focoli („Feuerstelle“ oder „Heim“). Die 1943 von Chiara Lubich im italienischen Trient gegründete und 1962 von Papst Johannes XXIII. anerkannte katholische Gemeinschaft will den Geist der Geschwisterlichkeit und der weltweiten Einheit im Sinne des Jesus-Wortes „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21) in Kirche und Gesellschaft fördern. Gemäß ihrer und seiner eigenen Spiritualität kämpfte Franz-Josef Reidick darum, im Bistum Essen eine „Vita communis“ bilden zu dürfen. 1994 erlaubte Bischof Hubert Luthe die Errichtung einer Wohngemeinschaft von drei Priestern der Fokolarbewegung in Duisburg, wo Reidick als Pfarrer an St. Peter in Duisburg-Hochfeld 15 Jahre tätig wurde. Von dort organisierte er fast 30 Pilgerfahrten mit hunderten Teilnehmern nach Rom.
2009 wurde Pastor i.R. Reidick im Alter von 75 Jahren von all seinen Diensten entpflichtet,in den Ruhestand versetzt und kehrte in seine Heimatgemeinde St. Dionysius zurück. Hier wohnte der von ganz praktischer Frömmigkeit geprägte Seelsorger mit dem ebenfalls aus Borbeck stammenden Pfr. em. Heinrich Grafflage in der Rechtstraße und übernahm dort für beide nicht nur das Kochen, sondern unterstützte tatkräftig die Seelsorger der Gemeinde. Am 18. Dezember 2021 konnte er nach 60 Jahren im priesterlichen Dienst in der überfüllten St. Dionysiuskirche Essen-Borbeck ein Dankamt zu seinem Diamantenem Priesterjubiläum feiern. Im Dezember des Jahres 2026 hätte der bodenständige, bescheidene und sehr humorvolle Franz-Josef Reidick sein 65-jähriges Priesterjubiläum begehen können.

Eine große Trauergemeinde nahm am 12. August mit einem Requiem in der Pfarrkirche St. Dionysius Abschied von Pastor i.R. Franz-Josef Reidick. Der Essener Dompropst Dr. Michael Dörnemann verlas einen Trauerbrief von Bischof Franz-Josef Overbeck, der das Lebenswerk des engagierten Geistlichen würdigte. Viele Gläubige und Weggefährten - auch aus der geistlichen Gemeinschaft der Fokolarbewegung, die Eucharistische Ehrengarde und mehr als ein Dutzend Priester begleiteten Pastor Reidick auf den letzten Weg zur Bestattung in der Priestergruft auf dem Friedhof an der Hülsmannstraße. Die Pfarrei dankte für sein fast 65-jähriges Wirken im priesterlichen Dienst: „Wir sind voll Dankbarkeit für sein Leben und seinen Dienst und voll christlicher Hoffnung, dass er nun den schaut, an den er selbst geglaubt und den er verkündigt hat.“
Weiterer Artikel:
15.12.2021: Kreul, H.-W., Diamantenes Priesterjubiläum von Pastor Franz-Josef Reidick. Am Samstag, 18. Dezember, Dankamt in der St. Dionysiuskirche Essen-Borbeck
Foto: Pfarrgem. St. Dionysius Borbeck

Franz-Josef Reidick stand mehrfach in den letzten Jahren gerne für Radiointerviews bereit. Hier einige Zitate aus Beiträgen der Katholischen Kirchenredaktion im Privatfunk NRW:
„Glauben allein geht nicht, geht nur in Gemeinschaft, geht nur, weil er Geschenk ist. Und Geschenk entsteht durch andere in der Gemeinschaft. Nur so. Als Seelsorger, als Priester haben wir keinen anderen Wunsch, als die Leute mit Christus in Berührung zu bringen. Und das ereignet sich nur in der Gemeinschaft, wenn die Gemeinschaft, die Gemeinschaft der Glaubenden feiert und zusammenkommt und der Verheißung gemäß ihn in der Mitte haben darf, ja noch viel, mit ihm eine Person sein kann. Der mystische Leib: Er das Haupt, wir die Glieder - una Persona, mit ihm, dem Auferstandenen, der lebt. Und der uns auch durch das Schweigen des Todes bringt.
Also im Anderen Christus sehen ist für mich das Stichwort. Im Anderen Christus sehen. Aus seinem eigenen Wort: Was ihr dem geringsten meiner Brüder tut, habt ihr mir getan. Wie ich mich zu Menschen verhalte, bezieht Christus auf sich selber. Weil er den Menschen liebt, ist er genauso betroffen, wenn ich ihn beleidige wie der, der beleidigt wird. Also im Anderen Christus sehen. Das geht über Ostern hinaus, das geht über den Gottesdienst hinaus, das ist ständig. Auf jeden Fall. Anders ist Kirche nicht verstehbar.
Zweifel werden wir nie ausschalten können. Der gehört zur Wahrheitssuche. Ohne Zweifel fragt man nicht nach der Wahrheit. Letztlich ist er selber, der am Ende der Tage die sieben Siegel lösen muss und uns die Augen ganz öffnen muss für die Wirklichkeit, die wir jetzt nur ahnen können, uns annähern können. Er, Jesus ist für mich heilsnotwenig. Und wir werden ihn sehen."