Michels, Josef

Josef Michels wurde als Sohn des Gärtnereibesitzers Josef Michels und seiner Ehefrau Anna, geb. Herrlich, am 4. Juli 1910 in Borbeck (Hülsmannstraße) geboren. Nach dem Besuch der katholischen Volkschule und des Gymnasiums Borbeck, wo er 1929 sein Abitur ablegte, studierte er an den Universitäten Bonn, Paris und Erlangen deutsche Literatur, Philosophie und Pädagogik. 1933 promovierte er bei dem Germanisten Benno von Wiese mit einer Arbeit über das Formproblem des jungen Goethe im „Werther“. Michels verfasste als kulturpolitischer Mitarbeiter Beiträge für Zeitungen und war als Dozent an der Hamburger Volkshochschule und an den Akademischen Kursen in Essen tätig.

1938 ging er nach Wien. Dort wirkte er als kulturpolitischer Schriftleiter am Aufbau der Wiener Ausgabe des „Völkischen Beobachters“ mit. Während seiner dreijährigen Tätigkeit in Wien verfasste Michels rund 200 namentlich gezeichnete Artikel im „Völkischen Beobachter“. Der NSDAP gehörte er seit Mai 1937 an, blieb jedoch politisch unauffällig. Im Dezember 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, zuerst als Artillerist, später als Kriegsberichterstatter einer Propagandaeinheit bei der Infanterie. Michels galt beim Oberkommando der Wehrmacht als zuverlässiger Volksgenosse, der Vorträge über das „Volkstum" hielt und für den Kulturbund Führungen für ausländische Besucher durchführte.

Im Laufe des Krieges wurde er als Leutnant d.R. an der Ostfront und auf dem Balkan eingesetzt. Im Januar 1944 erlitt er eine schwere Verwundung (Beinamputation) und schied aus der Wehrmacht aus. Die ersten Jahre nach dem Krieg verbrachte Michaels als Flüchtling in ärmlichen Verhältnissen auf einem Bauernhof in der Börde und in einem Dorf am Hellweg (Büderich). Einem Entnazifizierungs-Verfahren musste er sich offenbar nicht unterziehen.

Michels setzte schon bald seine journalistische und literarische Tätigkeit fort. Seit 1952 war er Leiter der Volkshochschule und des Stadtjugendamts in Münster. Im März 1964 nahm er einen Ruf an die Universität Freiburg an. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 7. Dezember 1964. Michels verfasste neben Abhandlungen über Adalbert Stifter und Clemens Brentano auch heimatgeschichtliche Werke, u.a. den Prosatext „Die Kiesschlucht. Drei Bauerngeschichten“ (1933) sowie die Romane „Flammen im Emscherbruch“ (1940) und „Schlagende Wetter“ (1947). Bereits 1940 erhielt Michels die Adalbert-Stifter-Gedenkmünze. (FJG)

Quellen: Romeo Felsenreich. Magisterarbeit über Journalisten des „Völkischen Beobachters“. Wien 2012. – Wolfgang Sykorra: Von der Penne in die Welt. Borbecker Porträts (Hrsg. Lothar Böning). Essen 2013. – Andreas Koerner: Zwischen Schloss und Schloten. Die Geschichte Borbecks. Bottrop 1999. – Erwin Dickhoff: Essener Köpfe. Essen 2015.

 

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