Hülsebusch, Hermann

Hermann Hülsebusch wurde am 2. Dezember 1883 in der Niederstraße 185 in Essen-Borbeck (heute: Weidkamp 183) als Sohn des Gastwirts Hermann Hülsebusch und seiner Frau Franziska geboren. Hermann hatte zwei jüngere Schwestern, Maria und Franziska. Die Eltern führten eine Gaststätte an der Kreuzung Weidkamp/Levinstraße in Höhe der Köln-Mindener Eisenbahnlinie.

Nach dem Besuch der Volksschule (vermutlich wegen der räumlichen Nähe die kath. Volksschule Vogelheim II am Ende des Weidkamp im Brauk) absolvierte Hermann Hülsebusch von 1906 bis 1908 eine Ausbildung an der Großherzoglich Hessischen Baugewerk- und Gewerbeschule Bauschule Bingen und besuchte danach von 1908 bis 1909 die Technische Hochschule Darmstadt. Nach der Heirat im Jahre 1910 eröffnete er im Elternhaus ein Büro als freier Architekt.  

Die Vikarie am Dionysius-Kirchplatz, Architekt: Hermann Hülsebusch 1915

 

Hermann Hülsebusch lieferte Entwürfe für Einzelbauten und Siedlungsbauten, vornehmlich in Bergmannssiedlungen. Bauherren waren in der Regel Spar- und Baugenossenschaften, Arbeiter Spar- und Bauvereine und gemeinnützige Siedlungsgenossenschaften. In Essen-Dellwig baute er 1913 an der Ecke Levin- und Haus-Horl-Straße das Gasthaus „Zur Krone“. Bauherr war der Gastwirt Franz Sandgathe.

Architekt Hermann Hülsebusch, Wohnsiedlung Herskamp: Dachsfeld 20-38, Herskamp 36-50, 39-47 in Essen-Dellwig, Bauherr: THS Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten, Abteilung Bergmannssiedlung Mülheim-Borbeck, Baujahr: 1922-24

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Verbot der christlichen und freien Gewerkschaften verlor Hermann Hülsebusch seine wichtigsten Auftraggeber. Immerhin konnte er durch einen Werkvertrag mit der Stadt Essen in den Jahren 1931 bis 1943 Einnahmen erzielen. Während des Krieges kamen Einnahmen durch den Bau von Luftschutzkellern und durch die Beseitigung von Bombenschäden hinzu.

Nach dem Krieg musste sich Hermann Hülsenbusch einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Seit Ende 1933 war er Mitglied der Reichskammer der Bildenden Künste gewesen, im Laufe des Jahres 1934 war er der NSDAP beigetreten. In den Jahren 1943 bis 1945 hatte Hülsebusch in der Reichskulturkammer den Rang eines Sturmführers bekleidet. Im Entnazifizierungsverfahren traten die damals üblichen Entlastungszeugen auf. Im Fall Hülsebusch waren das unter anderem Pfarrer Johannes Brokamp und Franziska Imbusch, Ehefrau des verstorbenen Gewerkschaftlers Heinrich Imbusch (1878-1945). Nach ihrer schriftlichen Erklärung hat Hermann Hülsebusch ihren Mann im Juli 1933 durch den Transfer mit dem Auto zur luxemburgischen Grenze vor dem Zugriff der Gestapo bewahrt.

Hülsebusch, so Frau Imbusch, sei zu keiner Zeit ein „Aktivist der NSDAP“ gewesen. Trotz der Einlassungen der Entlastungszeugen war Hermann Hülsebusch zunächst in die Belastungskategorie IV „Mitläufer“ eingestuft worden, verbunden mit einer Vermögenssperre. Dagegen legte in seinem Namen der Borbecker Rechtsanwalt Hubert Kohlmann im April 1948 erfolgreich Berufung ein. Daraufhin wurde Hermann Hülsenbusch der Kategorie V zugeordnet und galt damit als entlastet.

Hermann Hülsebusch wurde nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens wieder als Architekt tätig. Unter anderem war er für den Neubau Korsch in der Gerichtsstraße verantwortlich und übernahm die Bauleitung beim Bau von Bergmannswohnungen und bei diversen anderen Neu- und Umbauten.

Am 18. Dezember 1954 ist Hermann Hülsebusch an den Folgen eines schweren Herzleidens in Borbeck gestorben. In der Todesanzeige nahmen der Sohn Hermann Hülsebusch (vermisst in Russland), die Tochter Anneliese List, geb. Hülsebusch, ein Bruder, ein Schwager, ein Onkel und acht Enkelkinder Abschied.

FJG

 

Siedlungsbauten (Auswahl)

Siedlung „Karnap“, Baujahr 1920-1929 (nach Plänen von Regierungsbaumeister Emil Jung und Hermann Hülsebusch), 392 Wohnungen, Sigramberweg 17-33, 22-40 (seit 1936 Wilhelmshavener Straße), Timpestr. 29-33, Wörmannstr. 10-16, Bauherr: Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten im Rheinisch-Westfälischen Steinkohlenbezirk GmbH (THS). [Quelle: s.o.].

Wohnsiedlung „Glückauf“ in Königssteele, Baujahr 1920/21, 28 Wohnungen.

Essen-Frintrop, Baujahr 1920/21, 14 Wohnungen für Bergleute, Bauherr: Arbeiter- und Baugenossenschaft „Bergmannsruh“.

Wohnsiedlung in Essen-Steele, Baujahr 1921, Bauherr: Spar- und Baugenossenschaft „Bergmannsheim“.

Wohnsiedlung Pausmühlenstraße (früher: Bergmannssiedlung Heimatliebe), Baujahr 1921/1922, 36 Eigenheime, Pausmühlenhegge 1-15, Pausmühlenstraße 43-49, Bauherr: Arbeiter-Spar-und Baugenossenschaft Heimatliebe. [Quelle: s.o.].

Siedlung Auf dem Eichholz Essen-Frintrop, Baujahr 1921-1923, Bauherr: Spar- und Bauverein „Wohlfahrt“.

Wohnsiedlung Herskamp, Baujahr 1922-1924, 52 Wohnungen, Dachsfeld 20-38, Herskamp 36-50, 39-47, Bauherr: Treuhandstelle für Bergmannswohnstätten (THS), Abteilung Bergmannssiedlung-Mülheim-Borbeck. [Quelle: Online-Architekturführer Ruhrgebiet, Autor Robert Wetzel - abgerufen am 28.06.2024].

Bergmannssiedlung Essen-Horst GmbH., Baujahr 1928-1930, 190 Wohnungen, Herderstraße (heute: Wörmannstraße).

Siedlung in Essen-Schonnebeck, Baujahr 1929-1930, 38 Wohnungen, Steinmannshofstraße/Rathenaustraße (heute Langemarckstraße), Bauherr: Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft „Eigene Tat“.

 

Literatur über Hülsebusch

Siedlungen von Hermann Hülsebusch, Architekt, V.R.A., Essen. Mit einer Einleitung von Hermann Hagedorn, Düsseldorf 1931.

 

Quellen

Koerner, Andreas: Hermann Hülsebusch Architekt, in: Borbecker Beiträge  2/2017
Koerner, Andreas: Mitgliederbrief [des Kulturhistorischen Vereins Essen-Borbeck] 3/1991
Borbecker Nachrichten Nr. 5 vom 04.12.1953
Wetzel, Robert: Online-Architekturführer Ruhrgebiet [abgerufen am 28.06.2024]

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