Gunkel, August

Heimatkundler und Naturschützer

August Gunkel wurde am 30. September 1885 in Weißkirchen (heute: Stadtteil von Oberursel) im Obertaunus geboren. Nach Abschluss seines Studiums am Lehrerseminar in Montabaur kam er nach Borbeck. Auf Vorschlag des Direktors Dr. Joseph Cüppers wählte ihn das Schulkuratorium mit Wirkung vom 1. April 1912 zum Elementarlehrer am Gymnasium Borbeck.   

Bei seinen Schülern galt August Gunkel, selbst Vater von sechs Kindern, als liebenswerter Pädagoge und geübter Vogelstimmenimitator. Als engagierter Heimatkundler und Naturschützer leistete er Pionierarbeit. 1927 gründete er den Borbecker Verein der Heimat- und Naturfreunde. 1931 verfasste er eine „Denkschrift zur Errichtung einer städtischen Zentrale für die Heimatpflege“. Sie scheiterte am Widerstand der etablierten Essener Heimatforscher, die wie der damalige Vorsitzende des Historischen Vereins für die Geschichte von Stadt und Stift Essen Karl Mews die Auffassung vertraten, dass Heimatgefühl nicht von einer „Zentrale“ amtlich vermittelt werden könne.

Der umtriebige August Gunkel ließ sich dadurch nicht beirren. Er hielt weiterhin Vorträge, organisierte Ausstellungen und meldete sich mit immer wieder neuen Ideen zu Wort. Im September 1931 berichtete die örtliche Presse von Gunkels Plan, im Borbecker Schlosspark eine Vogelzucht- und Vogelschutzstation sowie ein Heimatmuseum einzurichten. Auch ein Geflügelhof, Volieren, der Bau einer Jugendherberge und Borbecker Heimattage gehörten zu seinen Ideen, über die ein lebendiges Heimatgefühl – insbesondere in der Arbeiterschaft – vermittelt werden sollte. Da ist es nicht verwunderlich, wenn der Schulleiter Wilhelm Vollmann einen solchermaßen engagierten Lehrer nicht weggeben mochte.

Zur amtlich vorgesehenen Versetzung von August Gunkel schrieb der Direktor im März 1935, man möge davon Abstand nehmen, weil dieser „in besonders erfolgreicher Weise hier den Gedanken des Natur- und Heimatschutzes seit 20 Jahren geweckt und gefördert hat (…).“ Direktor Vollmanns Einsatz war vergeblich. Im März 1936 wurde der Oberschullehrer August Gunkel im Zuge der Arbeitsbeschaffung für Studienassessoren an die katholische Volksschule Borbeck I versetzt (heute: Dionysiusschule).

Dass ein so leidenschaftlicher Naturschützer und Heimatpfleger auch mal übers Ziel hinausschießen konnte und sich Feinde machte, belegt Gunkels Einlassung zum Bau der Gimkenhof-Siedlung, durch die seiner Meinung nach die neben dem Schlosspark einzige größere Borbecker Grünfläche zerstört werde. Sein böser Kommentar: „Eine Siedlung ohne ausgebaute Wege, ohne Kanalisation, ohne Licht und Wasser ist im Bereich der Großstadt und erst recht im Gelände des Reuenbergs ein Negerdorf in deutscher Heimat.“ Das „Negerdorf“ nimmt man ihm in der Siedlung noch heute übel.

Seine Lehrerlaufbahn führte August Gunkel von der kath. Volksschule Borbeck I zunächst zur Evangelischen Volksschule Borbeck III in der Borbecker Str. 20 (Wolfsbankschule), wo er 1941 unterrichtete. Vermutlich wurde er während des Krieges und auch noch kurz danach in der Kinderlandverschickung eingesetzt. 1946 war er als Lehrer für evakuierte Schüler aus dem Ruhrgebiet in Kempten (Allgäu) beschäftigt. Im gleichen Jahr erfolgte seine Ernennung zum Rektor einer Volksschule in Bork, Kreis Lüdinghausen. Dort ist August Gunkel am 19. Juni 1952 im Alter von 66 Jahren gestorben.  (FJG)

Quellen: Klaus Lindemann: Das Gymnasium Borbeck seit der Kaiserzeit. Essen 2005, S. 143. – Franz Josef Gründges: Gymnasium Borbeck 1905-1980. Essen 1980, S. 33. – Andreas Koerner: Auguß kennt jeden Vuegel – über die Naturschützer August Gunkel und Karl Oberkirch. In: Borbecker Beiträge 2/2005, S. 64-67 (Gunkel).

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