1950 bis heute: Ende des Bergbaus und Gegenwart

Nachkriegsjahre und Ende des Bergbaus

Zu den Belastungen durch die Zerstörungen des Krieges kommt für Borbeck die Demontage des Kruppschen Hüttenwerks. Tausende von Krupparbeitern sind hier von 1946 bis 1949 damit beschäftigt, ihre Arbeitsplätze abzubauen und alles wird nach Russland verschickt. Doch die Kohlebergwerke waren noch da: Man wirbt mit sicheren Arbeitsplätzen und guter Bezahlung, viele Neubergleute kommen, doch dann folgen Absatzprobleme. Wo der Ruhrbergbau einst in großem Stil begonnen hatte, wird er nun auch als erstes wieder eingestellt: 1966 schließen die letzten Borbecker Zechen Wolfsbank II und Christian Levin. Auch die seit 1958 auf dem Gelände der demontierten Kruppschen Hütte errichtete Rennanlage kommt nie richtig in Schwung. Die Zinkhütte stellt am 28.3.1968 die Zinkverhüttung und am 12.1.1972 die Schwefelproduktion ein.

Eine neue Nutzung erfährt unterdessen Schloss Borbeck: Die Familie von Fürstenberg, die hier seit 1827 lebte, verkaufte es mit dem Park 1941 an die Stadt Essen, die dort nach dem Krieg zunächst Notwohnungen einrichtete. Seit 1960 nutzen nun einige Ämter die ehemalige Residenz, in der nach empfindlichen Umbauarbeiten die Stadtarztstelle, das Einwohnermeldeamt und das Standesamt untergebracht werden. Erst mit dem Umzug der Dienststellen in das neue Verwaltungsgebäude am Germaniaplatz sind die Schlossgebäude frei für eine neue Nutzung. Das Wirtschaftsgebäude wird nach einem gründlichen Umbau zum Bürgerzentrum. Schloss Borbeck, das die Folkwang-Musikschule, ein Museum zur Stiftsgeschichte und eine Gastronomie beherbergt, ist aus dem kulturellen Leben Borbecks nicht mehr wegzudenken.

Proteste und Bürgerinitiativen

Chancen für neue Arbeitsplätze eröffnet nach dem Ende des Bergbaus der Bau einer neuen Aluminiumhütte auf dem Kruppschen Gelände. Die Essener Stadtväter ergreifen begeistert die Chance und am 18.4.1969 wird dazu der Grundstein gelegt. Doch es erhebt sich bereits Protest gegen die seit über 100 Jahren ertragene Umweltzerstörung. Am 31.1.1962 wird in Dellwig die „Interessengemeinschaft gegen Luftverschmutzung e.V.“ gegründet – eine der ersten in Deutschland - und der Arzt Dr. Clemens Schmeck wird der erste Vorsitzende.

Auch andere Projekte werden verhindert: Der Plan einer Autobahn durchs Hexbachtal bringt die Bürger ebenso auf die Barrikaden wie die Gefahr der Vernichtung des Panzerbauwaldes. Eine großangelegte autofreundliche Sanierung von Borbeck-Mitte fällt deutlich kleiner aus als geplant, stattdessen fährt die Straßenbahn durch eine der ersten neuen Fußgängerzonen Deutschlands. Seit 1986 kämpfen alte und neue Bürgerinitiativen gegen die geplante Giftmüllverbrennung im Stadthafen, 100 Borbecker Ärzte protestieren dagegen in einem gemeinsamen einen Aufruf.

Auch der Abriss alter Gebäude wird nicht mehr schweigend hingenommen: So wird Voßgätters Mühle gerettet und gegen den drohenden Abriss des Steenkampskotten gründet sich der Kultur-Historische Verein Borbeck e.V.. Er renoviert das 200 Jahre alte Bauernhaus und richtet dort ein bäuerliches Museum ein. Wie stark die Umwelt bereits zerstört ist, zeigt sich bei der Bebauungsplanung des Zinkhüttengeländes: Hier ist der Häuserbau bereits in vollem Gang, als 1986 bekannt wird, dass gefährliches Gift im Boden steckt.

Für 1981 ist eine Bundesgartenschau in Borbeck vorgesehen, doch entscheidet man sich nach einem Vergleich von Kosten und Nutzen mit der Begrünung des Essener Nordens für eine Alternative: Die Residenzaue, das ehemalige Ziegeleigelände an der Münstermannstraße und der Streifen parallel zur Bahn am Bahnhof Borbeck gehören zu den neu entstandenen Grünflächen. Auch die Renaturierung des erst 1960 kanalisierten Läppkesmühlenbachs gehört zu den Beispielen einer neuen Politik.

Das alte Borbeck ist fast vollständig verschwunden. Vieles von dem, was die Bomben des Krieges nicht zerstört hatten, wurde in der Nachkriegszeit abgerissen. Doch wurde auch viel Neues errichtet: Zwei Realschulen entstanden, das Mädchengymnasium, das Hallenbad, einige Kirchen, die neue Polizeiwache, das neue Bethesdakrankenhaus, das später allerdings vom Philippusstift übernommen und wieder aufgegeben wurde. Die Zukunft des inzwischen mit den Katholischen Krankenhäusern in Stoppenberg und Altenessen fusionierten Hauses steht derzeit ebenfalls zur Debatte. Wer die Geschichte kennt, weiß, dass die Zukunft stets voller Überraschungen steckt - hoffentlich erfreulichen.

Christof Beckmann / Andreas Koerner

Quellen: Dr. Franz Goebel, 800 Jahre St Dionysius Borbeck. Aus der Geschichte einer Pfarrgemeinde, in: DAS MÜNSTER AM HELLWEG. Mitteilungsblatt des Vereins für die Erhaltung des Essener Münsters (Münsterbauverein e.V.), 20. Jahrgang, November 1967, Heft 11, 127-142; Andreas Koerner: „Zwischen Schloss und Schloten" - Die Geschichte Borbecks, 1999.

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