Terrassenfriedhof wird 100

Der Terrassenfriedhof in Schönebeck feiert seinen 100. Geburtstag. Er wurde 1926 in Betrieb genommen.

0 22.07.2026

SCHÖNEBECK. Im Jahr 1923 hatte sich die Essener Stadtverwaltung unter der Leitung ihres Gartenbaudirektors Rudolf Korte (1878 – 1950) dazu entschlossen, das Essener Friedhofswesen umzugestalten. Denn die bisherigen Friedhöfe waren zu klein und lagen in den eingemeindeten Stadtteilen verstreut. Deshalb plante man die Anlage von drei sogenannten Zentralfriedhöfen. Der erste Zentralfriedhof war der Südwestfriedhof in Fulerum, danach entstand der Parkfriedhof in Huttrop. Ein weiterer großer Friedhof sollte den Stadtteil Borbeck und den gesamten Essener Nordwesten bedienen.

Die Suche nach einem Grundstück führte nach Schönebeck. Die Wahl fiel auf eine knapp 30 Hektar große Fläche unmittelbar an der Grenze zu Frohnhausen.

Bei der Planung nutzte Rudolf Korte die Topographie des Grundstücks bewusst aus. Denn der Standort des neuen Friedhofs war in die Borbecker Siepen eingebettet. Seinen Entwurf passte er deshalb an die natürliche Hügellandschaft der umliegenden Täler an. Da das Gelände teilweise stark abfiel, legte er Gräberfelder und Wege stufenartig an. Damit war die Bezeichnung für den neuen Zentralfriedhofs gefunden, der seinen Namen also seiner terrassenförmigen Gestaltung verdankt: Terrassenfriedhof.

Der Terrassenfriedhof ist eine kommunale Begräbnisstätte, die sich optisch stark von den gewöhnlichen flach angelegten Begräbnisstätten unterscheidet. Nach dem Parkfriedhof und dem Südwestfriedhof ist er der drittgrößte Friedhof der Stadt Essen. Der Haupteingang des Friedhofs befindet sich an der Heißener Straße, weitere Zugänge gibt es an der Herbrüggenstraße, der Böhmerstraße sowie am Kaldenhoverbaum, der zur Friedhofsverwaltung führt. Heute bietet der Terrassenfriedhof Platz für rund 15.000 Gräber.

Zu den belegten Gräbern gehören auch Gräberfelder, auf denen etwa 2000 Opfer (s. Gedenktafel) von Krieg und Zwangsherrschaft begraben sind. Der Friedhof gehört zu den Stellen, die das Buch Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert als Gedenkstätte für die von der NS-Diktatur verursachte Unterdrückung aufführt. Vor diesem Hintergrund ist der Terrassenfriedhof inzwischen Ziel von historischen Stadtteilbegehungen geworden, nicht zuletzt für Schulklassen.

Bei einer dieser Begehungen gedachten auch (auf dem Bild von li. nach re.) der inzwischen verstorbene Peter Bülter als Landesgeschäftsführer des Volksbunds DeutscheKriegsgräberfürsorge, Oberbürgermeister Thomas Kufen sowie der Landesvorsitzende des Volksbunds Thomas Kutschaty der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.

Bevölkerungsrückgang und eine veränderte Bestattungskultur haben dazu geführt, dass an die Stelle von Gräbern immer mehr Freiflächen getreten sind. Um auf artenarmen Rasenflächen die Biodiversität zu steigern, legt der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Zusammenarbeit mit „Grün und Gruga“ beispielsweise Wildblumenwiesen und „Insektenhotels“ als Bruthabitate für Wildbienen an.

Inzwischen ist der Terrassenfriedhof nicht nur ein Ort der Besinnung für Trauernde, sondern auch ein parkähnlicher Bereich für alle Menschen, die Erholung suchen. W.S.

Quellen

Hölter, Susanne / Koerner, Andreas: Schönebeck, Bedingrade, Frintrop: Grüne Schokoladenseiten, in: Weier, Michael et al. (Hrsg.), Essen entdecken. 18 Rundgänge, Essen 1996, S. 128-134 Schmidt, Ernst: Essen erinnert. Orte der Stadtgeschichte im 20. Jahrhundert, Essen 1991 Scholz, Klaus (Hrsg.): Man war nie fremd. Die Essener Bergbaukolonie Schönebeck und ihr Stadtteil, Essen 2009 Wikipedia „Terrassenfriedhof“ – 20.7.2026 www.borbeck.de „Lexikon“ – 20.7.2026 Diverse Zeitungsartikel Bilder: borbeck.de, Stadt Essen, privat







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