St. Martinszug in Frintrop kann stattfinden

Ein wahrer Kraftakt, um Ordner zu finden, ist geschafft.

0 31.10.2023

FRINTROP. Das Wichtige vorweg: Der 56. Frintroper Martinszug am 4. November in Frintrop kann stattfinden.
Eine städtische Auflage für den Martinszug verlangt eine erhebliche Zahl an Orderinnen und Ordnern, die helfen, den Zug zu sichern.

Suche nach Helferinnen und Helfern war aufwändig

Da haben die ehrenamtlichen Frauen und Männer vom Bürger- und Verkehrsverein Frintrop ganze Arbeit geleistet. Lange stand die Durchführung des Zuges auf der Kippe. Dann hat man noch einmal intensiv die sozialen Netzwerke bedient, persönliche Ansprachen gemacht und Presseaufrufe gestartet. Auch der WDR hatte sich zuletzt noch angeboten, zu helfen. Die Mühe hat sich gelohnt, denn es gibt sie offensichtlich doch noch, die Frauen und Männer, die helfen und unterstützen wollen.
„Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, Menschen zu finden, die ein solches Gemeinschaftsprojekt unterstützen“, so BVV-Pressesprecher Rainer W. Seck. „Fehlendes soziales Engagement trifft auch mehr und mehr den Martinszug in Frintrop. Umso mehr danken wir allen, die sich kommenden Samstag für die gute Sache zur Verfügung stellen.“

Zug startet um 17.30 Uhr

Ausgangspunkt für den Zug ist wieder der Frintroper Markt. Dort stimmen ab 17 Uhr die ersten Musikgruppen auf den Martinszug ein. Auch das Finden der Musikgruppen ist dabei immer schwieriger. Viele Gruppen haben keinen Nachwuchs und lösen sich auf.
Um 17.30 Uhr setzt sich der Zug hinter St. Martin dann in Bewegung. Seit Jahrzehnten sichern dabei junge Sportlerinnen und Sportler vom Turnerbund Frintrop mit Seilen St. Martin vom Zug ab. Auch das ist eine Auflage der Stadt.

Zugstrecke hat ca. 2 Kilometer

Über die Seestraße, Helmstraße, Glockenstraße, den Höhenweg, die Frintroper Straße und die Schloßstraße geht es zum großen Martinsfeuer auf dem Donnerberg. Dort findet auch das Martinsspiel statt.
Polizei, Rotes Kreuz, der Automobilclub Rhein-Ruhr u.a. sichern den Zug neben den vielen Ordnerinnen und Ordnern zusätzlich ab. Immerhin ist auch die Bundesstraße 231 Teil des Zugeweges.

Verkauf von Losen finanziert die hohen Kosten

Mit dem Verkauf von Losen werden die immensen Kosten finanziert. Pferd, Reiter, Kapellen, Absicherungen und vor allem Versicherungen treiben die Ausgaben hoch. Ziel ist am Ende mit dem Losverkauf eine schwarze Null zu erzielen.
Als Gewinne gibt es Gutscheine, die bei Frintroper Gewerbetreibenden eingelöst werden können. Einige ortsansässige Unternehmer aus dem Einzelhandel und der Gastronomie haben selbst auch Herz gezeigt und Gutscheine gespendet. Eine tolle Geste der Solidarität mit dem Ortsteil.

Geschichte des Frintroper Martinszuges

Seit 1966 reitet St. Martin mit dem BVV durch Frintrop.Bis 1965 veranstalteten die Frintroper Schulen jeder für sich einen Martinszug. Gut 14 Tage vor dem traditionellen Martinszug in Frintrop wurde diese Traditionsveranstaltung abgesagt, da die Schulgemeinden den Martinszug aus verschiedenen Gründen nicht durchführen konnten.

Der BVV-Vorstand war der einstimmigen Meinung, dass diese Veranstaltung nicht untergehen dürfe und bereitete durch intensiven Einsatz innerhalb kürzester Zeit die Durchführung vor. Am 10. November 1966 war es dann soweit: Zum ersten Mal ritt St. Martin unter der Regie des Bürger- und Verkehrsvereines durch Frintrops Straßen. Nach Einschätzung der Polizei nahmen rund 5.000 Menschen daran teil.

Die Kosten konnten durch eine Hutsammlung bei der öffentlichen Versammlung in Unterfrintrop und durch den Verkauf von 400 Brezeln gedeckt werden, die die Frintroper Bäckereien zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellten.

Der finanzielle Aufwand beim 1. Martinszug war auch noch sehr überschaubar. Die einzige Kapelle, damals der Spielmannszug „Gut Freund“, der auch heute immer noch den Zug begleitet, kostete gerade 50 DM. St. Martin ritt für 20 DM auf seinem Schimmel. Auch das Kostüm musste man sich noch von einem Oberhauser Kostümverleih für 20 DM leihen. Ein weiterer Kostenpunkt waren auch noch Pechfackeln, die aber bereits seit Jahren wegen der hohen Brandgefahr nicht mehr im Zug mitgeführt werden dürfen. Insgesamt betrugen die Ausgaben 1966 gerade einmal 335 DM.

In den Jahren hat sich der Frintroper Martinszug zur weit und breit größten Veranstaltung dieser Art entwickelt. Da marschieren schon einmal fast 6.000 Menschen mit. Lediglich der Martinszug in Überruhr erreicht ähnlich hohe Teilnehmerzahlen. Glaubt man Wikipedia, dann sind die Martinszüge in Worms-Hochheim, Kempen am Niederrhein und Bochold mit 4.000 bis 6.000 Teilnehmern die größten in Deutschland. Also kann sich der Martinszug in Frintrop durchaus zu dem erlauchten Kreis der größten Martinszüge in Deutschland zählen.  

Routiniert, aber trotzdem mit der gebotenen Achtsamkeit, absolvieren die Vorstandsmitglieder des BVV diesen Zug. Bereits am Samstagmorgen trifft man sich auf der Wiese am Donnerberg und schichtet den großen Holzhaufen auf, wobei sorgsam darauf geachtet wird, dass nur trockenes und unlackiertes Holz zum Verbrennen genutzt wird. Denn das Feuer soll ja nicht qualmen oder stinken. Nach getaner Arbeit gibt es dann auch immer ein „Schnäpsken“.

Am späten Nachmittag kommt man wieder auf dem Frintroper Markt zusammen. Manchmal werden noch die restlichen Lose für die große Martinsverlosung verkauft oder es wird noch ein wenig geklönt. Derweil treffen nach und nach Heerscharen von Menschen auf dem Markt zusammen. Martinsmusik wird bereits zur Einstimmung gespielt, ja und irgendwann kommt dann auch St. Martin mit seinem Schimmel.

Aber bevor St. Martin mit den Kindern durch die Straßen ziehen darf, wird er noch sorgsam in sein römisches Gewand gekleidet.

Pünktlich um 17.30 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung. Angeführt vom Spielmannszug  und gefolgt von St. Martin zum Donnerberg, wo das große Martinsfeuer entfacht wird. Ganz an der Spitze immer eine kleine Abordnung vom BVV, die zusammen mit der Polizei und anderen Kräften den Zug in die stark befahrene Frintroper Straße einschleust.

Nur wenige wissen, dass der Schimmel auch manchmal von einer „St. Martina" geführt wurde. Das fällt im Kostüm des römischen Soldaten ja nicht so auf. In einem Jahr war „St. Martina“ sogar schwanger, auch das fiel unter dem weiten Kostüm nicht auf.

Etwas moderner ist der Zug geworden, denn die Menschen vom BVV-Vorstand verständigen sich während des Zuges inzwischen über Handy. Zwei von den vielen Musikgruppen marschieren nicht von Anfang an mit, sondern werden zum einen beim Vorbeizug am Markt bzw. etwa in Höhe der Straße Klaumberghang eingeschleust, damit auch jeder Zugteilnehmer die Martinslieder hören kann. An der Einmündung vom Höhenweg in die Frintroper Straße wird der Zug dann auch kurzfristig angehalten, bis das O.K. über Handy vom Zugende kommt, dass der Zug aufgeschlossen hat. So stellt man sicher, dass der Verkehr auf der Frintroper Straße nicht unnötig lange angehalten werden muss. Eine ganz wichtige Rolle spielt hierbei auch die Polizei, die die stark befahrene B231, die Frintroper Straße eben, kurzer Hand zwischen Schloßstraße und Höhenweg in beide Fahrtrichtungen sperrt.

Auch die beiden „Oberbrandmeister", die für das Entfachen des Feuers zuständig sind, werden über Handy informiert, wo sich der Zug gerade befindet. Denn wenn der lange Tross in den Donnerberg einbiegt, soll das Feuer bereits lichterloh brennen. Nur zweimal in der langen 50jährigen Geschichte musste man den Zug an der St. Josef-Kirche enden lassen, weil Baustellen den Zugang zum Donnerberg verwehrten. Nur diese beiden Male musste man sich dann auch mit einem kleinen bengalischen Feuer in der Schlenterstraße zufrieden geben.

Seit einiger Zeit wird auch das Martinsspiel wieder am Feuer gezeigt und Groß und Klein lauschen aufmerksam der Geschichte um den römischen Feldherrn und den Bettler.

Traditionell geht es auch nach dem Martinszug beim BVV-Vorstand weiter. Man trifft sich mit einigen Honoratioren aus Kirche, Politik und anderen lieben Menschen aus dem Frintroper und Bedingrader Dorfleben und zieht die vielen Gewinner.

Der allererste Frintroper Martinszug geht im übrigen auf das Jahr 1926 zurück. Rektor Johannes Pesch von der Schule III (Neerfeldschule, später Walter-Pleitgen-Schule) war Initiatior dieser Brauchtumspflege. Ein Martinsausschuss mit Mitgliedern aus vielen Frintroper Vereinen und kirchlichen Verbänden sowie aus der Elternschaft stand ihm dabei zur Seite.

Nach dem zweiten Weltkrieg lebte diese Tradition am Martinstag erst wieder in den 50er Jahren auf. (RWS)

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