Halden als gestalterische Landschafts-Elemente in Borbeck

Eine Monographie, die im Jahr 1969 als „Natur und Landschaft im Ruhrgebiet“ von der Landesbaubehörde Ruhr herausgegeben worden ist, zeigt einen unbefestigten Weg, der zu einer grauen Halde führt.

Die Innenseite des Bucheinbands erklärt: Es geht um die “´Haldenlandschaft` im Bereich der Zeche Emil-Emscher in Essen-Vogelheim.“

Die Zeche Emil-Emscher westlich der Gladbecker Straße gibt es schon lange nicht mehr. Auch die Halde ist verschwunden. Auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks ist ein Gewerbegebiet entstanden, das jetzt erweitert werden soll. Der dafür notwendige Bebauungsplan liegt augenblicklich als Entwurf vor.

Die genannte Veröffentlichung enthält einen Beitrag, der als Examensarbeit zum Thema „Geographische Untersuchungen der Halden und Kippen im zentralen Ruhrgebiet“ im Jahr 1966 an der Universität Münster entstanden ist.

Verfasserin ist Magdalena Bisler, die lange Zeit als Fachlehrerin für Geographie am Mädchengymnasium Borbeck unterrichtet hat.

Sie stellt fest, dass mit „Bergbau und Eisenindustrie, Bergen, Erzen und Schlacken (…) die Vorbedingungen für die grundlegende Umgestaltung der Landschaft im Ruhrgebiet gegeben“ waren.

Als Beispiel führt sie die Phönixhalde in Bergeborbeck an. Es handelt sich um eine Halde, die die Schlacke der bis etwa Mitte der 1920er-Jahre auf dem Gelände zwischen Friedrich-Lange-Straße und Haus-Berge-Straße arbeitenden Eisenhütte aufnahm. Die Verfasserin beurteilt den Zustand der Phönixhalde zum Zeitpunkt ihrer Untersuchungen wie folgt: „Der Rest der Phönixhalde in Borbeck ist verhältnismäßig schmal und hoch, mit zu allen Seiten steilem Abfall, der durch Anschüttungen für eine Begrünung geeigneter gemacht wurde.“ Die – wenn auch steile – Hanglage war in der Nachkriegszeit für Kinder eine gern genutzte Rodelstrecke.

Die Phönixhalde und ihr Umfeld waren noch Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs Teil einer überwiegend industriell geprägten Landschaft. Das folgende Bild (unten rechts) – von der Halde aus aufgenommen – ermöglicht einen Blick auf die Werksanlagen der Zinkhütte als Industriekulisse.

Im Hintergrund sind schemenhaft der Turm der Dionysius-Kirche und der Frintroper Wasserturm zu erahnen. Im Bild links ist die Kirche St. Maria Rosenkranz zu sehen. Die beiden Türme haben noch abgeflachte Abdeckungen mit Kugel und Kreuz.

Das zweite Bild (links) ist Jahrzehnte später aus gleicher Perspektive entstanden. Deutlich zu sehen: Die Türme haben inzwischen Faltdächer erhalten. Üppiges Grün verengt jetzt den Blickwinkel. Der bewaldete Hang ist im Jahr der Grünen Hauptstadt Europas 2017 zu einem der 30 im gesamten Essener Stadtgebiet verteilten so genannten Aussichtspunkte geworden.

Das weitere Umfeld der Phönixhalde ist nur teilweise zu erkennen. Es hat sich ebenfalls verändert. Die auf dem ersten Bild abgelichtete Zinkhütte ist abgebaut. Auch die aus Produktionsrückständen bestehende „rote Halde“ der Zinkhütte ist entfernt. Stattdessen ist auf dem Gelände eine Siedlung inmitten einer Hügellandschaft entstanden – in dieser Form allerdings ungeplant. Zur Erinnerung: Als in den 1980er-Jahren auf der Grundlage eines neuen Bebauungsplans zahlreiche Häuser bereits errichtet und bewohnt waren, fielen – so die Stadt – „geruchlich auffällige Böden an.“ Analyseergebnisse ergaben hohe Schwermetallgehalte. Offensichtlich waren während der Zinkherstellung Schadstoffe ins Erdreich gelangt. Bauarbeiten wurden sofort eingestellt.

In einem aufwendigen Sanierungsverfahren wurden die belasteten Böden tief abgetragen, mit einer mineralischen Dichtungsschicht abgedeckt und mit unbelastetem Vegetations- und Mutterboden zusätzlich gesichert. Lediglich die Wohnhäuser blieben stehen und wurden bis an die Kelleraußenwände freigelegt.

Der abgetragene verunreinigte Boden wurde auf dem unbebauten Teil des Geländes zu einem „Hügelbauwerk“ angeschüttet und gleichfalls mit Vegetations- und Mutterboden abgedeckt.

Damit waren die Voraussetzungen für die heute erlebbare Parklandschaft des Altenberg-Geländes geschaffen. Fußwege laden dazu ein, begrünte Halden zwischen Phönixhalde und Panzerbau zu erwandern.

Denn auch der ehemalige Panzerbau zwischen Weidkamp und Bottroper Straße ist eine begrünte Halde. „Panzerbau“ war der Name für eine Rüstungsfabrik der Firma Krupp, die in Borbeck während des Zweiten Weltkriegs Geschütztürme und Wannen für Panzerkampfwagen hergestellt hat. Nach der Demontage konnte sich das unberührte Brachgelände jahrzehntelang zu einem Biotop entwickeln.

Auf dem etwa 20 Hektar großen Gelände wollte die Stadt Essen in den 1980er-Jahren Gewerbe ansiedeln. Umweltschutzorganisationen forderten aber die Erhaltung dieses kleinen Waldes als Schutz vor den Emissionen der benachbarten Industrie.

Eine Machbarkeitsstudie bestätigte die Schutzfunktion des Panzerbauwaldes und empfahl deshalb die Ansiedlung von Gewerbe nur als Randbebauung des Panzerbaus. Diese Lösung setzte sich schließlich durch, so dass der Kernbereich mit seinem Baumbestand erhalten blieb.

Teile des Areals wurden mit U-Bahn-Aushub zu einer Halde aufgeschüttet und begrünt, so dass der gerettete Wald und der begrünte Hügel als Luftfilter und Naherholungsgebiet dienen.

Die im Jahr 1966 von Magdalena Bisler geschriebene Staatsarbeit der Universität Münster mündet in eine Forderung: „Besonders in der Kultivierung von Halden und Kippen müssen zukünftige Aufgaben gesehen werden, nicht nur, damit eine Eingliederung dieser landschaftsfremden Elemente in die Landschaft des Ruhrgebiets erreicht wird, sondern auch, um dem arbeitenden Menschen das ´Ruhrrevier` zu einer Heimat werden zu lassen, in der er sich wohlfühlen kann.“

In den auf Halden herangewachsenen Grüngebieten von Phönixhalde, Altenberg-Siedlung und Panzerbau hat sich diese Forderung erfüllt.

Wolfgang Sykorra

Quellen:

  • www.essen.de „Sanierung der Altenbergsiedlung“ – 10. August 2025.
  • www.essen.de „Aussichtspunkte in Essen“ – 8. August 2025.
  • Wolfgang Sykorra: Gutachter der Uni Dortmund bieten Kompromissvorschlag an. Panzerbau-Papier unter die Lupe genommen, in: Borbecker Nachrichten / Essen vom 12. März 1982.
  • de.wikipedia.org „Panzerbau III“ – 10. August 2025
  • www.komoot.com – 10. August 2025 (Bild 4).
  • www.borbeck.de „St. Maria Rosenkranz“ – 8. August 2025.
  • Abbildungen: 1 privat, 2, 3 Stadt Essen, 5,6 privat.

Zurück